Sechs Gründe für ein solides Schweizer Wirtschaftswachstum

Für Gérard Piasko, Chefökonom bei Maerki Baumann, spricht vieles dafür, dass die Schweizer Wirtschaft weiterhin auf Erfolgskurs ist. Hier seine sechs Gründe, warum das Wachstum auch für das Gesamtjahr 2026 solide bleiben dürfte.

1. Europas Konjunkturmassnahmen dürften helfen
Zwar wird die Konjunktur in der Schweiz nicht wie in den USA stark durch Investitionen in Technologie angetrieben. Aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen kann die Schweizer Wirtschaft jedoch von den Konjunkturmassnahmen ihrer europäischen Nachbarländer profitieren.

Die höheren Regierungsausgaben für Verteidigung in vielen europäischen Ländern und die deutlich steigenden Infrastrukturinvestitionen in Deutschland dürften auch hierzulande positive Wachstumsimpulse auslösen, gerade auch für die Schweizer Industrieproduktion.

2. US-Zölle belasten weniger als befürchtet
Trotz der jüngsten Ankündigungen von neuen Strafzöllen von 12,5 Prozent dürfte das Geschäft mit den USA weniger stark leiden, als früher angenommen wurde.

Die genauen Auswirkungen der US-Zollentscheidungen im Pharmasektor sind allerdings noch nicht vollständig klar. Novartis und Roche haben zwar bereits im vergangenen Dezember eine Einigung mit der US-Regierung erzielt. Im April 2026 wurden jedoch neue US-Zölle von 15 Prozent angekündigt, die der Bundesrat als zusätzliche Belastung bezeichnet hat.

3. Bau und Konsum stützen die Nachfrage
Die Binnennachfrage wird in der Schweiz historisch meist vom gut laufenden Bausektor sowie vom wachsenden Privatkonsum getragen. Dies dürfte sich 2026 fortsetzen, denn die gesunkenen Leitzinsen stellen für beide Wirtschaftsbereiche eine Unterstützung dar.

Der Privatkonsum ist weiterhin robust, was auch mit der generell gesunkenen Inflation zusammenhängt. Die gute Baukonjunktur und der durch die tiefen Zinsen begünstigte Konsum dürften somit wichtige Stützen des Wirtschaftswachstums bleiben.

4. Inflation bleibt tief
Die Inflation hat in der Schweiz seit 2024 kontinuierlich von rund 1 Prozent gegen 0 bis 0,5 Prozent tendiert. Dies löste Diskussionen über eine Wiedereinführung negativer Leitzinsen aus. Für die Schweizerische Nationalbank scheint dies jedoch eine unwillkommene Massnahme zu sein.

Negative Leitzinsen bergen Nachteile für den Bankensektor und sind auch gar nicht nötig, solange sich die Inflation in der Tendenz seitwärts oder leicht aufwärts bewegt. Eine Inflation zwischen 0 und 0,5 Prozent sollte im Jahresverlauf 2026 nicht überraschen, sofern es nicht zu unerwarteten externen Einflussfaktoren kommt – beispielsweise zu weiteren geopolitischen Eskalationen oder rezessiven Signalen.

5. Energiepreise bremsen kurzfristig
Im Vergleich zu anderen europäischen und vor allem asiatischen Ländern ist die Schweiz weniger stark von Öl und Gas abhängig. Dafür sorgt ihr recht diversifizierter Energiemix.

Die höheren Energiepreise dürften kurzfristig noch bremsend wirken. Die relative Widerstandsfähigkeit der Schweiz gegenüber solchen Preisschocks begrenzt jedoch die negativen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft.

6. Staatsfinanzen stärken den Franken
Auch wenn eine stärker als erwartet ausfallende Wirtschaftsleistung der EU den Euro stützen könnte, hat der Franken im Vergleich zu anderen Währungen nach wie vor einige sehr positive Faktoren aufzuweisen.

Erstens hat die Schweiz ein ausgeglichenes Budget und nicht wie die USA oder auch die Eurozone ein steigendes Budgetdefizit. Zweitens liegt die Staatsverschuldung der Schweiz in Prozent des Bruttoinlandproduktes viel tiefer als in allen anderen wichtigen Ländern. Und drittens ist die Inflation in der Schweiz verglichen mit anderen Ländern nach wie vor sehr tief.

Eine im Ländervergleich tiefe Inflation und eine niedrige Staatsverschuldung sowie ein ausgeglichener Finanzhaushalt wirken historisch als Stabilitätsanker für den Franken, was Schweizer Anlagen gerade auch für ausländische Investoren besonders interessant macht.