Zurich-Studie: Schweizer bereuen ihre Vorsicht beim Geldanlegen
Die Schweizer gelten als vorsichtig – doch genau diese Eigenschaft könnte sich bei der Vermögensbildung und Altersvorsorge zunehmend als Nachteil erweisen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von Zurich Schweiz und dem Forschungsinstitut Sotomo.
Demnach bereuen zwei Drittel der Befragten, in den vergangenen fünf Jahren in mindestens einem Lebensbereich zu wenig Risiko eingegangen zu sein. Am häufigsten betrifft dies die Geldanlage: Rund jede dritte Person gibt an, bei Investitionen zu zurückhaltend gewesen zu sein.
Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Bevölkerung, die zwar um ihre finanzielle Zukunft besorgt ist, gleichzeitig aber häufig auf Anlagestrategien setzt, welche die Erreichung ihrer langfristigen Ziele erschweren könnten.
Fast jeder Zweite fürchtet Wohlstandsverlust im Alter
Besonders deutlich zeigt sich dieses Spannungsfeld bei der Altersvorsorge. Laut der Studie rechnet fast die Hälfte der Erwerbstätigen damit, ihren heutigen Lebensstandard nach der Pensionierung nicht halten zu können. Gleichzeitig fühlt sich mehr als die Hälfte hinsichtlich der eigenen Altersvorsorge unsicher.
Dennoch dominiert bei vielen Anlegern weiterhin die Risikoaversion.
Mehr als die Hälfte der Befragten bezeichnet ihr Anlageverhalten als konservativ. Bei der gebundenen Vorsorge setzt die Mehrheit auf risikoarme Strategien. Lediglich etwas mehr als ein Viertel investiert die Gelder der Säule 3a überwiegend oder vollständig in Aktien und Fonds.
Angst vor Börsencrashs prägt Anlageverhalten
Als Hauptgrund für die Zurückhaltung nennt die Studie die Furcht vor Markteinbrüchen. Jeder fünfte Erwerbstätige betrachtet einen Börsencrash als erhebliches Risiko für die eigene Altersvorsorge.
Bemerkenswert ist jedoch der Vergleich mit den Pensionierten: Nur vier Prozent von ihnen geben rückblickend an, dass ein Börsencrash ihre Altersvorsorge tatsächlich beeinträchtigt habe.
Für Sotomo-Studienleiter Michael Hermann zeigt sich darin ein grundlegendes Dilemma. Das Bedürfnis nach Sicherheit sei zwar verständlich, könne langfristig jedoch selbst zum Risiko werden, wenn dadurch Renditechancen verpasst würden.
Männer deutlich risikofreudiger als Frauen
Die Untersuchung zeigt zudem erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während sich die Mehrheit der Männer als risikofreudig bezeichnet, überwiegt bei den Frauen die Vorsicht.
Besonders ausgeprägt ist die Differenz bei Finanzanlagen. Männer geben fast dreimal so häufig wie Frauen an, bei Investitionen Risiken einzugehen. Bei jungen Männern zwischen 18 und 35 Jahren ist die Risikobereitschaft im Anlagebereich am höchsten.
KI verstärkt die Unsicherheit
Neben finanziellen Themen untersucht die Studie auch die Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Arbeitswelt.
Fast ein Drittel der Erwerbstätigen geht davon aus, dass künstliche Intelligenz innerhalb der nächsten fünf Jahre mindestens die Hälfte ihrer heutigen Aufgaben übernehmen könnte. Entsprechend machen sich bereits 38 Prozent Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Bei den jüngeren Erwerbstätigen liegt dieser Anteil sogar noch höher.
Die Studie zeigt damit, dass viele Schweizerinnen und Schweizer in einer zunehmend komplexen Welt Sicherheit suchen – sei es bei der Geldanlage oder im Berufsleben. Doch gerade bei langfristigen Entscheidungen könnte ein Übermass an Vorsicht am Ende kostspieliger werden als das kalkulierte Eingehen von Risiken.

















