M&A-Markt: Megadeals sorgen für weiteres Wachstum

Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten M&A Midyear Report 2026 hervorgeht, steuert der globale M&A-Markt nach dem bereits starken Vorjahr erneut auf ein Rekordergebnis zu. Sollte sich das derzeitige Tempo fortsetzen, könnte das weltweite Transaktionsvolumen 2026 auf mehr als 5,3 Billionen Dollar steigen. Der bisherige Höchstwert von 5,6 Billionen Dollar stammt aus dem Jahr 2020.

Megadeals als Wachstumstreiber

Getragen werde die Entwicklung vor allem von grossen Übernahmen. Die Zahl der Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 10 Milliarden Dollar sei seit Jahresbeginn um 52 Prozent gestiegen, ihr Gesamtwert habe um 53 Prozent zugenommen.

«Der starke M&A-Aufschwung des Jahres 2025 war keine kurzfristige Ausnahmeerscheinung. Die strategischen Treiber haben sich seither sogar noch verstärkt», sagt Suzanne Kumar, Executive Vice President und Leiterin der globalen M&A-Praxis von Bain & Company.

Private Equity verhalten

Insgesamt sei die Erholung über sämtliche Regionen und Branchen hinweg sichtbar. Besonders stark hätten die Bereiche Energie und Rohstoffe, Industrie sowie Healthcare & Life Sciences zugelegt. Strategische Übernahmen hätten seit Jahresbeginn wertmässig um 36 Prozent zugenommen, während die Bewertungen mit einem Median von 11,6-mal Enterprise Value zu EBITDA weitgehend stabil geblieben seien. Die Anzahl der Transaktionen sei dagegen lediglich um 2 Prozent gestiegen.

Private-Equity-Investoren hätten verhaltener agiert. Das Volumen ihrer Übernahmen habe bis Ende Mai 9 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Deutlich dynamischer habe sich dagegen der Venture-Capital-Markt entwickelt. Das Investitionsvolumen sei um 206 Prozent gestiegen, unter anderem aufgrund einer Finanzierungsrunde von OpenAI über 122 Milliarden Dollar.

Europa legt deutlich zu

Besonders dynamisch entwickelte sich laut Bain der M&A-Markt in Europa sowie im Nahen Osten und Afrika (EMEA). Das Transaktionsvolumen sei bis Ende Mai gegenüber dem Vorjahr um 77 Prozent gestiegen, vor allem dank mehrerer milliardenschwerer Übernahmen.

Zu den grössten angekündigten Transaktionen zählt Bain das 24-Milliarden-Dollar-Angebot von Orange, Bouygues und Iliad für Altice France, den erneuten Übernahmeversuch der italienischen Unicredit bei der deutschen Commerzbank sowie das 34,4-Milliarden-US-Dollar-Angebot des finnischen Lift- und Rolltreppenherstellers Kone für TK Elevator.

KI verändert die Spielregeln

Neben der hohen Zahl an Grossübernahmen sieht Bain Unternehmen zunehmend mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert. Die Beratung spricht von einem neuen «Winner's Paradox»: Unternehmen müssten komplexe Integrationen gleichzeitig mit der Transformation durch künstliche Intelligenz bewältigen.

«Unternehmen verfolgen mutige Akquisitionen, um die notwendige Grösse und die erforderlichen Fähigkeiten für eine sich rasch verändernde Welt zu sichern», so Kumar weiter. «Gleichzeitig schafft der KI-Boom, der diese Entwicklung weit über den Technologiesektor hinaus antreibt, ein neues Paradox: Noch nie war es schwieriger, grosse und komplexe Transaktionen erfolgreich umzusetzen – gleichzeitig bieten sie die grössten Chancen zur nachhaltigen Wertsteigerung.»

Anspruchsvoller Balanceakt

Nach Einschätzung von Bain entsteht daraus ein anspruchsvoller Balanceakt. Unternehmen müssten den Wert milliardenschwerer Übernahmen realisieren und gleichzeitig ihre KI-Transformation beschleunigen. Die Beratung empfiehlt deshalb, M&A-Strategien eng mit Investitionen in künstliche Intelligenz, der Modernisierung von Prozessen und organisatorischen Veränderungen zu verknüpfen.

«Integrationen waren schon immer mit Risiken und Chancen verbunden. Durch den Einsatz von KI steigen beide gleichermassen», sagt Kumar. «Erfolgreiche Unternehmen nutzen eine Transaktion als Beschleuniger ihrer KI-Transformation.»