Swiss Life-Studie: Der Schweiz geht der Nachwuchs aus

Im vergangenen Jahr lag die Geburtenrate bei 1,28 Kindern pro Frau – so tief wie nie zuvor. Zu diesem Schluss kommt die am Donnerstag veröffentlichte Studie von Swiss Life, für die 3195 Personen im Alter von 18 bis 60 Jahren befragt wurden. Damit bleibt die Schweiz unter jener Marke von 2,1 Kindern pro Frau, die langfristig nötig wäre, um die Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung stabil zu halten.

Der Trend ist kein Schweizer Phänomen. Weltweit hat sich die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau seit 1950 halbiert. Nach den Bevölkerungsszenarien des Bundesamts für Statistik dürfte die Schweiz ab 2031 erstmals mehr Todesfälle als Geburten verzeichnen. Bis 2075 werden voraussichtlich nur noch zwei Erwerbstätige auf eine Person im Rentenalter kommen. Heute sind es noch drei.

Kinderwunsch trotz Geburtenflaute

Der Geburtenrückgang bedeute allerdings nicht, dass die Menschen grundsätzlich keine Kinder mehr wollen. Fast die Hälfte der kinderlosen 18- bis 45-Jährigen gab an, sich ein Kind zu wünschen. Unter Eltern derselben Altersgruppe möchte rund ein Drittel ein weiteres Kind.

Ein überraschendes Ergebnis liefert die Studie beim Kinderwunsch von Frauen und Männern: Während fast die Hälfte der Befragten glaubt, Frauen hätten häufiger den Wunsch nach Kindern, zeigt sich in den Daten das Gegenteil: Mit 48 Prozent äussern kinderlose Männer sogar etwas häufiger einen Kinderwunsch als kinderlose Frauen (45 Prozent).

Kinder scheitern oft am Geld

Warum entscheiden sich dennoch viele gegen Kinder? Neben einem fehlenden Kinderwunsch und einer abgeschlossenen Familienplanung spiele vor allem die finanzielle Belastung eine zentrale Rolle. Knapp vier von zehn Befragten nennen die Kosten als wichtigen Grund gegen ein erstes oder weiteres Kind.

Kinderlose mit bestehendem Kinderwunsch führen häufig an, sie fühlten sich noch zu jung oder hätten noch nicht den passenden Partner gefunden. Ebenfalls häufig genannt würden finanzielle Gründe. Bei den 31- bis 40-Jährigen gewinnen zudem gesundheitliche Probleme als Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit an Bedeutung.

Mehr Arbeit – vor allem für Mütter

Die Studie zeigt zudem, dass Kinder die Verteilung von Erwerbs- und Familienarbeit nach wie vor stark beeinflussen: Insbesondere Mütter reduzieren ihre Erwerbstätigkeit deutlich. Frauen zwischen 25 und 54 Jahren mit Kindern arbeiten durchschnittlich 16 bis 22 Stunden pro Woche gegen Bezahlung, während kinderlose Frauen im gleichen Alter auf 29 bis 32 Stunden kommen.

Bei Männern zeige sich dieser Unterschied kaum. Väter würden ähnlich viele bezahlte Arbeitsstunden leisten wie kinderlose Männer.

Rechnet man allerdings die unbezahlte Arbeit hinzu, ergibt sich ein anderes Bild. Haushalte mit Kindern wenden insgesamt deutlich mehr Arbeitszeit auf als kinderlose Haushalte. Besonders ausgeprägt ist dies bei Familien mit Kindern unter sieben Jahren. Dort übernehmen Mütter pro Woche rund 61 bis 65 Stunden unbezahlte Arbeit, Väter 39 bis 42 Stunden.

Belastet, aber nicht unzufriedener

Obwohl Eltern finanziell stärker unter Druck stehen und sich häufiger überlastet fühlen, unterscheiden sie sich bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit kaum von Menschen ohne Kinder.

Haushalte mit Kindern sparen im Durchschnitt einen kleineren Anteil ihres Bruttoeinkommens (bis zu 17 Prozent) als kinderlose Paare (bis zu 22 Prozent). Entsprechend ist rund die Hälfte der Befragten überzeugt, dass sich mit Kindern weniger Geld für die private Altersvorsorge zurücklegen lässt.

Gleichzeitig bewerten Eltern ihre finanzielle Lage, ihre Wohnsituation oder ihre Ersparnisse ähnlich positiv wie Kinderlose. Deutlich höher fällt allerdings das Gefühl der Überlastung aus – insbesondere bei Eltern von Kleinkindern. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe fühlt sich häufig überfordert, gegenüber gut einem Drittel der Kinderlosen.

Rollenbilder prägen Familienplanung

Die Untersuchung deutet zudem darauf hin, dass gesellschaftliche Erwartungen weiterhin Einfluss auf Familienentscheidungen nehmen. Drei von zehn Befragten sind der Ansicht, dass die Gesellschaft zu stark erwartet, Kinder zu bekommen. Frauen empfinden diesen Druck deutlich häufiger als Männer.

Auch traditionelle Vorstellungen über die Rollenverteilung sind verbreitet. Mehr als ein Drittel der Befragten hält eine Vollzeitbeschäftigung von Müttern kleiner Kinder für problematisch. Bei Vätern teilt diese Einschätzung lediglich rund jeder Sechste.

Entsprechend erwarten Frauen wesentlich häufiger als Männer, dass ein Kind ihre beruflichen Perspektiven verschlechtert. Diese Wahrnehmung dürfte nach Ansicht der Studienautoren mit dazu beitragen, dass der Schritt zur Familiengründung oder zu einem weiteren Kind hinausgeschoben oder ganz aufgegeben wird.