Hamilton-Lane-Executive Co-Chairman: «Diese Konzentration ist nicht nachhaltig»

Wo sehen Sie neben KI besonders grosse Investitionsmöglichkeiten?

Verteidigung ist ein sehr grosses Thema. Das Kapital, das weltweit in innovative militärische Lösungen fliesst, nimmt bereits massiv zu und wird weiter steigen.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich die traditionelle Art der Kriegsführung verändert hat und weiter verändert. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, wie viele Panzer eine Armee besitzt. Es geht um Drohnen, Langstreckenraketen, Weltraumverteidigung, Robotik und autonome Flugzeuge und Schiffe.

«Heute sehen wir, dass moderne Konflikte anders funktionieren können.»

Gleichzeitig wollen Staaten ihre Versorgung stärker selbst kontrollieren oder zumindest sehr enge Partnerschaften mit verbündeten Ländern eingehen. Die Abhängigkeit von anderen Ländern wird zunehmend als strategisches Risiko betrachtet.

Ein grosser Teil der Innovationen bei Drohnen, Robotik und autonomen Systemen wird mit Risikokapital finanziert. Staaten überlassen die Entwicklung innovativen Unternehmen und kaufen anschliessend jene Lösungen, die sich bewähren.

Ist das tatsächlich eine so fundamentale Transformation der Verteidigungsindustrie?

Ja, das verändert sich grundlegend. Die amerikanischen Streitkräfte beispielsweise wurden stark um grosse Waffensysteme wie Flugzeugträger, Abrams-Panzer, Black-Hawk-Helikopter, Apache-Helikopter oder F-35-Kampfflugzeuge herum aufgebaut.

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Erik Hirsch: «Fände es merkwürdig, wenn öffentliche Aktienmärkte allen Anlegern offen stehen, Private Markets aber nur einer kleinen Gruppe vorbehalten bleiben.» (Bild: zVg)

Heute sehen wir, dass moderne Kriegsführung ganz anders funktionieren kann. Die Ukraine hat in sehr kurzer Zeit Technologien entwickelt und angepasst. Einige Systeme, die heute eingesetzt werden, existierten vor wenigen Jahren oder teilweise sogar vor wenigen Monaten noch nicht.

Die bestehende militärische Infrastruktur weltweit muss deshalb neu gedacht werden. Und dieser Umbau wird enorme Investitionen erfordern.

Themenwechsel: Private Markets öffnen sich zunehmend für Privatanleger. Sehen Sie darin eine Gefahr?

Nein. Ich fände es vielmehr merkwürdig, wenn öffentliche Aktienmärkte allen Anlegern offen stehen, Private Markets aber nur einer kleinen Gruppe vorbehalten bleiben.

Institutionelle und private Anleger existieren seit Jahrzehnten nebeneinander an den Aktienmärkten. Das wird künftig auch in den Private Markets der Fall sein.

Aber Private Markets sind illiquide. Ist das nicht gerade für Privatanleger problematisch?

Für mich ist das eigentliche Problem nicht die Illiquidität, sondern die Aufklärung.

Anleger müssen verstehen, was sie kaufen und ob es für sie geeignet ist. Wir als Anbieter haben die Verpflichtung, transparent zu erklären, was Private Markets sind, was sie nicht sind, wie sie funktionieren und wo die Grenzen liegen.

«Private Markets sind im Vergleich zu den öffentlichen Märkten noch immer klein.»

Wenn diese Transparenz und Aufklärung gewährleistet sind und Anleger eine informierte Entscheidung treffen können, haben Private Markets absolut einen Platz in ihren Portfolios.

Warum sollten Privatanleger überhaupt in Private Markets investieren?

Weil Private Markets einen erheblichen Teil der Wirtschaft abbilden. Wer sie ignoriert, entscheidet sich bewusst dafür, nur in einen bestimmten Teil der Wirtschaft zu investieren.

Hinzu kommt die extreme Konzentration an den öffentlichen Aktienmärkten. Die zehn grössten Unternehmen im S&P 500 machen ungefähr 40 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung aus.

Historisch muss man bis in die späten 1960er- oder frühen 1970er-Jahre zurückgehen, um ähnliche Grössenordnungen zu finden. Damals waren die grössten Unternehmen jedoch in völlig unterschiedlichen Branchen tätig. Heute konzentriert sich sehr viel auf Technologie, und einige dieser Unternehmen sind gleichzeitig Kunden und Lieferanten voneinander.

Wir haben also sowohl eine hohe Konzentration als auch eine hohe Korrelation. Private Markets können hier zusätzliche Diversifikation bieten.

Werden Private Markets irgendwann wichtiger als öffentliche Märkte?

Nein. Sie sind weiterhin wesentlich kleiner.

Wenn Sie das gesamte Kapital nehmen, das Private Markets in diesem Jahr aufnehmen, könnten Sie damit nicht einmal Nvidia kaufen. Das setzt die Grössenverhältnisse in Perspektive.

«40 Prozent des S&P 500 entfallen auf zehn Unternehmen.  Diese Konzentration ist nicht nachhaltig.»

Private Markets wachsen, aber sie sind im Vergleich zu den öffentlichen Märkten noch immer sehr klein.

Gleichzeitig halten Sie die Konzentration an den Aktienmärkten für problematisch?

Absolut. Rund 40 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 entfallen auf zehn Unternehmen. Vereinfacht gesagt hatten 490 Unternehmen keine vergleichbare Kursentwicklung, während zehn Unternehmen aussergewöhnlich stark gestiegen sind und den gesamten Index nach oben ziehen.

Ich halte diese Konzentration nicht für nachhaltig.

Was muss passieren, damit sich das ändert?

Entscheidend wird sein, wie schnell die KI-Geschäftsmodelle monetarisiert werden können. Die Umsätze müssen weiter steigen und gleichzeitig müssen die Kosten sinken.

Das Umsatzwachstum der grossen LLM-Anbieter ist beeindruckend. Aber teilweise liegen die Kosten pro Kunde oder Nutzung noch deutlich über den damit erzielten Einnahmen.

«Dass ich hier bin, zeigt bereits, dass die Schweiz für uns wichtig ist.»

Ein Unternehmen, das einen Franken einnimmt und vier Franken ausgibt, um die Leistung zu erbringen, verfügt offensichtlich noch nicht über ein tragfähiges Geschäftsmodell. Diese Ökonomie muss sich verändern.

Welche Bedeutung hat die Schweiz für Hamilton Lane?

Dass ich hier bin, um an einer Investmentkonferenz zu sprechen, zeigt, dass die Schweiz für uns wichtig ist.

Das Wealth-Management-Geschäft ist ein bedeutender Teil der Schweizer Wirtschaft, und Schweizer Finanzunternehmen verwalten enorme Vermögen. Für viele von ihnen hat die Reise in die Private Markets gerade erst begonnen.

Wir wollen dabei ein wichtiger Partner sein. Deshalb sind wir hier mit einem Team präsent. Die Schweiz ist für uns ein wichtiger Markt.

Was ist Ihr Ziel in der Schweiz?

Wir wollen als vertrauenswürdiger Lösungsanbieter für Anleger wahrgenommen werden, die Zugang zu Private Markets suchen.

Hamilton Lane verfügt über rund 35 Jahre Erfahrung in diesem Bereich. Diese Erfahrung wollen wir Anlegern weltweit zur Verfügung stellen – und die Schweiz ist ein wichtiger Teil davon.

Wird Hamilton Lane sein Team in der Schweiz ausbauen?

Wir haben unseren Schweizer Standort vor mehr als vier Jahren eröffnet und verfügen heute über ein hervorragendes Team, das wir gerne weiter ausbauen möchten.