Diese Fehler sollten Banker bei der Stellensuche unbedingt vermeiden
Der Finanzplatz Zürich erlebt den grössten Umbruch seit Jahrzehnten. Nach dem Untergang der Credit Suisse bzw. der Integration in die UBS sind allein im Kanton Zürich über 1’400 Bankangestellte beim RAV gemeldet.
Gleichzeitig hat sich das Stellenangebot der grossen Schweizer Banken innerhalb eines Jahres nahezu halbiert.
Für Führungskräfte und Spezialisten bedeutet das: Die Auswahl auf dem Stellenmarkt ist geringer geworden, der Wettbewerb härter, und Fehlentscheide kosten Zeit und Chancen. Umso wichtiger ist es, typische Fehler bei der Stellensuche zu vermeiden.
Daniela Haze Stöckli und Patricia Widmer von Beyond Success, einer Beratungsboutique für Executives, Mitglieder der Geschäftsleitung und Verwaltungsräte in Zürich, wissen, worauf es zu achten gilt. Hier ihre fünf wichtigsten Ratschläge:
Tipp 1: Nicht auf die perfekte Stelle warten
Viele erfahrene Banker lassen sich bei der Jobsuche zu viel Zeit. Sie hoffen auf das ideale Angebot und unterschätzen dabei, wie schnell die eigene Sichtbarkeit sinkt.
Wer länger als drei bis sechs Monate kaum aktiv ist, verliert an Marktpräsenz: bei Headhuntern, ehemaligen Kollegen und potenziellen Arbeitgebern. Der Ratschlag von Patricia Widmer und Daniela Haze Stöckli: Eine Zwischenlösung oder ein Interims-Mandat führt oft schneller zur Wunschposition als langes Abwarten.

Daniela Haze Stöckli (links) und Patricia Widmer. (Bild: zVg)
Tipp 2: Netzwerk schlägt Stellenportal
Gerade auf Kaderstufe werden viele Positionen nicht öffentlich ausgeschrieben. Wer sich also nur auf Jobplattformen verlässt, verpasst einen grossen Teil des Marktes. Und es ist ein Fehler, sich auf das RAV zu verlassen. «Von Bankern wird erwartet, dass sie selber aktiv werden», sagen Patricia Widmer und Daniela Haze Stöckli.
Der entscheidende Hebel ist aus diesem Grund das Netzwerk: ehemalige Kollegen, Kundenkontakte, Branchenanlässe und gezielte Linkedin-Aktivitäten. Oder anders ausgedrückt: Wer regelmässig Gespräche führt und sichtbar bleibt, erhöht die Chancen deutlich.
Tipp 3: Den Suchradius erweitern
Viele Banker suchen reflexartig nur bei anderen Banken nach einer Stelle. Das ist nachvollziehbar, aber oft zu eng gedacht.
«Gefragt sind Bankkompetenzen auch ausserhalb der Branche: bei Versicherungen, Family Offices, Beratungen, Fintechs oder Grossunternehmen», wissen Patricia Widmer und Daniela Haze Stöckli aus Erfahrung: «Fähigkeiten wie Risikomanagement, Regulierung, Kundenberatung oder Führungserfahrung sind breit einsetzbar», betonen sie.
Tipp 4: Sich über den Mehrwert definieren
Viele Kandidaten sprechen primär über frühere Titel und Arbeitgeber. Entscheidend ist jedoch nicht die Vergangenheit, sondern der konkrete Nutzen für das nächste Unternehmen.
«Wer überzeugen will, muss klar kommunizieren können», sagen Patricia Widmer und Daniela Haze Stöckli.
Was sind meine grössten Stärken? Welches Problem löse ich? Warum bin ich relevant? Eine präzise Positionierung macht oft den Unterschied.
Tipp 5: Die emotionale Komponente nicht unterschätzen
Eine Kündigung trifft viele Banker stärker als erwartet. Status, Rolle und Identität sind oft eng mit dem Beruf verknüpft.
«Wer die Situation nicht verarbeitet, wirkt in Gesprächen schnell defensiv oder verunsichert», sagen Patricia Widmer und Daniela Haze Stöckli.
Professionelle Begleitung kann helfen, nicht nur die Strategie, sondern auch die innere Haltung neu auszurichten – mit spürbarem Einfluss auf Auftreten und Erfolgschancen.
Für die beiden Expertinnen ist klar: Der Wandel am Zürcher Bankenplatz ist strukturell – nicht vorübergehend.
Wer sich heute neu positionieren muss, braucht vor allem Tempo, Sichtbarkeit, Offenheit und eine klare Botschaft. «Nicht der Lebenslauf allein entscheidet, sondern die Fähigkeit, den eigenen Mehrwert überzeugend zu vermitteln.»















