Swiss Re: Katastrophenschäden sinken – doch die Risiken steigen

Die weltweit versicherten Schäden aus Naturkatastrophen beliefen sich von Januar bis Juni nach vorläufigen Schätzungen von Swiss Re auf 42 Milliarden Dollar. Damit lagen sie auf dem tiefsten Stand für ein erstes Halbjahr seit 2020 und deutlich unter dem langfristigen Trendwert von 66 Milliarden Dollar.

Mit grossem Abstand am teuersten waren die Erdbeben in Japan und Neuseeland im Jahr 2011, im vergangenen Jahr kosteten allein die Waldbrände in den USA die Versicherungen rund 40 Milliarden Dollar.

swiss_re.jpg

Grafik: Swiss Re

Auch die gesamten wirtschaftlichen Schäden fielen mit geschätzten 100 Milliarden Dollar deutlich tiefer aus als im Vorjahr. Rund 42 Prozent davon waren versichert – deutlich mehr als die 33 Prozent im 30-jährigen Durchschnitt. Der Grund: Ein grosser Teil der Schäden entstand in vergleichsweise gut versicherten Märkten und bei Risiken, die häufig über Gebäude- und Sachversicherungen gedeckt sind.

Stürme bleiben am teuersten

Haupttreiber der versicherten Schäden waren schwere Stürme wie Gewitter, Hagel, Tornados und starke Windereignisse. Sie verursachten im ersten Halbjahr Schäden von rund 28 Milliarden Dollar.

Damit blieben auch diese Schäden unter dem langfristigen Trend von 36 Milliarden Dollar. An mangelnder Sturmaktivität lag dies jedoch nicht: In den USA lag die schwere Wetteraktivität bis Ende Juni rund 20 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2025.

Entscheidend war vielmehr, wo die Unwetter auftraten. Besonders exponierte und hoch versicherte Regionen wie Texas, die Southern Plains und der Südosten der USA blieben von den kostspieligsten Ereignissen weitgehend verschont.

Wachsendes Waldbrandrisiko

Während die akuten Versicherungsschäden im ersten Halbjahr vergleichsweise moderat ausfielen, verschärfen sich die langfristigen Risiken. Besonders deutlich zeigt sich dies in Europa, dem weltweit am schnellsten erwärmenden Kontinent.

Europa verzeichnet heute im Durchschnitt rund 64 Prozent mehr Hitzetage mit Temperaturen von mindestens 30 Grad als in den 1950er-Jahren. Rekordhitze und anhaltende Trockenheit haben 2026 zudem die Waldbrandsaison in Teilen Europas früher beginnen lassen.

Im Juli waren unter anderem Frankreich und Spanien von schweren Bränden betroffen. Entscheidend für die Versicherungswirtschaft ist dabei, ob Feuer dicht besiedelte Gebiete und Regionen mit hohen Immobilienwerten erreichen. Auch weltweit zählen die Waldbrände zu den am schnellsten wachsenden Naturgefahren. Laut dem Institut nahmen die versicherten Waldbrandschäden seit 1970 inflationsbereinigt jährlich geschätzt um 8 bis 11 Prozent zu.

Swiss Re warnt, dass steigende Temperaturen, mehr trockene Vegetation und längere Waldbrandsaisons die Gefahr strukturell erhöhen. Zugleich bleiben die Versicherungslücken in vielen südeuropäischen Ländern relativ gross.

Ruhiges Halbjahr sagt wenig über das Gesamtjahr aus

Eine vergleichsweise günstige Schadenbilanz nach sechs Monaten ist zudem kein verlässlicher Indikator für das Gesamtjahr. Historisch entstehen durchschnittlich 58 Prozent der Naturkatastrophenschäden in der zweiten Jahreshälfte.

Im Zentrum steht dabei die Hurrikansaison im Nordatlantik. Ein sich verstärkendes El Niño dürfte die Aktivität zwar dämpfen. Das Risiko eines einzelnen schweren Hurrikans, der eine dicht besiedelte und hoch versicherte Region trifft, bleibt jedoch bestehen.

Für Versicherer und Rückversicherer ändert sich deshalb am langfristigen Trend wenig. Wachsende Vermögenswerte in gefährdeten Regionen, steigende Wiederaufbaukosten und Veränderungen bei Naturgefahren dürften die versicherten Katastrophenschäden laut Swiss Re langfristig weiter erhöhen.