Hat persönliche Beratung Zukunft? – Das sagen 13 Bankenchefs

Christel Rendu de Lint & Georg Schubiger, Co-CEOs, Vontobel:


Freiräume: Georg Schubiger, Christel Rendu de Lint. (Bild: zVg)

Der Mensch wird auch in Zukunft den Unterschied machen. Weil – bis heute – nur der Mensch in der Lage ist, den feinen Unterschied zwischen Offensichtlichem und Absurdem zu erkennen. Das ist es, was letztlich Kreativität ausmacht. Und in einer Welt voller ständiger Veränderungen ist Kreativität dort gefragt, wo Standardlösungen nicht weiterhelfen und an ihre Grenzen stossen. Was unsere Kunden von uns erwarten, ist, dass wir sie bei der Erfüllung persönlicher Ziele und Träume unterstützen. So wie jeder Mensch einzigartig ist, sind auch die individuellen Ziele, Lebenswege und Umstände sehr unterschiedlich.

Künstliche Intelligenz kann bei der Analyse und bei der Exekution helfen, den Beraterinnen und Beratern mehr Entscheidungssicherheit und Freiräume für die Beratung zu geben. KI bringt Effizienzgewinne. Sie analysiert Daten, simuliert Szenarien und unterstützt beispielsweise bei der Portfoliooptimierung. Daher hat sie auch ihren Platz in einer professionellen Vermögensberatung. Maschinen können aber bis heute keine Werturteile fällen und insbesondere keine singulären Entscheidungen treffen, wie sie in der Beratung gang und gäbe sind. KI kann auch nicht zwischen den Zeilen lesen. Wir alle, die bereits mit KI arbeiten, wissen, dass man die besten Ergebnisse erzielt, je genauer man die Aufgabe beschreibt. Gute Berater müssen aber nicht nur gut zuhören, sondern auch erkennen können.

Wer KI nicht nutzt, wird ersetzt

Die persönliche Beratung hat also Zukunft dort, wo Standard, das Offensichtliche, nicht ausreicht. Wo Werturteile, Kreativität, singuläre Entscheidungen, also der Mensch mit all seinen Sinnen und seinem Verstand, gefragt ist. Wir müssen im Interesse des Kunden für die beste Lösung mit der KI zusammenarbeiten. Denn wenn die Maschine uns Berater auf absehbare Zeit auch nicht ersetzen kann, dann wird aber ganz sicher der Mensch, der die Möglichkeiten und Limitationen von KI-Systemen für seine Arbeit erkennt, diejenige Person ersetzen, die dies nicht tut.