IFM Investors baut die Schweiz zum Infrastruktur-Hub aus

Für IFM Investors gewinnt die Schweiz weiter an Bedeutung. Der australische Infrastrukturinvestor, der im Besitz von Pensionskassen steht, betreut hierzulande inzwischen rund 3 Milliarden Dollar an verwalteten Vermögen. Bei der Eröffnung des Zürcher Büros im Jahr 2018 waren es noch rund 500 Millionen Dollar.

«Die Schweiz ist für uns sehr wichtig», sagt Anna Demarmels, Head of Switzerland und Head of Continental Europe bei IFM Investors, im Gespräch mit finews. Der erste Schweizer Investor sei bereits 2013 bei IFM eingestiegen. Heute zählt das Zürcher Büro bald sieben Mitarbeitende und dient zugleich als Basis für das Geschäft in Kontinentaleuropa.

Einstieg bei Schweizer Datencenter

Nach Jahren mit Schweizer Investoren ist IFM nun auch direkt in der Schweiz investiert. Ende vergangenen Jahres stieg der Investor beim Datacenter-Betreiber Green ein. Das Unternehmen betreibt im Raum Zürich sechs Rechenzentren, zwei weitere Standorte befinden sich im Aufbau.

Green entwickelt und betreibt Rechenzentren für grosse Cloud-Anbieter. Für IFM ist die Beteiligung ein strategischer Einstieg in einen Bereich, der durch Digitalisierung, Cloud-Nutzung und künstliche Intelligenz strukturell Rückenwind erfährt.

«Wir waren sehr froh, als wir Green gefunden haben», sagt Max Fieguth, Leiter des Asset-Management-Experten-Teams bei IFM Investors. Die Schweiz sei ein Markt, in dem IFM gerne investiert sei. Zugleich sei es nicht einfach, hier geeignete Infrastrukturprojekte zu finden.

Infrastruktur bleibt knapp

Infrastruktur-Investitionen sind generell anspruchsvoll. Häufig handle es sich um grosse, etablierte Unternehmen, die selten zum Verkauf stünden, betont Fieguth. Zudem müssten Investoren das jeweilige Land, den Sektor und die Regulierung genau verstehen.

IFM sucht nach Anlagen mit hohen Eintrittsbarrieren, stabiler Nachfrage sowie langfristigen vertraglichen oder regulierten Erträgen. Dazu gehören klassische Infrastrukturanlagen wie Stromnetze, Wasserinfrastruktur, Flughäfen, Strassen oder Glasfasernetze, aber auch neuere Bereiche wie Rechenzentren.

Entscheidend sei, dass die Anlagen schwer ersetzbar seien, ein erfahrenes Management hätten und über ein belastbares Ertragsprofil verfügten. «Wir tätigen einige Transaktionen pro Jahr – nicht Hunderte», sagt Fieguth. Entsprechend selektiv sei der Investmentprozess.

Mehr als nur Kapitalgeber

Nur mit Geld ist es IFM nicht getan. Bei Green will der australische Finanzdienstleister eine aktive Eigentümerrolle einnehmen. Der Fokus liegt derzeit vor allem auf Wachstum. Dazu gehören der Ausbau bestehender Kapazitäten, mögliche neue Standorte und mittelfristig auch technologische Fragen wie die Kühlung künftiger Rechenzentren.

«Nur Eigentümer zu sein, reicht nicht aus, um Wert zu schaffen», sagt Fieguth. IFM arbeite aktiv mit den Portfoliounternehmen zusammen, etwa bei Expansion, Effizienzsteigerung, Risikomanagement, Arbeitssicherheit, Regulierung oder kommerziellen Verhandlungen.

Der Ansatz folgt dem Prinzip «Grow, Optimize, De-Risk»: Unternehmen sollen wachsen, operativ besser werden und zugleich ihr Risikoprofil senken. Gerade bei Infrastrukturprojekten könne dadurch zusätzlicher Wert entstehen.

Pensionskassen entdecken Infrastruktur

Schweizer Pensionskassen zeigen laut Demarmels wachsendes Interesse an Infrastruktur. Die Anlageklasse biete langfristige Erträge, Diversifikation, Inflationsschutz und vergleichsweise hohe Resilienz in unterschiedlichen Marktumfeldern.

«Die Allokationen vieler Pensionskassen in Infrastruktur sind über die Jahre deutlich gestiegen», sagt Demarmels. Gleichzeitig bleibe Aufklärung wichtig. Viele Investoren wollten genau verstehen, welche Risiken die Anlageklasse mit sich bringe, wie sie sich in verschiedenen Marktphasen verhalte und welche Rolle sie im Gesamtportfolio spielen könne.

Für IFM passt die Schweiz deshalb gut zum eigenen Ursprung. Der Investor wurde aus dem Umfeld australischer Pensionskassen heraus aufgebaut und investiert seit mehr als 30 Jahren in Infrastruktur.

Europas Investitionslücke als Chance

Auch in Europa sieht IFM erheblichen Investitionsbedarf. Der Ausbau von Stromnetzen für die Energiewende, Glasfaserinfrastruktur, Wasserinfrastruktur, Strassen, Flughäfen und Rechenzentren werde enorme Mengen an Kapital erfordern.

Staatliche Mittel allein dürften dafür nicht ausreichen. Deshalb werde der Dialog zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren wichtiger, sagt Fieguth. Programme wie das deutsche Infrastruktur-Sondervermögen könnten das Umfeld verbessern, seien für IFM aber kein Grund, undiszipliniert zu investieren.

«Wir investieren nicht einfach in ein Land, nur weil dort ein neuer Trend angekündigt wurde», sagt Fieguth. Entscheidend blieben die konkrete Transaktion, die Regulierung, die Nachfrage, das Management und das Risiko-Rendite-Profil.

Schweiz bleibt Kernmarkt

Nach dem Einstieg bei Green schaut sich IFM nach weiteren Opportunitäten mit Schweiz-Bezug um. Konkrete Transaktionen gebe es derzeit zwar nicht, doch das Team prüfe laufend Möglichkeiten – sowohl bei Schweizer Infrastrukturunternehmen als auch bei Firmen mit Sitz in der Schweiz und internationaler Präsenz.

Für Demarmels ist die Präsenz in Zürich auch ein Signal an die Schweizer Investoren: «Wir sind hier, um unsere Investoren langfristig zu unterstützen.»