Primärmarkt im August: Unbeirrt auf Rekordkurs

Monat für Monat bestätigt sich: Der Schweizer Kapitalmarkt bzw. das Geschäft mit der Emission von Frankenanleihen (Primärmarkt) steuert dieses Jahr in Richtung Allzeitrekord. Im August wurden Obligationen über 9,45 Milliarden Franken begeben (ohne Anleihen der Eidgenossenschaft), das Emissionsvolumen seit Januar liegt gemäss Statistik der Zürcher Kantonalbank (ZKB) mit 72,5 Milliarden 12 Prozent über dem Stand des Vorjahrs.

Das Monatsergebnis bewegt sich zwar etwas unter dem Vorjahreswert, doch handelte es sich seinerzeit bei diesem um einen Spitzenwert für den August, der ja bekanntlich teilweise zu den Ferien und damit eigentlich nicht als ausgesprochen aktiver Emissionsmonat gilt. Offensichtlich wirkte der anhaltende Zinsanstieg an den internationalen Staatsanleihenmärkten auf das Geschäft nicht bremsend, weder auf der Schuldner- noch der Investorenseite.

Renditen Staatsanleihen Raiffeisen

Zehnjährige Anleihe der Eidgenossenschaft hat sich von der Zinsentwicklung der ausländischen Staatsanleihen abgekoppelt. (Grafik: Raiffeisen Schweiz)

6,9 Milliarden Franken entfielen auf inländische Schuldner, der höchste Monatswert in diesem Jahr, wie Raiffeisen Schweiz festhält. Schuldner mit Domizil im Ausland konnten nicht mithalten. Der Gesamtbetrag ihrer frischen Obligationen erreichte «nur» 2,8 Milliarden, 14 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Die Corporates fehlten nicht. Roche Kapitalmarkt legte drei Tranchen auf und nahm damit 975 Millionen Franken auf, die grösste Transaktion eines inländischen Unternehmens in diesem Jahr. Ein aufmerksamer Marktakteur registrierte, dass das die dritte Dreifachanleihe des Pharmakonzerns mit den Laufzeiten 5, 10 und 15 Jahren ist. Givaudan begab eine Doppeltranche.

Neuemissionsvolumen ZKB

Höheres Emissionsvolumen als in den beiden Vorjahren. (Grafik: ZKB)

In der Schweiz dominierten die bekannten Namen. Die beiden Stammgäste, die Pfandbriefbank und die Pfandbriefzentrale, lancierten eine Aufstockung plus eine Neuemission respektive drei Aufstockungen und eine Neuemission. Die Stände Zürich und Genf sorgten mit Doppeltranchen für Nachschub an Kantonsobligationen. Zudem waren einige Kantonalbanken in Aktion: Aus dem Wallis gab es einen Floater und einen Straight, aus dem Aargau zwei Green Bond und aus dem Freiburg, Glarnerland, Basel sowie dem Luzernischen je eine Anleihe.

Axpo Holding vertrat den Energiesektor, Cembra Money Bank (Doppeltranche) die Financials, und die Spezies der Emissionszentrale repräsentierte, als mittlerweile letzte Überlebende dieser Art, die Emissionszentrale für gemeinnützige Wohnbauträger (EGW). Auch der Sektor der Immobiliengesellschaften war mit Mobimo Holding (Green Bond), Investis Holding sowie Hiag Immobilien Holding (Green Bond) gut vertreten.

Stadtzürcher Finanzierungsvehikel mit SP-Hintergrund holt sich Geld 

Dazu zählt ferner die Stiftung PWG, die unter der Regie der ZKB mit einer nachhaltigen Anleihe auftrat. Das Kürzel PWG steht für preisgünstige Wohn- und Gewerberäume, die Stiftung geht auf einen Volksentscheid im Jahr 1985 zurück, bei dem die Zürcher einer Initiative der SP zustimmten.

Eine Debütantin war die Stadt Chur, die von UBS aufs Parkett geführt wurde. Die Grossbank nahm auch für sich selber über eine Doppeltranche Geld auf.

Im Ausland gab es nicht weniger interessante Schuldner: das Land Sachsen-Anhalt, wo am Wochenende die mit Spannung erwarteten Landtagswahlen stattfinden, oder National Grid (Green-Bond-Doppeltranche), ein in Grossbritannien und dem Nordosten der USA tätiger Energieversorger, der sich von UBS und BNP Paribas sowie Mizuho (ohne Buch) bei seiner Schweizer Premiere eskortieren liess.

Inland Ausland Raiffeisen

Überdurchschnittlicher Beitrag der Auslandschuldner zum Emissionsaufkommen. (Grafik: Raiffeisen Schweiz)

Münchener Hypothekenbank, Hypo Vorarlberg Bank, Fédération des caisses Desjardins du Quebec sowie Crédit Agricole Home Loan (Green) brachten Pfandbriefe bzw. Covered Bonds, Deutsche Bank eine T2-Anleihe. Besichert war auch die Emission von Mass Mutual Global Funding II. BNG Bank stockte eine nachhaltige Anleihe auf, Banco Santander Chile lancierte einen Green Bond, NatWest Markets eine herkömmliche Anleihe und Nordea Bank ABP einen Green Bond. Der Versicherer Chubb INA Holdings begab eine Doppelanleihe, die Landwirtschaftliche Rentenbank stockte auf, der Versorger EON lancierte einen Green Bond, ein im August auffällig oft gewähltes Anleihenformat.

Die ZKB rechnet für den September mit einem weiterhin regen Primärmarktgeschehen. In den ersten drei Tagen des neuen Monats waren denn auch bereits mehrere Schuldner aktiv: die Pfandbriefbank mit über 1 Milliarde Franken, Limeco aus dem Limmattal und SFS aus dem St. Galler Rheintal. Im Auslandsegment war u.a. der Supra North American Development Bank unterwegs.

Emissionen Rueckzahlungen ZKB klein

Rekordrückzahlungen im September dürften Emissionstätigkeit stimulieren. (Grafik: ZKB)

Monatszahlen (zu Börsenumsätzen) vorgelegt hat auch die SIX. Der Umsatz der Frankenobligationen an der SIX Swiss Exchange liegt mit knapp 91 Milliarden Franken 4,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Vergleich gegenüber August 2025 vergleich resultierte allerdings ein Minus 6,4 Prozent. Ob 2026 am Sekundärmarkt ebenfalls ein Spitzenjahrgang werden wird?