Standard Chartered: Suche nach Standards für Islamische Anleihen geht weiter
Rückblickend auf mehr als 20 Jahre Sukuk-Entwicklung unterstrich Khurram Hilal die Bedeutung, eine Balance zwischen verbesserter Scharia-Konformität und praktischen Marktgegebenheiten zu finden. «Es gibt sehr legitime Erwartungen seitens der Scharia-Gelehrten, die wir respektieren müssen», so Hilal, «aber wir müssen auch die Anforderungen der Investoren und die Herausforderungen der Emittenten berücksichtigen.»
Eigentum verpflichtet
Ein zentraler Diskussionspunkt, erklärte Hilal, ist die Frage der Eigentumsübertragung (title transfer) in Sukuk-Strukturen – ein komplexes Thema, bei dem die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) eine führende Rolle übernommen haben. Die Zentralbank der VAE und die Höhere Scharia-Autorität sind aktiv mit der Branche im Dialog und nehmen unter anderem im Sukuk-Arbeitsausschuss gemeinsam mit dem HSA-Sekretariat teil, um diese Fragen vor der endgültigen Festlegung der IOP-Standards zu klären.
Die Eigentumsübertragung bezieht sich auf die tatsächliche rechtliche Übertragung des Eigentums (Titel) des zugrunde liegenden Vermögenswerts vom Sukuk-Emittenten auf die Sukuk-Investoren.
Im islamischen Finanzwesen müssen Sukuk Eigentum an greifbaren Kapitalanlagen oder Projekten repräsentieren und nicht Schuldtitel wie konventionelle Anleihen. Ideal ist es, dass die Investoren einen Anteil an dem Asset Value, wie etwa Immobilien oder Edelmetalle, besitzen, der die Renditen generiert.
Kompromisse gesucht
Die «Financial Times» hatte bereits im Mai dieses Jahres berichtet, dass der globale Sukuk-Markt – mit einem Volumen von rund 1 Billion US-Dollar und einer wichtigen Finanzierungsquelle für Staaten und Unternehmen im Nahen Osten, Asien und darüber hinaus – an einem Wendepunkt steht, nachdem die Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions (AAOIFI) Änderungen vorgeschlagen hat. Der neue Scharia-Standard 62 zielt darauf ab, Sukuk klarer mit islamischem Recht in Einklang zu bringen, indem er eine vollständige rechtliche Eigentumsübertragung der Sachwerte an die Investoren verlangt. Dies steht im Gegensatz zur bisherigen weit verbreiteten Praxis der «asset-based» Sukuk, bei der Investoren lediglich ökonomische Rechte an Vermögenswerten halten, ohne dass eine formelle Eigentumsübertragung erfolgt.
Hilal bestätigte an der ADFW, dass die IOP den Standardisierungsprozess derzeit pausiert hat, um das Feedback der Branche zu berücksichtigen und einen ausgewogenen Ansatz zu finden. «Es geht darum, den richtigen Mittelweg zu finden, der es uns erlaubt, die Scharia-Qualität der Sukuk weiterzuentwickeln und gleichzeitig den Anforderungen der Emittenten sowie den rechtlichen und regulatorischen Vorgaben gerecht zu werden», sagte er. Diese Balance hält Hilal für entscheidend, um den Sukuk-Markt auf die nächste Billionen-Dollar-Marke zu skalieren. Die Branche erwartet, dass der Scharia-Standard erst 2026 oder später in Kraft treten wird.
Gute Aussichten rund um «Koran und Kapital»
Trotz der laufenden Debatte rund um Sukuk prognostiziert die Standard Chartered Bank eine solide Zukunft für den islamischen Finanzsektor, mit globalen Vermögenswerten, die bis 2028 auf 7,5 Billionen US-Dollar steigen sollen – angetrieben durch Unternehmensnachfrage, Produktinnovationen und Marktexpansion.
Standard Chartered erwartet, dass der islamische Finanzsektor zwischen 2024 und 2028 um 36 Prozent zulegen wird und das weltweite Anlagevermögen auf der Basis der Scharia bis Ende 2024 5,5 Billionen US-Dollar übersteigen wird. Das Wachstum wird durch eine zunehmende Integration von Scharia-konformen Finanzierungsinstrumenten wie Sukuk in die strategischen Finanzierungsmodelle von Unternehmen getragen. Das Geldhaus identifiziert China, den Nahen Osten und Afrika als Märkte mit hohem Potenzial, wobei der steigende bilaterale Aussenhandel im GCC, in Südostasien, Südasien und Afrika einen Nährboden für Expansion bietet.















