Patrick Müller: «Zürcher Finanzplatz spielt zentrale Rolle in der Schweizer Wirtschaft»
Der Zürcher Bankenverband hatte am Dienstagabend zum Finanzplatztalk in die alte Schalterhalle der UBS an der Bahnhofstrasse geladen. Präsident Patrick Müller betonte zum Auftakt des Veranstaltung einmal mehr, wie wichtig die Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleister nicht nur für die Stadt und den Kanton Zürich sind, sondern auch für die Schweizer Wirtschaft insgesamt. Im Hauptberuf ist Müller Regionaldirektor der UBS in Zürich.
«Vor dem Hintergrund der politischen Diskussion um die geplanten Regeln braucht es eine faktenbasierte Einordnung», sagte er zum Auftakt. Die Finanzinstitute der Region Zürich würden rund 30 Prozent der gesamten Finanzierungsvolumen aller Schweizer Unternehmen stemmen. Auch in der Stadt und im Kanton Zürich sei die Branche als Steuerzahler und als Arbeitgeber ein Schwergewicht. Nach dem Handel schaffe die Finanzbranche die zweitgrösste Wertschöpfung.
Die Bedeutung der Branche hatte der Verband in einer bereits im März veröffentlichten Referenzstudie von Oliver Wyman untersuchen lassen. Kai Trümpler, Partner des Beratungsunternehmens, fasste die Ergebnisse nochmals kurz zusammen. Insbesondere verwies er dabei auf die Bedeutung bei der Finanz und Finanzierungsversorgung für die gesamte Schweizer Wirtschaft.
Grösster Steuerzahler
Rund 102'000 Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalent) hängen in der Region Zürich direkt oder indirekt vom Finanzsektor ab. Auf die Banken entfallen davon rund 44'000. In der Stadt Zürich stammt rund die Hälfte der Unternehmenssteuern von Banken und Versicherungen.
«Der Finanzsektor ist bei vielen jungen Menschen nicht mehr erste Wahl», sagte Trümpler. «Wenn man sich die Personalströme ansieht, dann wird klar, dass viel Knowhow-Austausch auch durch Wechsel von Banken und Versicherungen in die Realwirtschaft stattfindet.
Im Anschluss moderierte ZBV-Geschäftsführer Christian Bretscher das Gespräch mit der Zürcher Ständerätin Tanja Moser (GL) und Nationalrat Beat Walti (FDP), die beide Mitglieder in den jeweiligen Kommissionen für Wirtschaft und Abgaben (WAK-S und WAK-N) sind.
Die Parlamentarier äusserten Bedenken hinsichtlich der aktuellen Regulierungen und der Notwendigkeit, eine umfassende Sichtweise auf die regulatorischen Rahmenbedingungen zu entwickeln.
Christian Bretscher, Tanja Moser und Beat Walti (von links; Bild: finews/York Runne).
Parlamentarische Arbeit beginnt erst
Zentrales Thema war dabei die Diskussion um die regulatorischen Massnahmen und deren Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes. Tanja Moser bedauerte, dass es mit der Aufspaltung der Massnahmen in Verordnungen und Gesetze nicht zu einer Gesamtschau gekommen sei. «Wir haben ein Gesamtpaket verlangt, das alle Aspekte einbezieht. Die Frage ist, ob die Massnahmen insgesamt vertretbar sind oder nicht. Im Finanzdepartement hat sich vor allem der Blick auf die Sicherheit gerichtet. Im Kern geht es nun um die Frage der Unterlegung der ausländischen Tochtergesellschaften mit Eigenmitteln. Das bedeutet jetzt eine grosse Verantwortung für den Nationalrat.»
Auch Beat Wälti betont die Bedeutung der geplanten Regulierung für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. «Das Ende der Credit Suisse ist kein Normalfall gewesen. Ich verstehe, dass die Nerven angespannt sind und das man keinen Fehler machen will.»
Alle Beteiligten hätten sich Zeit genommen und eine gründliche Bestandsaufnahme gemacht und ihre Analysen vorgelegt. «Nach dem langen Stau von zwei Jahren kommt dann der Bundesrat plötzlich mit seinem 30-Punkte-Programm. Ich habe eine Diskussion erwartet. Stattdessen hat es der Bundesrat ernst gemeint und es als nicht verhandelbar angesehen.»
Geringes Verständnis für den Finanzplatz
Laut Moser beginnt nun die Arbeit im Parlament und in den Kommissionen. «Aber es ist nun mal ein Fakt, dass das Verständnis für den Finanzplatz langsam abnimmt, sobald man an die Kantonsgrenze kommt. Wenn man in Bern ankommt, ist davon nicht besonders viel übrig.»
Angesprochen auf die Diskussion um das Lobbying der UBS und der Verbände in Bezug auf die Regulierung gab sich Moser gelassen. «Das gehört zu unserem Geschäft dazu.» Sie habe es auch nicht als übermässig empfunden. «Spitzentreffen gehört zum normalen Business dazu. Das ist eine Frage der Professionalität, dass man sich mit den wichtigen Unternehmen, mit den wichtigen Verbänden austauscht.» Das Lobbying in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus oder Gesundheitspolitik sei viel intensiver.
Vernünftiger Kompromiss als Ziel
«Was mich gestört hat, ist die Strategie, den Standpunkt des Gegenüber zu diskreditieren», sagte Moser. «Das ist etwas, dass ich zwischen politischen Gegnern aus der Arena kenne. Störend finde ich es, wenn es zwischen Exekutive und Legislative geschieht. Das schwächt das Vertrauen der Bevölkerung in die Parlamentarier und die Politik grundsätzlich.»
Wälti ist trotzdem zuversichtlich, dass man am Ende zu einem vernünftigen Kompromiss kommen werde. Das Parlament müsse eine gute Lösung finden, die auch Vertrauen schafft. Ein mögliches Referendum sieht er als Unsicherheit und Risiko.
















