Nach EZB-Entscheid: Weshalb Pictet «Dovish Hike» sieht
Anastassios Frangulidis, Leiter Multi Asset und Chefstratege Pictet Asset Management Zürich, hatte mit der Anhebung der Zinsen in der Eurozone gerechnet. Er geht von einen «Dovish Hike» aus. Das bedeutet, dass bei den künftigen Entscheidungen auch die Schwäche der Konjunktur starkes Gewicht bei der Entscheidung erhält.
Nach dem Ausbruch des Krieges in Iran habe es eine deutliche Revision der Leitzinserwartungen nach oben gegeben. In den USA sei es gerechtfertigt, in den kommenden zwölf Monaten eine Anhebung um 25 Basispunkte einzupreisen. Bei der SNB wird im laufenden Jahr keine Zinsänderung erwartet, betonte der Leiter Multi Assets bei Pictet an einem Marktausblich auf die zweite Jahreshälfte 2026 vor Investoren in Zürich.
Wissen nicht, wie Warsh denkt
«Wir wissen noch nicht, wie Kevin Warsh denkt», sagte Anastassios Frangulidis. Er geht davon aus, dass der Offenmarktausschuss der Federal Reserve bei seinen Entscheidungen neben der Inflation auch der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hohes Gewicht beimessen wird. Für eine Verkürzung der Bilanz, wie sie der neue Fed-Präsident in der Vergangenheit propagiert hatte, sieht er aktuell kaum Spielräume, angesichts des hohen Finanzierungsbedarfs der USA.
Frangulidis verweist darauf, dass die Ökonomen ihre Wachstums und Inflationsprognosen seit dem Beginn des Krieges am Golf Ende Februar in den vergangenen Monaten revidiert haben. Global sind die Inflationsprognosen um rund 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent gestiegen und die Wachstumserwartungen um 0,2 Prozentpunkte auf ebenfalls 2,5 Prozent gesunken.
Während für die USA und Europa die BIP-Prognosen mit je 0,3 Prozentpunkten gleich stark gesenkt wurden, fällt die Inflationsneubewertung in den USA mit +0,5 Prozentpunkten schwächer aus als in Europa mit +1,0 Prozentpunkt. Der Pictet-Manager geht davon aus, dass die Inflation im Verlauf des Jahre weiter steigen wird.
Gründe für Optimismus
Insgesamt ist der von Frangulidis vorgestellte Ausblick verhalten positiv eingestellt. «Unsere Erwartung basieren darauf, dass es zu keiner erneuten Eskalation kommt und die Blockade der Strasse von Hormus beendet werden kann.»
Trotz der wieder anziehenden Inflation gebe es Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung. In den USA werde das Wachstum stärker durch Unternehmensinvestitionen getrieben als durch den Privatkonsum. Insbesondere Investitionen in künstliche Intelligenz werden wichtiger. Auch die Exporte seien positiv, während die Investitionen in Immobilien schwächeln. In Europa habe die Konsumentenstimmung durch den Nahost-Krieg und die hohen Energie einen kräftigen Dämpfer erhalten.
Bewertungen nicht extrem
Die Gesamtmarktbewertungen an den US-Aktienmärkten bezeichnete der Manager als hoch. Sie seien aber nicht auf einem extremen Niveau. Insgesamt liege das Kurs-Gewinnverhältnis auf Sicht von zwölf Monaten für den Gesamtmarkt bei 17,7 und den S&P 500 bei 21,1. Dabei verweist er auf die deutliche Verbesserung der globalen Gewinnentwicklung und die stark steigenden Gewinnmargen bei den US-Unternehmen.
In der zweiten Jahreshälfte werde die Weltwirtschaft in etwa im Rahmen ihres Potenzials wachsen, jedoch weniger stark als zuvor erwartet. Unter den Folgen der Nahostkrise leidet Europa stärker als die USA.
Pictet sei weiterhin in Aktien übergewichtet. «Wir wollen jedoch unsere Risiken kontrollieren und erlauben keinen weiteren Anstieg unserer Aktienquote», sagte Frangulidis. Schwellenländeraktien sowie Titel aus den Bereichen Informationstechnologie und Industrie würden favorisiert.














