Boxenstopp Mond: Die nächste industrielle Revolution findet im All statt
Das Unternehmen Lonestar verfüge bereits über zwei Rechenzentren auf dem Mond.
«Weltraumverteidigung ist ein riesiges Thema», sagt Korp. Viele Nationen investieren einen Teil ihres Verteidigungshaushalts in den Weltraum, sagt sie.
Lockheed Martin, Palantir, Blue Origin
Das könnte das Interesse von Unternehmen wie Lockheed Martin und Palantir am Weltraum erklären, die laut Professor Ullrich derzeit ebenfalls mitmischen.
«Lockheed ist ein zentraler Akteur in der Mondwirtschaft», fügt Korp hinzu. «Es ist ihr Orion-Raumschiff, mit dem die Artemis-2-Crew den Mond umflogen hat. Lockheed hat einen langfristigen Vertrag mit der Nasa für zukünftige Missionen zum Mond und zum Mars.»
Unternehmen wie Blue Origin wiederum haben ihre gesamte Belegschaft auf die Entwicklung von Mondlandefähren für Artemis IV und darüber hinaus ausgerichtet, so Korp. «Sie hatten jüngst einen schweren Rückschlag mit der Explosion während eines statischen Triebwerkstests ihrer New-Glenn-Rakete auf der Startrampe im Kennedy Space Center. Aber Jeff Bezos ist der Mondinfrastruktur absolut verpflichtet – er und sein Team werden sich davon nicht aufhalten lassen. Sie werden das Problem beheben und weitermachen. Das könnte ihre Entschlossenheit sogar noch stärken.»
Starlab
«Starlab ist das klarste Beispiel dafür, wohin sich der Markt entwickelt», sagt Experte Ullrich mit Blick auf die private Raumstation. Die einzelnen Experimente auf der ISS würden sich künftig zu einer KI-gestützten kommerziellen Raumstation entwickeln, die speziell für Forschung, Produktion und industrielle Nutzung ausgelegt sei.
Starlab soll vollständig montiert mit einer einzigen SpaceX-Starship-Rakete gestartet werden.

Darstellung der kommerziellen Raumstation Starlab. Die geplante Raumstation soll künftig als Nachfolgerin der Internationalen Raumstation (ISS) dienen. Bild: (zVg)
Laut Ullrich handelt es sich derzeit um ein US-geführtes globales Joint Venture mit Voyager Technologies, Airbus, Mitsubishi Corporation, MDA Space, Palantir Technologies und Space Applications Services sowie Partnern wie Hilton, Northrop Grumman und der Ohio State University.
«Der Zweck besteht darin, die Zeit nach der ISS zu sichern und den niedrigen Erdorbit zu einer regulären, skalierbaren Plattform für Wissenschaft, Biotechnologie, moderne Materialien, Halbleiter, Medikamentenentwicklung und Fertigung der nächsten Generation zu machen», sagt er.
Europa droht den Weltraum-Boom zu verpassen
Trotz all dessen scheint ein Grossteil Europas die Tragweite dieser Entwicklung noch nicht erkannt zu haben.
«Diese Transformation liegt nicht Jahrzehnte entfernt – sie wird wahrscheinlich innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre stattfinden. Dennoch scheinen in Europa nur sehr wenige Menschen wirklich zu erkennen, was auf uns zukommt», sagt Ullrich. Er glaubt, dass dies daran liegt, dass Raumfahrt in Europa überwiegend staatlich gesteuert und primär als Forschungsprojekt verstanden werde. Das kommerzielle Potenzial des Alls sei dagegen bislang kaum erschlossen.
So gross das wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Potenzial des Weltraums auch sei – letztlich werde seine Entwicklung durch ökonomische Faktoren bestimmt.
Laut World Economic Forum könnte die Raumfahrtindustrie bis 2035 ein Marktvolumen von 1,8 Billionen Dollar erreichen.
Bereits diesen Juni könnte SpaceX als grösster Börsengang der Geschichte an die Märkte gehen – mit einer Bewertung zwischen 1,75 und 2 Billionen Dollar.
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