Finma erteilt Ratschläge zu Quantum Computing
Welche Chancen und Risiken bringt der Einsatz von leistungsfähigen Quantencomputern für die Finanzbranche mit sich? Die Finma hat am Donnerstag die Aufsichtsmitteilung 05/2026 publiziert. Darin finden sich u.a. die Ergebnisse einer Umfrage, welche die Behörde vom November 2025 bis Januar 2026 zum Thema Quantum Computing (QC) unter 60 Schweizer Finanzinstituten (Banken, Versicherungen, Verwalter von Kollektivvermögen und Finanzmarktinfrastrukturen) durchgeführt hat.
Grafik: Finma
Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Institute der Cyberrisiken von Quantencomputern bewusst seien, insbesondere mit Blick auf die Sicherheit von Verschlüsselungstechnologien, resümiert die Finma. Zwei Drittel der befragten Institute rechneten damit, bis in sieben Jahren direkt von den Cyberrisiken durch QC betroffen zu sein. «Ebenfalls rechnen rund zwei Drittel damit, dass ein Quantencomputer bis in spätestens zehn Jahren innerhalb von 24 Stunden eine RSA-2048-bit Verschlüsselung knacken kann.»
Auch wenn der Handlungsbedarf durchaus erkannt wird, wird mehrheitlich doch noch nicht gehandelt. 72 Prozent geben an, noch keine Massnahmen zur quantensicheren Verschlüsselung (Post Quantum Security) ergriffen oder geplant zu haben.
Grafik: Finma
Ebenfalls zwei Drittel der Institute gehen davon aus, QC-Anwendungen frühestens in acht Jahren im eigenen Betrieb einzusetzen.
Heute abholen, morgen auswerten
Die Finma gibt in der Mitteilung den Beaufsichtigten auch Empfehlungen ab, mit dem Rat, diese zur Kenntnis zu nehmen und im internen Risikomanagement zu berücksichtigen. Dazu gehören die Ausarbeitung einer Strategie und Roadmap für die Migration zu quantensicheren Verschlüsselungen, eine institutsspezifische Risikoanalyse, ein kryptographisches Inventars sowie der Schutz kritischer Daten insbesondere vor «Harvest now, decrypt later»-Angriffen, also wenn heute verschlüsselte Daten verwendet werden, mit der Absicht diese später mittels QC zu entschlüsseln.
Weitere Empfehlungen betreffen die Kryptoagilität – die Fähigkeit eines IT-Systems, kryptografische Algorithmen flexibel austauschen zu können – sowie den Einbezug externer Dienstleister.
Ziel der Ratschläge ist es, die Institute darin zu unterstützen, ihre Geschäftsprozesse auch beim Aufkommen leistungsfähiger Quantencomputer verlässlich zu schützen. Damit soll die Reputation und Resilienz des Finanzplatzes gestärkt werden.
Wo bleiben die Chancen?
In ihrem Ausblick hält die Finma fest, dass kryptografisch relevante Quantencomputer heute noch nicht existierten. «Die technischen Fortschritte haben aber an Dynamik gewonnen, und es ist in den kommenden Jahren mit deren Entwicklung zu rechnen. Ein angemessenes Risikomanagement des Cyberrisikos durch Quantencomputer ist daher notwendig.» Die Behörde verspricht, die Entwicklungen im Bereich QC weiterzuverfolgen und das Thema verstärkt in ihre laufenden Aufsichtstätigkeit aufzunehmen.
Was in der jüngsten Aufsichtsmitteilung eindeutig zu kurz kommt, sind die Chancen. Der Begriff taucht darin nur zweimal auf, Risiken (inklusive Wortzusammensetzungen) hingegen über 20 Mal.

















