Schweizer Vermögensverwalter setzen bei Alternativen stärker auf KI
Private Equity, Private Credit, Immobilien oder Hedgefonds sind im europäischen Wealth Management inzwischen breit etabliert. Drei Viertel der befragten Berater setzen sie bereits ein. Allerdings bleibt die Durchdringung gering: Nur jeder zehnte Berater hat für mehr als einen Fünftel seiner Kunden in Alternativen investiert.
Das zeigt die neue «Europe Advisor Survey 2026» von iCapital. Für die europäische Auswertung wurden 380 Finanzfachleute aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den nordischen Ländern befragt. Weltweit umfasst die Untersuchung 870 Teilnehmer.
Für die Schweiz liegen Antworten von 56 Beratern vor. 77 Prozent nutzen bereits alternative Anlagen.
Schweizer entscheiden besonders häufig selbst
Auffällig ist vor allem, wo die Anlageentscheide getroffen werden. In der Schweiz verlassen sich 61 Prozent der Vermögensverwalter auf den Chief Investment Officer (CIO) oder einen internen Anlageausschuss. Europaweit sind es lediglich 48 Prozent.
Damit ist die Schweiz der am stärksten von internen Anlagegremien geprägte Markt der Untersuchung. Nur 23 Prozent nutzen Modellportfolios externer Asset Manager oder Strategen – nach Grossbritannien der zweitniedrigste Wert Europas.
Der Unterschied zu Deutschland ist beträchtlich. Dort greifen 38 Prozent auf Modellportfolios externer Anbieter zurück, gegenüber 30 Prozent im europäischen Durchschnitt. In Grossbritannien sind es dagegen nur 16 Prozent.
Für Asset Manager verändert das den Vertrieb: In der Schweiz muss ein Produkt weniger den einzelnen Berater als vielmehr den CIO oder ein professionelles Investment Committee überzeugen.
KI: Schweiz mit deutlichem Vorsprung
Noch markanter sind die Differenzen beim Einsatz künstlicher Intelligenz. 54 Prozent der hiesigen Berater bezeichnen KI-gestützte Instrumente zur Portfoliokonstruktion und zur Bestimmung der Grösse alternativer Positionen als Priorität.
Europaweit sind es lediglich 37 Prozent. Kein anderer untersuchter europäischer Markt zeigt eine höhere Nachfrage. In der Schweiz stehen KI-Werkzeuge damit gleichauf mit digitalen Instrumenten für Kundeninformation und Kommunikation.
Mehr Private Equity, weniger Hedgefonds
Auch bei der Auswahl der Anlageklassen unterscheidet sich die Schweiz. 77 Prozent der Schweizer Berater interessieren sich besonders für Private Equity, gegenüber 66 Prozent im europäischen Durchschnitt. Damit weist die Schweiz die zweithöchste Private-Equity-Nachfrage der untersuchten Märkte auf. Am anderen Ende stehen Hedgefonds: Mit lediglich 27 Prozent ist das Interesse in der Schweiz so gering wie in keinem anderen untersuchten europäischen Markt.
Europaweit bleibt Private Equity mit 66 Prozent die gefragteste Alternative. Immobilien haben allerdings kräftig aufgeholt: Das Interesse stieg innert Jahresfrist von 44 auf 54 Prozent. Private Credit fiel dagegen von 56 auf noch 43 Prozent und Hedgefonds von 54 auf 42 Prozent. Venture Capital legte von 26 auf 37 Prozent zu.
Das ist in Europa gefragt

Quelle: iCapital
Schweiz beim weiteren Ausbau zurückhaltender
Interessant ist allerdings ein gegenläufiger Befund. Trotz der hohen Verbreitung wollen Schweizer Berater alternative Anlagen weniger aggressiv ausbauen als ihre europäischen Kollegen.
Nur 30 Prozent planen in den kommenden zwölf Monaten höhere Allokationen, gegenüber 36 Prozent in Europa. Gleichzeitig wollen 21 Prozent ihre Engagements reduzieren – europaweit sind es 16 Prozent.
Europa insgesamt polarisiert sich ebenfalls deutlich. Der Anteil der Berater, die mehr in Alternativen investieren wollen, ist gegenüber dem Vorjahr von 10 auf 36 Prozent gestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich aber auch der Anteil derjenigen, die reduzieren wollen, von 3 auf 16 Prozent.

Quelle: iCapital
Es fehlen die passenden Werkzeuge
Der Engpass liegt inzwischen weniger beim grundsätzlichen Interesse als bei der Umsetzung. 61 Prozent der Schweizer Berater beklagen einen Mangel an geeigneten Modellportfolios für alternative Anlagen – der höchste Wert Europas und fünf Prozentpunkte mehr als im europäischen Durchschnitt.
Weitere 57 Prozent nennen Schwierigkeiten bei der Beurteilung von Liquiditäts- und Risikopositionen. Gerade weil Schweizer Häuser ihre Entscheidungen besonders häufig intern treffen, wiegen diese Defizite schwer.
Das Problem ist keineswegs auf die Schweiz beschränkt. Europaweit nennen 56 Prozent fehlende Modellportfolios als Herausforderung, 54 Prozent die Auswirkungen von Alternativen auf die gesamte Portfoliokonstruktion und 52 Prozent die Beurteilung von Liquidität und Risiken.
Europa ist kein einheitlicher Markt
Der internationale Vergleich zeigt erhebliche Unterschiede. Frankreich weist mit 79 Prozent das höchste Interesse an Private Equity auf. In Grossbritannien ist dagegen der Zugang zu institutionellen Produkten das grösste Problem: 72 Prozent beklagen entsprechende Einschränkungen.
Die Studie wurde im ersten Halbjahr 2026 von einem unabhängigen Marktforschungsunternehmen mittels Telefoninterviews und Online-Follow-up durchgeführt. Befragt wurden registrierte Finanzfachleute, deren Kundenbasis zu mindestens 50 Prozent aus Privatpersonen oder Familien besteht.















