UBS: Nationalbank wird 4 Milliarden Franken ausschütten

Das Aufatmen bei den kantonalen Finanzdirektoren dürfte spürbar sein. In diesen unsicheren Zeiten können sie damit rechnen, dass sie von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dank eines ausgezeichneten Jahresergebnisses 4 Milliarden Franken erhalten werden. 2025 hatte die Ausschüttung noch 3 Milliarden betragen.

Die SNB wird erste Angaben zum Abschluss 2025 zwar erst am Freitag publizieren, doch wie gewohnt geben die Ökonomen der UBS dazu bereits im Vorfeld eine Schätzung ab. Die Grossbank geht davon aus, dass der Gewinn der SNB im vierten Quartal 11 bis 16 Milliarden betragen hat, wodurch der Gewinn für das Gesamtjahr in der Grössenordnung von 23,5 bis 28,5 Milliarden Franken liegen dürfte.

Bewertungsschwankungen der Währungsreserven dominieren

Die SNB rapportiert quartalsweise, allerdings sind ihre Zwischenergebnisse mit Vorsicht zu geniessen, weil diese aufgrund des hohen Bestands an Währungsreserven stark von den Entwicklungen der Wechselkurse, der Aktienkurse, der Zinsen und des Goldpreises abhängen.

Wie kommen die beiden Verfasser der Studie, Alessandro Bee und Florian Germanier vom Chief Investment Office GWM der UBS, auf ihre Zahlen?

Einträgliche Goldhausse 

Im vierten Quartal sollte allein der Anstieg des Goldpreises der SNB einen Gewinn von 13 Milliarden Franken einbringen – für das Gesamtjahr resultiert damit auf dem Edelmetall ein Bewertungsgewinn von 36 Milliarden.

Gold ist also der Haupttreiber des Gewinns der SNB im Jahr 2025. Wenn das keine passende Gelegenheit ist, sich der Goldverkäufe der SNB zu entsinnen? Eine rhetorische Frage, die allerdings nicht von der UBS, sondern von finews stammt, wo schon vor über einem Jahr vorgeschlagen wurde, sich der Goldfrage zu stellen.

Mehr als die Hälfte ist weg

Zur Erinnerung im Telegrammstil: Zwischen Mai 2000 und März 2005 liquidierte die SNB 1'300 Tonnen. In den Jahren 2007 bis 2009 trennte sich die SNB, wenn auch mit einem anderen Motiv, nochmals von 250 Tonnen. Seither beträgt der Goldbestand 1'040 Tonnen.

Zurück ins Jahr 2025. Positiv entwickelte sich dank der günstigen Börsenentwicklung auch das Aktienportfolio der SNB. Hier beträgt die Gewinn im vierten Quartal 6,5 Milliarden und im ganzen 2025 30 Milliarden Franken.

SNB Gewinn Grafik Q4 UBS

(Grafik: UBS)

Der Gewinn im vierten Quartal wäre noch höher ausgefallen, hätte sich der Franken nicht weiter aufgewertet. Die UBS-Ökonomen veranschlagen den daraus resultierenden negativen Wechselkurseffekt mit 7 Milliarden bzw. 55 Milliarden Franken für das letzte Quartal bzw. das Gesamtjahr.

Die Zinsentwicklung hat gemäss UBS im vierten Quartal nur eine Nebenrolle gespielt und das Ergebnis um 2,5 Milliarden Franken belastet. Dieser Dämpfer kann durch laufende Erträge aus Dividenden und Couponzahlungen (3,5 Milliarden) mehr als kompensiert werden.

Brosamen für die SNB-Aktionäre

Gemäss der Ausschüttungsvereinbarung zwischen dem Eidgenössischen Finanzdepartement und der SNB für die Geschäftsjahre 2020 bis 2025 kann somit eine Ausschüttung von 4 Milliarden Franken vorgenommen werden. Davon gehen zwei Drittel an die Kantone, die auch Aktionäre sind; der Rest wird dem Bund überwiesen, der kein Aktionär der SNB ist.

Apropos SNB-Aktionariat: Dazu gehören auch rund 2'800 private Aktionäre, die mit der Maximaldividende von 6 Prozent des Nominalwerts (also mit 18 Franken pro Namenaktie) rechnen dürfen. Insgesamt beträgt die Dividendensumme damit vergleichsweise mickrige 1,5 Millionen Franken.

Neue Ausschüttungsvereinbarung: Schwieriger Interessenausgleich

Für die nächsten Jahre muss die Ausschüttungsvereinbarung neu ausgehandelt werden. Es ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Monaten eine neue Vereinbarung vorgelegt wird. Kantone und Bund haben grundsätzlich ein Interesse an möglichst stetigen und substanziellen Ausschüttungen. Aktuell dürfte dieses besonders ausgeprägt sein, haben es doch selbst harmlose Konsolidierungsprogramme (Entlastungspaket 27) im politischen Getriebe schwer. Zudem werden fieberhaft Milliardenbeträge für die Wiederherstellung der Wehrfähigkeit bzw. der Landesverteidigung gesucht.

Für die SNB wird es in diesen Verhandlungen darum gehen, dass sie das im Geschäftsbericht 2024 (Seite 159) folgendermassen formulierte Ziel weiterhin erreichen kann: «Die Nationalbank strebt eine robuste Bilanz mit hinreichendem Eigenkapital an, um auch mögliche hohe Verluste absorbieren zu können.»

Denn daran, dass in der riesigen Bilanz der SNB (Ende September 2025 Aktiven von 887 Milliarden Franken, davon rund 100 Milliarden Gold und 765 Milliarden Devisenanlagen) enorme Risiken schlummern, ändert auch der mutmasslich sehr günstige Abschluss 2025 nichts.