Swipra-GV-Analyse: Ankeraktionäre halten Zustimmungsquote hoch

Nachdem der Corporate-Governance-Dienstleister Swipra Services Ende April eine Zwischenbilanz zur Saison der Generalversammlungen (GV) von Schweizer Unternehmen gezogen hatte, liegt nun seit Dienstag die Gesamtbilanz vor.

Die Analyse deckt die GV der 100 grössten im Swiss Performance Index vertretenen Gesellschaften vom 1. Juli 2025 bis zum 18. Juni 2026 ab und umfasst insgesamt 1'998 Traktanden. In der Regel werden dabei die Beteiligungen von Ankeraktionären wie Familien, strategischen Investoren oder dem Staat mit einem Anteil von über 10 Prozent nicht berücksichtigt.

Die Dauerbrenner an den Generalversammlungen

Im Zentrum des Interesses stehen dabei – nicht anders als bei einer ähnlichen Auswertung, die der Stimmrechtsberater Ethos kürzlich vorlegte – die Themen Zusammensetzung des Verwaltungsrats, Vergütungen der Geschäftsleitung und Nachhaltigkeit.

Auf den ersten Blick sei die Schweizer GV-Saison 2026 mit stabilen Zustimmungsraten und nur sehr wenigen Ablehnungen reibungslos verlaufen. Aber bei genauerer Betrachtung offenbare sich ein anderes Bild, hält Swipra fest. «Die Abstimmungsrichtlinien institutioneller Aktionäre werden komplexer, und Aktionäre stimmen immer differenzierter ab. Dabei rücken Verwaltungsratspräsidenten und Ausschussvorsitzende weiter in den Fokus, Vergütungshöhen werden zunehmend kritisch hinterfragt, und Nachhaltigkeitsberichte werden häufiger genutzt, um Kritik zu äussern.»

Ausschlaggebende Ankeraktionäre, engagierte Verwaltungsräte

Ohne Unterstützung von Ankeraktionären, also wenn allein der Streubesitz entschieden hätte, wären 97 Traktanden (im Vorjahr noch 37) abgelehnt worden, rechnet Swipra vor. Bei 45 davon ging es um die Wahl von Verwaltungsratsmitgliedern und bei 25 um die Höhe der Vergütungen.

Als «bemerkenswert» erachtet Swipra das Engagement der Verwaltungsräte als Aktionäre: Der Medianwert der gehaltenen Aktien betrage 2,2 Millionen Franken für den Präsidenten und 914'000 Franken für die Mitglieder des Gremiums, was dem 4,5fachen des entsprechenden Jahreshonorars entspreche (CEO kommen «nur» auf das 1,4fache).

Kritisch bei den Vergütungen

Christoph Wenk Bernasconi, Autor der Studie, kommentiert die Ergebnisse: «Beim Thema Vergütung hinterfragen die Aktionäre zunehmend die Beträge. Dabei stehen insbesondere die langfristigen Vergütungspläne mit ihren komplexen Strukturen im Vordergrund.» Und er verteilt auch Lob: «Bei den jährlichen Boni sind die Transparenz und das Verständnis zum Zusammenhang zwischen Leistung und Auszahlung gestiegen, nicht zuletzt dank einem intensiveren Dialog zwischen den Aktionären und den Unternehmen.»

Doppelt so viele «Streubesitzaktionäre» wie im Vorjahr lehnten den Nachhaltigkeitsbericht ab. Die Quote bleibt aber mit 10 Prozent auf einem tiefen Niveau.

Als neue «Eskalationsthematik» identifiziert Swipra die Wahl der externen Revisionsstelle. Beim umstrittensten Viertel stieg die Zahl der Gegenstimmen von 22 auf 41 Prozent. Revisoren scheinen (notabene immer wieder gewählte) Sesselkleber zu sein: «Die durchschnittliche Mandatsdauer beträgt 14 Jahre; mehr als ein Fünftel der Unternehmen arbeitet gar seit über 20 Jahren mit derselben Revisionsstelle zusammen.

Mehr Split-Voting 

Interessant ist die Auswertung des Einflusses von Stimmrechtsberatern. Wenn alle Stimmrechtsberater ein Nein empfohlen hatten, stimmten 62 Prozent (Vorjahr 68) des Streubesitzes mit Nein. «Der Einfluss von ISS sank um rund 6 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent des Streubesitzes; der Einfluss der übrigen Stimmrechtsberater blieb weitgehend stabil», hält Swipra fest.

Wichtiger wird das Phänomen des Split-Voting: «Asset Manager bieten ihren Kunden (Pensionskassen und Vermögensverwalter) vermehrt die Möglichkeit, nach eigenen Richtlinien für ihre indirekt gehaltenen Anlagen abzustimmen», wird in der Studie ausgeführt. Die Konsequenz: Es wird schwieriger, GV-Abstimmungsergebnisse zu prognostizieren.