Stefan Walter: Proportionalität bleibt Prinzip wirksamer Aufsicht
Finma-Direktor Stefan Walter betonte am Montag in seiner Rede am Kleinbankensymposium in Bern, dass die Behörde Proportionalität als zentrales Prinzip der Bankenaufsicht in den Mittelpunkt stelle. Er weist dabei die Kritik zurück, dass kleine Banken übermässig stark kontrolliert würden. Die Aufsicht orientiere sich vielmehr an der Grösse, Komplexität und insbesondere am Risikopotenzial eines Instituts.
Dies zeigt sich beispielsweise bei den Vor-Ort-Kontrollen: Während die Finma bei der UBS mehr als 40 Kontrollen pro Jahr durchführt, würden kleine Banken durchschnittlich nur alle acht bis zehn Jahre vor Ort kontrolliert. «2025 haben wir bei Instituten mit einem mittleren oder hohen Risikorating zwölfmal mehr Vor-Ort-Kontrollen durchgeführt als bei Instituten mit einem tiefen Risikorating», betonte Walter. Die Aufsicht konzentriere ihre Ressourcen somit vor allem auf Institute, von denen grössere Risiken für das Finanzsystem ausgingen.
Risiko als Messlatte
Ein wichtiges Beispiel für proportionale Regulierung ist das Kleinbankenregime, das seit 2020 besteht. Es ermöglicht besonders gut kapitalisierten und liquiden Banken der Kategorien 4 und 5 verschiedene regulatorische Erleichterungen. Dazu gehören unter anderem der Wegfall der Berechnung risikogewichteter Aktiven sowie Erleichterungen bei Liquiditätsanforderungen, Risikokontrolle, interner Revision und Offenlegung. Die Erleichterungen seien jedoch an klare Voraussetzungen geknüpft: Weniger Regulierung ist nur dort möglich, wo die Risiken entsprechend gering sind.
Proportionalität bedeute allerdings nicht automatisch weniger Aufsicht. Bei Risiken wie Geldwäscherei, Marktverhalten oder Sanktionen gälten grundsätzlich dieselben Anforderungen unabhängig von der Grösse einer Bank. Auch bei Cyberrisiken und Outsourcing bleibe die Verantwortung für eine angemessene Risikosteuerung beim jeweiligen Institut. Neue Entwicklungen wie Cloud-Dienstleistungen und künstliche Intelligenz schüfen zusätzliche Chancen, aber auch neue Risiken.
Walter betont deshalb, dass proportionale Aufsicht flexibel bleiben muss. Sie soll die unterschiedlichen Grössen und Geschäftsmodelle der Institute berücksichtigen, gleichzeitig aber reagieren können, wenn sich Risiken verändern. Geopolitische Spannungen, Cyberrisiken, technologische Abhängigkeiten und mögliche Instabilitäten bei mehreren kleineren Banken könnten auch für kleinere Institute relevant werden.















