Standard Chartered plant weitreichenden Stellenabbau durch KI

Die in London ansässige Bank teilte am Dienstag mit, dass sie die Stellen in Unternehmensfunktionen bis 2030 um mehr als 15 Prozent kürzen und den praktischen Einsatz von KI ausweiten werde, um Prozesse effizienter zu gestalten. Ende vergangenen Jahres beschäftigte die Bank 52’271 Mitarbeitende im Backoffice-Bereich.

«Es geht nicht um Kostensenkung; in manchen Fällen ersetzen wir geringerwertiges Humankapital durch Finanzkapital und Investitionskapital, das wir einsetzen», sagte CEO Bill Winters bei einer Pressekonferenz in Hongkong, wie «Bloomberg» berichtet. Er ergänzte, dass betroffene Mitarbeitende frühzeitig und klar informiert würden.

Damit folgt Standard Chartered dem Trend anderer globaler Banken, die auf technologische Effizienzsteigerungen setzen. HSBC Holdings erwägt in den kommenden Jahren tiefgreifende Stellenkürzungen, während auch Banken an der Wall Street ähnliche Strategien verfolgen.

Menschliche Montagelinie

Goldman Sachs Group-Präsident und COO John Waldron bezeichnete die traditionellen Abläufe seines Unternehmens jüngst als eine «menschliche Montagelinie», die sich gut automatisieren lasse.

Winters und sein Managementteam präsentierten in Hongkong an einem Treffen mit Investoren und Analysten den mittelfristigen Finanzrahmen der Bank, Wachstumsinitiativen und strategische Prioritäten.

Neue Renditeziele

Zusätzlich zur KI-getriebenen Umstrukturierung und einer jüngsten Neuordnung des oberen Managements stellte die Bank neue Renditeziele vor. Standard Chartered strebt eine Verbesserung der Eigenkapitalrendite um drei Prozentpunkte an und peilt mehr als 15 Prozent im Jahr 2028 sowie rund 18 Prozent im Jahr 2030 an. Ausserdem soll das Verhältnis von Kosten zu Erträgen bis 2028 auf 57 Prozent verbessert werden.

Laut der Bank sollen die Stellenkürzungen Produktivitätssteigerungen ermöglichen, so dass der Ertrag pro Mitarbeitenden bis 2028 um etwa 20 Prozent steigt. Unternehmensfunktionen umfassen Unterstützungsrollen wie Risikomanagement und regulatorische Compliance.

«Wir haben keine Arbeitsplatzverluste, aber wir reduzieren Aufgabenbereiche zugunsten von Maschinen – und das wird sich mit dem weiteren Fortschritt der KI beschleunigen», sagte Winters.

Rekordgewinn

Die Bank hatte zuletzt ein Ergebnis in Rekordhöhe erreicht und die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen haben. Unterstützt wurde dies durch rekordhohe Nettozuflüsse von 18 Milliarden Dollar in das Vermögensverwaltungsgeschäft.

Mit den entsprechenden Erträgen konnte die Bank Belastungen durch Rückstellungen in Höhe von 190 Millionen Dollar abfedern, die wegen Risiken infolge des Konflikts im Nahen Osten gebildet wurden.