JPMorgan Chase startet in Deutschland mit «Lock-Zinsen»
Chase ist in den USA eine traditionsreiche, breit aufgestellte Privatkundenbank mit einem grossen Filialnetz. In Grossbritannien begann das Institut im Herbst 2021 dagegen als reine Onlinebank und hat inzwischen laut eigenen Angaben mehr als drei Millionen Kunden. Nun startet die schon länger angekündigte Offensive der Amerikaner mit der jüngsten Onlinebank in Deutschland offiziell.
Die grösste US-Bank bietet ab sofort (aber nur für vier Monate) vier Prozent Zinsen auf Guthaben von bis zu einer Million Euro auf dem Tagesgeldkonto. Das ist laut Handelsblatt aktuell den höchsten Guthabenzins auf Tagesgeld in Deutschland. «Wir müssen den Menschen einen Anreiz geben, Chase auszuprobieren», sagte Chase-Deutschland-Chef Daniel Llano. Dabei helfe ein «attraktiver Zinssatz.»
Die Vier-Prozent gelten nur kurz, danach erhalten Kundinnen und Kunden laut der Mitteilung noch einen variablen Zinssatz von aktuell zwei Prozent. Die Zinsen berechnet Chase täglich und zahlt sie monatlich aus. Das gebührenfreie Tagesgeldkonto kann mobil über eine Banking-App von Chase eröffnet und geführt werden.
Bedingung dafür sind unter anderem Wohnsitz und «Steueransässigkeit» in Deutschland, eine deutsche Handynummer und Referenzkonto mit einer deutschen Bank.
Sehr viel Spargelder
Deutschland gilt traditionell als Land von Sparern. Analysten zufolge ist es mit einem Volumen von rund drei Billionen Euro mit Abstand der grösste Einlagenmarkt in der EU. Laut Bundesbank legen die Deutschen mehr als ein Drittel ihres Bruttogeldvermögens in kurzfristig verfügbaren Sichteinlagen und auf Girokonten an. Besonders Sparkassen und Volksbanken, die die meisten Privatkunden haben, gewähren dafür jedoch oft nur niedrige Zinsen.
Durch den Markteintritt von Chase steigt der Druck auf grosse Institute wie Deutsche Bank und Commerzbank, auf Direktbanken wie ING, DKB und N26 – aber auch auf Sparkassen und Volksbanken.
Keine Baukredite
«Verbraucher in Deutschland erhalten insgesamt zu wenig Zinsen auf Einlagen», sagte Llano gegenüber dem Handelsblatt. Der Spanier ist im April 2025 von ING Deutschland zu JP Morgan gewechselt. Bis Ende 2028 will er die Produktpalette von Chase sukzessive ausbauen.
«Als Nächstes wollen wir ein Girokonto und ein Wertpapierangebot einführen, danach Kredite.» Bei den Darlehen liege der Fokus auf Konsumentenkrediten, etwa für Autos oder Renovierungen. «Komplexere Kredite wie Baufinanzierungen planen wir aktuell nicht.»
Grosse Pläne
Chase plant dabei gross: «Wir investieren in eine Technologieplattform für Millionen von Kunden», erklärte Llano. Zunächst wird die Bank in Deutschland Verluste schreiben. Bis neue Direktbanken die Gewinnzone erreichen, dauert es typischerweise drei bis vier Jahre. «Das ist auch für uns ein realistischer Zeitraum», sagt Llano. «Wir können uns aber auch mehr Zeit lassen, wenn sich zusätzliche Wachstumschancen ergeben.»
Damit werden die Amerikaner zum ersten Mal im Privatkundengeschäft in der EU tätig. «Wir mussten unsere Systeme erstmals vollständig an europäische Anforderungen anpassen – bei der Regulierung, im Zahlungsverkehr und im Meldewesen», erläutert Llano im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auf bestehende Plattformen konnte man anders als europäische Banken nicht zurückgreifen. «Entsprechend sind der initiale Aufwand und die Investitionen – sowohl zeitlich als auch personell – deutlich höher.»
Langer Atem
«Es dauert Jahre, eine Marke aufzubauen», sagt er. «Aber wir haben einen langen Atem.» Zudem habe JP Morgan weltweit bereits mehr als 86 Millionen Privatkunden und somit sehr viel Erfahrung in diesem Geschäft.
In Deutschland war JP Morgan bisher nur im Investmentbanking, im Firmenkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung tätig. Dennoch sei die Bundesrepublik nach Grossbritannien und Kanada der drittgrösste Markt ausserhalb der USA. «Für uns ist nicht entscheidend, wie viele Kunden wir in den ersten Monaten gewinnen, sondern was wir langfristig aufbauen», erklärt der Firmenchef.
Neben digitalen Lösungen bietet Chase seinen Nutzern auch die Möglichkeit, bei Bedarf mit Menschen zu sprechen. «Unsere Leute im Kundenservice werden Fragen auf Deutsch und Englisch beantworten, per Chat oder am Telefon», erklärt Llano. Die Zentrale in Berlin beschäftigt inzwischen 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.















