Schweiz: Firmenkonkurse nehmen massiv zu

Seit Anfang 2025 sind öffentliche Gläubiger wie Steuer- und Sozialversicherungsbehörden verpflichtet, offene Forderungen konsequenter über Betreibungsverfahren durchzusetzen. Dies erkläre einen Teil des Anstiegs, teilte der Wirtschaftsinformationsdienst Dun & Bradstreet am Mittwoch mit.

Konkret erhöhten sich die Unternehmensinsolvenzen in den ersten sechs Monaten um knapp 55 Prozent auf 7'496 Fälle. Dies sei der höchste Stand seit 1994, also seit über 30 Jahren. Setzt sich dieses Tempo fort, könnte im Gesamtjahr ein Rekordwert von rund 15'000 Insolvenzen resultieren, nach knapp 11'900 im Vorjahr.

«Der Anstieg in der Schweiz ist nur zum Teil wirtschaftlich bedingt», wird Dirk Radetzki zitiert, Senior Vice President, Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet. Gleichzeitig sei auch die Vergleichbarkeit mit früheren Jahren nicht mehr gegeben. Ein Teil der heute erfassten Fälle wäre unter den alten Regeln nie in einem Konkursverfahren gelandet.

Ausnahme Bau

Auf Branchenebene meldeten das Handwerk (1'053), das Gastgewerbe (770) und der Einzelhandel (626) die meisten Insolvenzen an. Ein Anstieg der Insolvenzen zeigte sich praktisch in allen Branchen, die einzige Ausnahme bildete das Baugewerbe mit einem Rückgang von 12,5 Prozent. Prozentual am stärksten wuchsen die Fallzahlen im Druck- und Verlagsgewerbe (+193,3 Prozent), im Versorgungswesen (+158,8 Prozent) und im Transportwesen (+125 Prozent). 

Ausnahme Kanton Schwyz

In 25 der 26 Kantone stiegen die Insolvenzzahlen, einzig Schwyz verzeichnete mit minus 13,5 Prozent einen Rückgang. Die meisten Insolvenzen entfielen auf Zürich (1'261 Fälle), Genf (788) und Waadt (717), die wenigsten auf Uri (10), Appenzell Innerrhoden (11) und Glarus (15). 

Prozentual am stärksten wuchsen die Fallzahlen in Thurgau (+194,6 Prozent), Appenzell Innerrhoden (+175 Prozent), Basel-Landschaft (+157,9 Prozent) und Jura (+132,4 Prozent).

«Dass es in der Schweiz nahezu alle Kantone und Branchen gleichzeitig trifft, ist ungewöhnlich und verstärkt das Bild eines systemischen statt branchenspezifischen Effekts», erläutert Radetzki. Die Gesetzesreform mache jene Fälle sichtbar, die wirtschaftlich schon lange am Limit gewesen seien, oft langjährige Betriebe mit wenig Spielraum für weitere Belastungen.