Wer kauft die GZO-Obligationen aus zittrigen Händen?
Warten kann nervtötend sein. Viele Asset-Manager, die eine faule Position im Portfolio haben, entscheiden sich daher für ein Ende mit Schrecken, werfen ihre Papiere auf den Markt und realisieren damit einen Verlust.
Dieses Verhalten zeigt sich auch bei Obligationären des in der Nachlassstundung steckenden GZO Spital Wetzikon. Die an der SIX rapportierten Handelsvolumen für die notleidende Anleihe über 170 Millionen Franken sind zwar überschaubar, aber über die Zeit doch nicht unwesentlich.
«Versierter Restrukturierungsfonds aus dem Ausland»
Offenbar ziehen es etliche Pensionskassenverwalter und andere Asset-Manager vor, einen sauberen Schnitt zu machen und auszusteigen, statt zu warten, bis im Frühling 2026 die Abstimmung über den Nachlassvertrag über die Bühne gegangen ist – und bei einem Nein zu dem vorgeschlagenen Forderungsverzicht von 65 bis 70 Prozent ginge die Zitterpartie noch weiter. Oder wie es der aktivistische Investor Gregor Greber in einem Interview mit finews.ch vor einer Woche formulierte: Sie stimmen mit dem Füssen ab.
Das wirft natürlich die Frage auf, wer auf der Gegenseite bereit ist, die GZO-Obligationen zu einem Kurs, der in den letzten Wochen zwischen 31 und 35 Prozent schwankte, zu kaufen. Sind es die berüchtigten Vulture Funds, Geier-Fonds? Greber, der selber in GZO investiert ist, sah Anzeichen, «dass ein mit Spezialsituationen versierter Restrukturierungsfonds aus dem Ausland, der über tiefe Taschen verfügt, daran ist, einen Anteil aufzubauen».
Spezialisierter Investmentmanager aus Florida
Schon länger bekannt ist, dass die von Gianluca Ferrari geleitete Investmentgesellschaft Clearway Capital GZO-Obligationen hält. Doch nun haben Recherchen von finews.ch gezeigt, dass ein weiteres auf Spezialsituationen ausgerichtetes Anlagegefäss GZO-Obligationen aufgekauft hat – und ebenfalls versucht, Druck für eine andere, für die Gläubiger bessere Lösung auszuüben.
Es handelt sich um Kawa, einen alternativen Investmentmanager aus Florida, der seit 2007 aktiv ist. Er verwaltet Vermögen von rund 3 Milliarden Dollar und hat sich auf bestimmte Strategien mit Unternehmensanleihen spezialisiert.
«Wollen mit unseren Vorschlägen konstruktiv zu einer besseren Lösung beitragen»
Zachary Goldberg, Investment Analyst bei Kawa, hat auf Anfrage von finews.ch Stellung zum Fall GZO genommen. Goldberg hat einen Teil seiner Ausbildung in Zug und Martigny absolviert und kennt deshalb die Verhältnisse in der Schweiz. Er legt Wert auf die Feststellung, dass Kawa kein klassischer Geier-Fonds ist. «Wir verstehen uns als Investmentgesellschaft, die mit eigenen Vorschlägen konstruktiv zu besseren Lösungen im Interesse der Gläubiger, aber auch der anderen Stakeholder, beitragen will.»
Auf das GZO ist Kawa laut Goldberg schon früh aufmerksam geworden. «Wir haben den Fall bereits seit 2024 auf dem Radar, seit Anfang 2025 sind wir investiert. Das operative Geschäft funktioniert eigentlich gut, aber die Bonds handeln auf einem Distressed-Level» (also auf einem Niveau, das Zahlungsprobleme signalisiert).
Grosse Erfahrung im Immobiliengeschäft
Goldberg unterstreicht zudem, dass Kawa als Darlehensgeber über reiche Erfahrung im Immobiliengeschäft verfügt. Das GZO verfügt über eine grosse Liegenschaft, mit für den Betrieb genutzten oder in Form der «Spitalbrache» ungenutzten Immobilien. Deren Bewertung ist ein grosser Streitpunkt zwischen dem GZO-Verwaltungsrat und den Gläubigern. «Es ist sehr extrem, die angefangenen Bauten mit Null zu bewerten, auch wenn aufgrund der Zonenplanung klar ist, dass die Liegenschaften weiterhin für öffentliche Zwecke genutzt werden müssen.»
Grundsätzlich hält Goldberg aber eine alternative Nutzung für die nicht fertiggestellten Bauten für möglich. Daran habe auch der Kanton ein Interesse, zumal er sich 2024 geweigert hatte, dem GZO unter die Arme zu greifen. «Man könnte die Immobilien auch für andere öffentliche Zwecke oder auch «spitalnah» nutzen, z.B. als spezialisierte Pflegeeinrichtung.»
Gespräche geführt, auf taube Ohren gestossen
Kawa hat denn auch das Gespräch mit dem Verwaltungsrat und der Spitalleitung gesucht. «Wir hatten eine Reihe von Treffen mit ihnen. Wir präsentierten Ideen für eine faire Lösung für die Gläubiger, z.B., wie man die Immobilien verwerten kann. Bislang hat sich das Management nicht auf unsere anhaltenden Bemühungen um eine konstruktive Lösung eingelassen, aber wir bleiben zuversichtlich, dass sie sich letztendlich an den Verhandlungstisch setzen werden», hält Goldberg fest.
Und wie könnte eine solche Lösung aussehen? Goldberg: «Eine gerechte Lösung könnte eine Kombination aus einer Barzahlung, Eigentümerschaft und Beteiligung am künftigen Erfolg des Spitals enthalten. Wir bleiben lösungsorientiert und haben mehrfach versucht, dem Management deutlich zu machen, dass wir keine feindliche Partei sind.»
Eventualplanung mit Auffanggesellschaft
Goldberg hält es für eine reales Risiko, dass die Gläubiger dem Nachlassvertrag in seiner heutigen Form im Frühling 2026 nicht zustimmen werden – und dann ginge die Gesellschaft in Konkurs. Er vermisst auch für diesen Fall eine Eventualplanung. «Wir haben das GZO aufgefordert, eine Auffanggesellschaft zu gründen, damit der Spitalbetrieb auch im Konkurs unterbruchsfrei weitergeführt werden könnte. Den Betrieb am Laufen zu halten, hat für uns höchste Priorität.»
Wäre Kawa auch bereit, allenfalls frisches Geld einzuschiessen, wenn dies nötig wäre, um eine tragfähige Lösung zu finanzieren? Goldberg: «So wie die Dinge heute ausschauen, heisst die Antwort nein. Aber wenn es neue Ansätze und ein neues Denken gäbe, insbesondere was den Immobilienteil betrifft, wäre das durchaus eine Möglichkeit.»
Ob Kawa derzeit weiterhin GZO-Obligationen aus zittrigen Händen kauft? Dazu will sich Goldberg nicht äussern.














