Julius-Bär-Chefstratege rechnet 2026 mit ruhigerem Fahrwasser

In ihrer Prognose für 2026 rechnet Julius Bär für die globale Wirtschaft mit einem BIP-Wachstum von 2,9 Prozent nach prognostizierten 3,2 Prozent im laufenden Jahr. Für die Schweiz wird eine Abschwächung auf 1,2 von 1,4 Prozent erwartet.

Beim Blick auf die Geldpolitik der Notenbanken gehen die Bär-Experten in den USA von zwei weiteren Zinssenkungen bis Ende des kommenden Jahres auf dann 3,25 Prozent aus, dies bei einer leicht höheren Inflation von 2,9 Prozent nach 2,8 Prozent in diesem Jahr.

Der grösste Zins-Abschlag wird bei der Bank of England um 75 Basispunkte auf 3,25 Prozent vorhergesehen. Demgegenüber wird sowohl bei der EZB (1,75 Prozent) als auch der SNB (0,0 Prozent) mit keiner Änderung gerechnet und in Japan mit leicht steigenden Zinsen um 25 BP auf 1,0 Prozent.

Handelskonflikt trifft Realwirtschaft

«Der Schock liegt hinter uns», sagte Christian Gattiker bei der Vorstellung der Prognose mit Blick auf die Verwerfungen durch den Handels- und Zollstreit. «Der Handelskonflikt trifft die Realwirtschaft und schwächt die globale Industrieaktivität», sagte er. Jetzt sehe man aber wieder eine leichte Erholng.

Die Politik der Trump-Administration folge einem eingespielten Zyklus. Nachdem die einschneidendsten Massnahmen im ersten Jahr getroffen werden, richte sich dann der Blick in der Regel auf die Zwischenwahlen. «Trump muss im kommenden Jahr die Wähler beruhigen.»

Breitere Aufstellung nötig

Ein Ende der Dollar-Schwäche sei derzeit noch nicht absehbar. «Wenn die US-Handelspolitik wirkt, dann müsste der Dollar in den kommenden zwei Jahren weiter sinken», sagte Gattiker. Mit Blick auf die Aktieninvestitionen bedeute das, dass man «America only» zugunsten einer breiteren Aufstellung aufgeben müsse.

Für Europa und auch die Schweiz habe sich die Lage geändert. Man könne sich nicht mehr auf den Konsumenten USA verlassen. Gattiker geht davon aus, dass eine solide Inlandsnachfrage innerhalb der EU die Schwäche im Ausland ausgleichen kann.

Überrascht habe ihn das Investitionspaket in Deutschland. «Ich habe erwartet, dass die Schuldenbremse in Deutschland aufgeweicht wird, aber nicht diese extreme Kehrtwende.»

In China geht der Chefstratege davon aus, dass der Fokus auf die Binnenwirtschaft gelegt wird und sich statt wie bisher nur auf die Industrie auch auf die Dienstleister richten wird.

In der Schweiz sei der Aufschwung durch die Entwicklung abgeklemmt worden. Zudem kämpfe die SNB mit Deflation, es werde aber keine Negativzinsen geben.