Stellenabbau bei Fisch: «Müssen wieder eine echte Boutique werden»

Fisch Asset Management vollzieht einen der tiefgreifendsten Umbauten seiner Unternehmensgeschichte. Rund 15 Vollzeitstellen – rund ein Viertel der Belegschaft – werden abgebaut. Gleichzeitig reduziert der auf Obligationen spezialisierte Vermögensverwalter seine Investmentorganisation von vier auf zwei Einheiten und senkt auf diese Weise auch die Sachkosten.

Für CEO Torsten von Bartenwerffer ist der Schritt schmerzhaft, aber notwendig. «Wir müssen wieder zu unseren Wurzeln zurückkehren», sagt er im Gespräch mit finews.

torsten bartenwerffer

Torsten von Bartenwerffer. (Bild: zVg)

Wachstum hat Komplexität geschaffen

Seit der Gründung vor 30 Jahren ist Fisch kontinuierlich gewachsen und hat seine Aktivitäten schrittweise ausgeweitet. Das Unternehmen hat neue Investmentbereiche aufgebaut und die Organisation entsprechend erweitert. 

Dieser Entwicklung erteilt die Firmenleitung nun eine Absage. 

«Eine Boutique muss in diesem Umfeld eine Boutique bleiben – und nicht versuchen, alles abzudecken», sagte von Bartenwerffer. 

Künftig wird Fisch seine Investmentplattform von vier auf zwei Einheiten reduzieren. Die Bereiche Corporate Bonds, Emerging Markets und Teile von Multi Asset werden organisatorisch zusammengeführt. Convertibles bleiben als zweite Kernkompetenz ebenfalls bestehen.

Dabei sollen keine Produkte verschwinden. Vielmehr gehe es darum, Synergien besser zu nutzen und historisch gewachsene Strukturen zusammenzuführen.

«Es sind gewachsene Organisationen, die sehr vertikal aufgebaut wurden. Jetzt führen wir sie horizontal zusammen.»

«Zurück zu den Wurzeln»

Für den CEO ist die strategische Neuausrichtung mehr als ein Sparprogramm: «Man kann es auch so formulieren: Wir gehen zurück zu den Wurzeln von Fisch.»

Gerade im Bereich Wandelanleihen und Unternehmensanleihen verfüge das Haus seit Jahrzehnten über besondere Expertise. Diese Kernkompetenzen wolle man nun wieder stärker in den Mittelpunkt stellen.

«Wir glauben, dass wir mit einem fokussierteren, effizienteren und agileren Setup sogar noch besser werden können.»

Margendruck nimmt zu

Auslöser für den Umbau sind laut von Bartenwerffer nicht hausgemachte Probleme, auch nicht finanzielle Engpässe oder Veränderungen im Verwaltungsrat bzw. dem Aktionariat. «Vielmehr stehe die gesamte Asset-Management-Branche unter Druck.

Neben der fortschreitenden Konsolidierung nennt er vor allem den Trend zu passiven Anlagelösungen: «Als Boutique müssen wir unser Geschäftsmodell jeden Tag neu rechtfertigen.»Gleichzeitig sieht er aber weiterhin gute Chancen für aktives Management – insbesondere in weniger effizienten Marktsegmenten wie Wandelanleihen.

«Wer einfach einen Convertible-Bond-Index kauft, erhält nicht dasselbe wie ein aktiv gemanagtes Portfolio.» Auch im Obligationengeschäft lasse sich langfristig Mehrwert erzielen. «Unsere Performance zeigt, dass eine nachhaltige Outperformance gegenüber den Indizes möglich ist.»

Abschied von der 20-Milliarden-Vision

Fisch bricht mit dieser Umstrukturierung auch mit einer früheren Wachstumsstrategie.

Vor einigen Jahren hatte sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, das verwaltete Vermögen auf rund 20 Milliarden Franken auszubauen. Rückblickend beurteilt von Bartenwerffer diese Ambition deutlich kritischer.

«Mit 20 Milliarden ist man weder so gross wie die ganz Grossen noch so agil wie eine Boutique. Man sitzt irgendwo in der Mitte», sagt er. Diese Zwischenposition habe sich als wenig attraktiv erwiesen. «Im Nachhinein ist man immer schlauer. Wir hatten gute Gründe für diese Strategie. Heute sehen wir aber, dass sie für uns nicht optimal war.»

Ein grosser Schnitt

Der Stellenabbau erfolgt in einem einzigen grossen Schritt. Betroffen sind vor allem Back- und Middle-Office-Funktionen, aber auch das Portfolio Management.

Weitere Entlassungswellen soll es nicht geben.

«Wir machen jetzt bewusst einen grossen Schnitt. Permanente kleine Restrukturierungen belasten eine Organisation viel stärker», so von Bartenwerffer.

Trotz der einschneidenden Massnahmen zeigt sich der CEO überzeugt, dass Fisch damit seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärkt. «Wenn Organisationen immer grösser werden, braucht es immer mehr Energie, um die Komplexität zu verwalten. Schlankere Strukturen setzen dagegen Kräfte frei. Genau dorthin wollen wir zurück.»