Japan: Zinsen steigen, Nikkei auf neuem Rekord

Die drastisch gestiegenen Energiepreise und ein schwacher Yen haben zuletzt den Druck auf die Bank of Japan erhöht. Um die Inflation einzudämmen, reagieren die Notenbanker nun mit einer weiteren Zinserhöhung. Gemäss Mitteilung vom Dienstag steigt der Leitzins von 0,75 auf 1 Prozent, zuletzt hatte die Bank of Japan im Dezember die Zinsen angepasst.

Zugleich kündigte sie an, ihre Anleihekäufe ab April 2027 bei rund 2 Billionen Yen (10  Milliarden Franken) pro Monat stabil zu halten und die Reduzierung der Käufe damit zu beenden.

Yen unter Druck

Die Bank von Japan versucht seit einiger Zeit, ihre Geldpolitik zu normalisieren. Zuvor hatte sie die Zinsen über Jahrzehnte nahe null oder sogar im negativen Bereich gehalten.  Die durch den Krieg im Iran ausgelösten Inflationsschübe, die die Ölpreise in den vergangenen Monaten stark nach oben getrieben haben, treffen Japan hart, denn das Land importiert fast sein gesamtes Öl und Gas. 

Die niedrigen Zinsen setzten auch den japanischen Yen unter Druck. Die Währung fiel zuletzt auf etwa 160 Yen je US-Dollar, allein in diesem Jahr verlor die japanische Währung rund 20 Prozent an Wert. Parallel dazu profitierten die Aktienmärkte. Noch vor dem erwarteten Zinsentscheid stieg der Nikkei 225 erstmals über 70 000 Punkte, gab einen Teil der anfänglichen Gewinne jedoch wieder ab. 

Klarer Entscheid

BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda, der zuletzt im Krankenhaus lag, nahm nicht an der Sitzung des geldpolitischen Rats teil. Laut Mitteilung wurde der Entscheid mit sieben zu einer Stimme gefällt. 

Trotz der Straffung blieben die Finanzierungsbedingungen vorerst locker, erklärte die BOJ. Dennoch werde die Notenbank den Leitzins abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung weiter anheben. Ein schwacher Yen verteuert die ohnehin hohen Energieimporte für das Land zusätzlich.

Dass Unternehmen die höheren Kosten bereits weitergeben, zeigte sich im Mai, als die Grosshandelsinflation auf ein Drei-Jahres-Hoch von 6,3 Prozent kletterte. Die japanische Wirtschaft hat sich der BOJ zufolge moderat erholt, auch wenn das Wachstum künftig etwas an Fahrt verlieren dürfte. Die Gefahr einer deutlichen Abschwächung habe sich jedoch verringert.

Die Währungshüter gehen davon aus, dass die Kerninflation schrittweise steigen und zwischen der zweiten Hälfte des Fiskaljahres 2026 und dem Fiskaljahr 2027 das Zielniveau von zwei Prozent erreichen wird. Mit dem Zinsschritt schliesst sich die BOJ anderen grossen Zentralbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) an, die ihre Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung ebenfalls gestrafft haben.

Wie weiter bei Fed und SNB?

Schon am Mittwoch folgt das Fed. Kevin Warsh übernimmt das Präsidium beim ersten FOMC-Meeting seiner Amtszeit mit einer Jahres-Inflation von 4,2 Prozent – dem höchsten Stand seit über drei Jahren. Die Kerninflation liegt bei 2,9 Prozent, also ebenfalls deutlich über dem Ziel der amerikanischen Notenbank. Das Szenario für den 17. Juni scheint klar: Der Leitzins liegt unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent, und CME FedWatch sowie Prediction Markets preisen eine Wahrscheinlichkeit von 98 bis 99 Prozent für einen unveränderten Satz ein. 

Anders in der Schweiz. Am Donnerstag preisen die Märkte aktuell eine Senkung um 25 bis 50 Basispunkte durch die Schweizerische Nationalbank ein.