Die Regionalbanken verlieren das Vertrauen in die Finma

Die Stimmung bei den Schweizer Regionalbanken ist widersprüchlich. Die aktuelle Geschäftslage wird so gut beurteilt wie fast nie zuvor, doch gleichzeitig erreichen Cyberrisiken, Regulierung und IT-Kosten neue Höchststände bei den Sorgen der Bankchefs. Das zeigt die aktuelle Branchenanalyse 2026 von schweizeraktien.net, die am Branchentalk Banken in Bern präsentiert wird.

Für die mittlerweile 13. Ausgabe wurden 66 CEOs regional tätiger Banken angeschrieben. 31 nahmen an der Umfrage teil, darunter 25 Regionalbanken, vier Kantonalbanken und zwei weitere Institute. Der Rücklauf lag damit bei 47 Prozent. Die Mehrheit der befragten Häuser gehört mit einer Bilanzsumme zwischen 500 Millionen und 2,5 Milliarden Franken zu den mittelgrossen Instituten. 

Gute Gegenwart, skeptische Zukunft

Die Lage des eigenen Instituts bewerten die Bankchefs auf einer Skala von eins bis zehn mit durchschnittlich 8,03 Punkten. Das ist nach 8,14 Punkten im Jahr 2023 der zweithöchste Wert der seit 2017 geführten Reihe. Auch die Gesamtbranche wird mit 7,29 Punkten deutlich besser beurteilt als noch 2025 mit 6,96 Punkten. 

Ganz anders sieht es beim Blick nach vorne aus. Nur noch 9,7 Prozent der Befragten glauben, dass das Marktumfeld für Regional- und Kantonalbanken in zehn Jahren besser sein wird als heute. Ein Jahr zuvor waren es noch 37 Prozent.

Gleichzeitig hat sich der Anteil der Pessimisten fast verdreifacht: 32,3 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, nach 11,1 Prozent im Vorjahr. 58,1 Prozent erwarten ein weitgehend unverändertes Umfeld. 

 

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Finma-Vertrauen fällt stark 

Der wohl auffälligste Befund der Studie betrifft jedoch die Finma. Auf die Frage, ob die Aufsichtsbehörde die Anliegen regional tätiger Banken ausreichend verstehe und berücksichtige, vergeben die Bankchefs nur noch 2,94 von zehn möglichen Punkten.

Im Vorjahr waren es noch 4,21 Punkte. Damit fällt der Wert auf den tiefsten Stand seit 2015 und den zweittiefsten seit Beginn der Erhebung im Jahr 2014. Damals waren lediglich 2,76 Punkte erreicht worden. Zum Vergleich: 2019 hatte die Bewertung noch bei 5,55 Punkten gelegen. 

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Die Autoren bringen die Verschlechterung unter anderem mit dem im August in die Vernehmlassung geschickten «Too-big-to-fail»-Reformpaket in Verbindung. Obwohl die Reform in erster Linie auf systemrelevante Institute zielt, sollen einzelne Instrumente auch für kleinere Banken gelten. Dazu gehört laut Studie eine mögliche Bussenkompetenz der Finma von bis zu 10 Prozent des durchschnittlichen Betriebsertrags der vergangenen drei Jahre sowie ausgeweitete Frühinterventionsrechte. 

Auch das Auftreten von Finma-Direktor Stefan Walter dürfte die Wahrnehmung beeinflussen. Die Studie verweist unter anderem auf intensivere Vor-Ort-Kontrollen und die Forderungen des Aufsehers nach zusätzlichen Kompetenzen. 

Ähnlich tönt es beim Regionalbanken Verband. «Neben dieser Regulierungsfront wird die Haltung zur FINMA aber auch von deren Umsetzung des Aufsichtsrechts geprägt. Hier drückt der Schuh vor allem aufgrund eines wahrgenommenen Trends, dass die Behörde vermehrt direkt mit den Beaufsichtigten im Austausch steht. Dies geschieht in Form von zeitraubenden Vor-Ort-Kontrollen, häufigeren Erhebungen und vermehrten Aufsichtsmitteilungen, die alle den unproduktiven Aufwand erhöhen», erläutert Jürg de Spindler, Geschäftsführer beim Verband Schweizer Regionalbanken auf Anfrage von Finews.

Zudem sei die Haltung zur FINMA schon vor dem Start der Vernehmlassung vom 12. August 2026 abgefragt worden. «Die nun bekannte bundesrätliche Vorlage hat unterdessen eine deutliche Entlastung der kleinen Banken zur Folge. Es ist davon auszugehen, dass die Haltung zur FINMA seitdem weniger dramatisch ausfallen würde.»

Ganz anders fällt das Urteil der Befragten über die Schweizerische Nationalbank aus. Die Zufriedenheit mit deren Mandatserfüllung liegt bei 7,65 Punkten und bewegt sich damit seit Jahren auf einem vergleichsweise stabilen Niveau. 

Cyberrisiken und Regulierung auf Rekordniveau

Das schlechte Verhältnis zur Aufsicht passt zu einem zweiten Befund: Gleich drei zentrale Herausforderungen erreichen 2026 Rekordwerte. Cyber-Security und Datensicherheit stehen mit 8,84 Punkten an der Spitze, gefolgt von der verschärften Regulierung mit 8,81 Punkten und den Kosten notwendiger IT-Investitionen mit 8,45 Punkten.

Die Integration von Big Data und künstlicher Intelligenz steigt ebenfalls auf einen Höchstwert von 7,03 Punkten. Damit blieben die grössten Herausforderungen gleich wie im Vorjahr, überall stiegen aber die Punkt-Werte.

Dagegen verlieren klassische Wettbewerbssorgen an Bedeutung. Die Konkurrenz durch Nicht-Banken wird nur noch mit 4,13 Punkten bewertet – der tiefste Wert der gesamten Reihe. Auch der Wettbewerbsdruck durch andere Banken erreicht laut Umfrage mit 5,58 Punkten einen Tiefstand. 

Entspannung bei den Zins-Margen

Beim für Regionalbanken zentralen Zinsgeschäft hat sich die Lage offenbar etwas entspannt. Noch 43,3 Prozent rechnen mit einer Verengung ihrer Zinsmarge in den kommenden drei Jahren. Im Vorjahr waren es 66,7 Prozent gewesen. Gleichzeitig erwarten 16,7 Prozent eine Ausweitung der Marge. 

Das dürfte auch mit den Erwartungen an die Geldpolitik zusammenhängen. 63,3 Prozent der Bankchefs rechnen innerhalb der kommenden zwei Jahre mit einer moderaten Erhöhung der SNB-Leitzinsen. Lediglich 3,3 Prozent erwarten weitere Zinssenkungen. 

Gleichzeitig erwartet mehr als die Hälfte einen noch stärkeren Franken: 54,8 Prozent gehen davon aus, dass die Schweizer Währung gegenüber dem Euro in den kommenden zwei Jahren um mehr als 5 Prozent aufwertet. 

Kunden greifen stärker zu Aktien

Interessant ist schliesslich der Blick in die Depots der Kundschaft. 83,3 Prozent der Banken berichten von einer gestiegenen Nachfrage nach Aktien, dies nach 59,3 Prozent im Vorjahr. Bei Fonds und ETFs beobachten 64,5 Prozent eine höhere Nachfrage.

Anleihen stehen dagegen unter Druck: 60 Prozent melden sinkendes Interesse. Noch deutlicher zeigt sich der Stimmungswechsel bei Kryptowährungen. Nur noch 7,1 Prozent der Institute sehen eine steigende Nachfrage, während 32,1 Prozent einen Rückgang feststellen. 

Junge Kunden spielen kleine Rolle

Interessant ist auch, auf welche Kunden die Regionalbanken ihr künftiges Wachstum ausrichten. Am häufigsten werden Familien genannt: Sie stehen bei 77,4 Prozent der Institute im Fokus. Danach folgen Pensionäre mit 54,8 Prozent sowie junge Familien und KMU mit jeweils 51,6 Prozent. Generation Z und Millennials kommen dagegen lediglich auf 19,4 Prozent und liegen damit klar am Ende der Rangliste. 

 

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Entsprechend zurückhaltend ist das Engagement vieler Banken bei jungen Kundinnen und Kunden. 45,2 Prozent erstellen keinerlei Bildungsinhalte zur Vermittlung von Finanzwissen an Jugendliche. Eine speziell dafür entwickelte App bieten gerade einmal 3,2 Prozent an. 

Persönliche Beratung bleibt dominant

Auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz zeichnet sich keine Revolution ab. 80,7 Prozent der befragten Institute wollen in den kommenden drei Jahren weiterhin klar auf persönliche Beratung setzen. Keine einzige Bank verfügt bereits über eine rein KI-basierte Beratung, lediglich 6,5 Prozent haben einen entsprechenden «KI-Berater» in ihrer Strategie verankert. 

KI kommt derzeit vor allem im Hintergrund zum Einsatz – beispielsweise im Marketing, bei der Prozessoptimierung oder bei der Beantwortung von E-Mails. Microsoft Copilot werde bei zahlreichen Häusern bereits verwendet oder getestet, vereinzelt kämen auch ChatGPT oder Claude zum Einsatz. Datenschutz bleibe allerdings ein zentraler Hemmschuh. 

Bei Neobanken sehen die Regionalinstitute den grössten Vorsprung im Trading: 76,7 Prozent sehen dort die Bedürfnisse junger Kunden besser erfüllt. Beim Zahlungsverkehr sind es 73,3 Prozent. Bei Hypotheken und Kontokorrentkrediten sieht dagegen kein einziges Institut die Neobanken vorne. 

Geteiltes Bild

Die Studie zeichnet damit ein Bild von zwei Geschwindigkeiten: Operativ fühlen sich die Regionalbanken derzeit gut aufgestellt. Die langfristigen strukturellen Themen – Regulierung, Cyberrisiken und steigende Technologiekosten – bereiten den Verantwortlichen dagegen zunehmend Sorgen.