Ethos zieht pessimistisches Fazit der GV-Saison
Die Ethos-Stiftung zieht aus ihrem Rückblick auf die vergangene Saison der Generalversammlungen (GV) ein klares Fazit: «Die Selbstregulierung genügt nicht», heisst es in der am Dienstag veröffentlichten Studie.
Das betreffe sowohl die Höhe der Vergütungen, die Zusammensetzung der Verwaltungsräte oder die Qualität der zur Abstimmung vorgelegten Nachhaltigkeitsberichte. «Die Praxis verbessert sich dauerhaft nur dort, wo ein gesetzlicher Rahmen sie stützt.»
Die Frage erhalte noch mehr Aktualität, da die Regulierung der nichtfinanziellen Berichterstattung grundlegend überarbeitet wird. «Der Bundesrat will die Schweizer Gesetzgebung an jene der EU angleichen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu wahren. Dies könnte jedoch zulasten der Qualität der veröffentlichten Informationen gehen und die Entscheidungsgrundlage der Investierenden schwächen», schreibt Ethos.
Ergebnisse von 172 Generalversammlungen
Betrachtet wurden bei der Studie die Traktanden von 172 Generalversammlungen von Unternehmen des Swiss Performance Index (SPI). Die durchschnittliche Zustimmung zu Verwaltungsratsanträgen lag dabei bei 95 Prozent und damit auf ähnlich hohem Niveau wie in den Vorjahren. Dennoch wurden einzelne Traktanden deutlich kritischer beurteilt als früher, schreibt Ethos.
Besonders umstritten seien erneut die Vergütungsberichte gewesen. Sie erreichten lediglich eine durchschnittliche Zustimmung von 87,5 Prozent und bilden damit erneut das konfliktträchtigste Thema an den Generalversammlungen. Gleichzeitig stiegen die Vergütungen der Konzernchefs weiter an. Die CEOs der SMI-Unternehmen erhielten demnach 2025 durchschnittlich 8,4 Millionen Franken – fast 29 Prozent mehr als noch 2020.
Acht im 10-Millionen-Klub
Insgesamt verdienten acht CEOs börsenkotierter Schweizer Unternehmen mehr als 10 Millionen Franken. An der Spitze der Vergütungsrangliste steht erneut der Chef von Galderma mit 17,5 Millionen Franken. Es folgen die CEOs von Partners Group mit 16,9 Millionen Franken sowie UBS mit 14,9 Millionen Franken.
Für Aufsehen habe insbesondere der Vergütungsbericht der SIG Group gesorgt. Er erhielt lediglich 35 Prozent Zustimmung und war damit der einzige Vergütungsbericht, der in dieser Saison an der Urne scheiterte. Auch die Berichte von Mobilezone, Softwareone und DocMorris wurden nur knapp angenommen, betont Ethos.
Wachsender Einfluss der Empfehlungen
Die Stiftung macht ihren eigenen Einfluss an den GVs daran fest, dass die von ihr unterstützen Anträge im Durchschnitte eine höhere Zustimmungsquote erreicht haben als diejenigen, die sie ablehnte. Die von Ethos unterstützten erhielten im Schnitt 97 Prozent der Ja-Stimmen gegenüber nur 88,4 Prozent bei denen, die Ethos ablehnte. «Dieser Einfluss hat gegenüber dem Vorjahr zugenommen, als die von Ethos unterstützten Anträge im Durchschnitt 96,9 Prozent der Ja-Stimmen erhielten und jene, die Ethos ablehnte, 90,3 Prozent der Stimmen.»
Ethos warnt mit Blick auf die Aktionärsdemokratie vor einer zunehmenden Konzentration von Stimmrechten bei einzelnen Grossaktionären. Als Beispiel wird auf die Generalversammlung der Swatch Group verwiesen, bei welcher der Mehrheitsaktionär Hayek-Pool mehrere umstrittene Entscheide gegen den Willen der Minderheitsaktionäre durchsetzen konnte.
Kritik an ungeprüften Nachhaltigkeitsdaten
Die Zustimmung zu den Nachhaltigkeitsberichten sank in diesem Jahr auf noch 93,9 Prozent von 97,4 Prozent im Jahr 2024. Ethos selbst habe nur noch 36,7 Prozent zur Annahme empfohlen. Dabei wurden vor allem mangelnde Transparenz, unzureichende Datenqualität und fehlende Klimaziele bemängelt.
Die Analyse zeige zudem erhebliche Defizite bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Von 129 untersuchten Unternehmen lassen 53 ihre Nachhaltigkeitsberichte überhaupt nicht extern prüfen. Lediglich sieben Unternehmen hätten den gesamten Bericht einer unabhängigen Prüfung unterzogen.
Zwar würden mittlerweile 93 Prozent der Unternehmen ihre direkten Treibhausgasemissionen veröffentlichen, doch bei den indirekten Emissionen entlang der Lieferkette bleibt die Transparenz begrenzt. Zudem verfügen weiterhin acht Unternehmen des Leitindex SMI über keine wissenschaftlich validierten Klimaziele.
Frauen-Quote im Verwaltungsrat
Die Zahl der SPI-Unternehmen mit mindestens 30 Prozent Frauen im Verwaltungsrat ist in den letzten zehn Jahren von 5,1 Prozent im Jahr 2015 auf 59,2 Prozent im vergangenen Jahr erheblich gestiegen.
Gleichwohl haben mehr als 40 Prozent, also 78 Unternehmen, dieses Ziel noch immer nicht erreicht, darunter drei SMI-Unternehmen (Amrize, Kühne+Nagel und Sika), wie Ethos bemängelt. «Weit besorgniserregender ist, dass 22 SPI-Unternehmen 2026 nach wie vor keine einzige Frau in ihrem Verwaltungsrat hatten.»














