League Table zeigt: Wettbewerb spielt im Emissionsgeschäft besser denn je
Dieses erste Halbjahr hatte es in sich, zumindest am Schweizer Kapitalmarkt. Insgesamt emittierten in- und ausländische Schuldner (ohne Eidgenossenschaft) Obligationen im Nominalwert von gut 58 Milliarden Franken, 16 Prozent mehr als im ebenfalls schon ziemlich betriebsamen ersten Semester 2025.
Noch auffälliger als der Volumensprung sind die Veränderungen in der Zusammensetzung. Im Vorjahr dominierten noch klar die Schweizer Schuldner. 2026 haben sie rund 10 Prozent weniger emittiert, doch wird dies mehr als ausgeglichen durch das Wachstum im Auslandsegment, insbesondere aus dem Unternehmensbereich. Am prominentesten und auch am gewichtigsten waren die Debüt-Transaktionen der beiden Hyperscalers Alphabet und Amazon, gefolgt von Novo Nordisk, ein Pharma-Corporate, der ebenfalls erstmals den Weg in die Schweiz fand.
Kein Crowding out durch Megatransaktionen
In diesem Zusammenhang bemerkenswert ist: Auch wenn einige Emittenten ihre Fahrpläne aufgrund dieser Mega-Deals temporär adjustieren mussten, kam es nicht zu einer eigentlichen Verdrängung (Crowding out) anderer ausländischer Corporates. Selbst ohne Hyperscalers und Novo Nordisk ist die Dichte an ausländischen Unternehmen im Primärmarkt in den ersten sechs Monaten beachtlich.
Das liegt auch, aber nicht nur, an der Konstellation am internationalen Swapmarkt. Dort tauschen ausländische Schuldner, die meist nicht Franken benötigen, ihren Emissionserlös in der Regel bis zur Fälligkeit in die gewünschte Währung um. Die damit verbundenen «Absicherungskosten» sind derzeit gering, was die relative Attraktivität des Schweizer Markts erhöht.
Diversifikation: Zentral für die Schuldner und Investoren
Für viele Schuldner ist indes die mit einer Frankenanleihe verbundene Diversifikation der Investorenbasis ebenfalls ein wichtiges Ziel. Dieses Motiv dürfte bei den erwähnten drei grossen Corporates im Vordergrund gestanden haben. Eine notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Platzierung ist zudem, dass genügend Nachfrage der Investoren vorhanden ist. Hier wirkt offenbar immer noch der Nachholbedarf nach, der sich in der langen Ära der Negativzinsen, als sich ausländische Unternehmen rar machten, aufgestaut hat. Auch Anleger schätzen Diversifikation, diesmal aber bezogen auf die Schuldner im Obligationenportfolio.
Angesichts der guten Vorlage im ersten Halbjahr, der weiterhin günstigen Verhältnisse am Swapmarkt und des nach wie vor vorhandenen Appetits der Investoren sind die Chancen intakt, dass 2026 am Primärmarkt der Allzeitrekord von 2009 egalisiert oder gar pulverisiert werden kann.
Schlüsselrolle der federführenden Banken
Aufgrund des Marktwachstums ist auch die Stimmung bei den im Emissionsgeschäft tätigen Banken gut bis blendend. Platzhirsch als Leadmanager ist die UBS, aber auch Deutsche Bank, BNP Paribas, die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Raiffeisen Schweiz führen oft die Feder. Dahinter folgen die Schar der kleineren, aber gleichwohl nicht unwichtigen Akteure.
Der Schuldner bestimmt den oder die Federführer (eine andere Bezeichnung dafür ist Bookrunner), häufig teilen sich mehrere Institute diese Aufgabe. Sie übernehmen in der Regel die ganze Emission gegen eine Kommissionsgebühr zu einem festen Preis und platzieren sie danach im Markt. Aber auch nach der Kotierung sorgen die Emissionsbanken für einen möglichst liquiden Handel. Zudem stehen sie den Schuldnern bei der Planung und Strukturierung von Transaktionen mit ihren intimen Kenntnissen puncto Gemütsverfassung und Bedürfnisse der Schweizer Investoren beratend zur Seite.
Für die im Primärmarkt tätigen Banken ist die League Table zentral, natürlich nicht nur im hiesigen sondern auch im internationalen Geschäft. Diese Rangliste der Federführer gemäss der an den Markt gebrachten Emissionsvolumen (gemeinsame Deals werden anteilsmässig angerechnet) zeigt, dass im ersten Halbjahr UBS, Deutsche Bank und BNP Paribas bei Frankenanleihen das Spitzentrio bildeten. Es folgen die ZKB, die Schweizerischen Kantonalbanken, die jeweils die Federführung bei der Pfandbriefzentrale übernehmen, Raiffeisen Schweiz, Commerzbank, die GPG – die Gruppe der Privat- und Geschäftsbanken, die nach dem Ausscheiden der Credit Suisse (CS) deren Anteil bei den Emissionen der Pfandbriefbank «geerbt» hat –, J.P. Morgan sowie Bank J. Safra Sarasin.
League Table im Emissionsgeschäft mit Frankenanleihen für das erste Halbjahr 2026, inklusive Schweizer Pfandbriefe und Eigenanleihen. (Tabelle: Deutsche Bank / Bloomberg)
Die CS war vor 2023 viele Jahre quasi auf die Nummer 1 in der League Table am Schweizer Kapitalmarkt abonniert. Nach der Ankündigung der Übernahme durch die UBS kursierte die Furcht, dass der Wettbewerb auf dem Markt unter der Dominanz des neuen Kolosses leiden könnte. Diesbezügliche Bedenken hatte seinerzeit auch die Wettbewerbskommission geäussert. Aufgrund der seitherigen Entwicklung ist die Antwort klar: Die Ängste haben sich als unbegründet erwiesen.
Der Marktanteil der UBS ist nur kurzfristig angestiegen und liegt nun wieder im langjährigen Durchschnitt, d.h. je nach Messmethode (mit oder ohne die beiden Pfandbriefinstitute bzw. Eigenanleihen) zwischen gut 20 und gut 25 Prozent. Kräftig zugelegt haben dieses Jahr Deutsche Bank und BNP Paribas, die anders als die Schweizer Grossbank bei den grossen drei Corporate-Transaktionen beteiligt waren.
Langfristige Entwicklung der Marktanteile der Banken im Emissionsgeschäft mit Frankenanleihen, ohne Schweizer Pfandbriefe und Eigenanleihen. (Grafik: Deutsche Bank / Bloomberg)
Dass bei den Lead-Banken, die Marktanteile dazu gewonnen haben, Freude herrscht, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Doch wie reagiert die UBS, die gemäss einer Milchbüchleinrechnung nach der Integration der CS einen Anteil von gegen 50 Prozent erreichen hätte können? Milchbüchleinrechnung deswegen, weil viele Schuldner nicht nur in Bezug auf die Investorenbasis, sondern auch auf die Bankbeziehungen bzw. Emissionsbanken diversifizieren wollen. Dass eins und eins am Schweizer Kapitalmarkt somit weniger als zwei ergibt, kann nicht überraschen.
Gelassene Reaktion der UBS
Manuel Gadient, Head of Debt Capital Markets & Syndicate Switzerland bei UBS, der das Geschäft und die Akteure hierzulande schon bald drei Jahrzehnten kennt, hinterlässt im Gespräch mit finews nicht den Eindruck, dass er sich in die Defensive gedrängt sieht.
Angesprochen darauf, ob die Integration der CS denn gar keine Synergien gebracht habe, entgegnet er: «Die Zahl der von uns begleiteten Transaktionen ist seit der Integration um rund 70 Prozent gestiegen. Für uns ist das der aussagekräftigste Indikator für die Plattformvorteile von UBS.»
«Geschäft ist hoch kompetitiv»
Und er bestätigt, dass der Markt weiterhin spielt – und wahrscheinlich sogar noch effizienter ist als früher. «Die Befürchtung von sinkendem Wettbewerb im Anleihengeschäft hat sich nicht bewahrheitet. Es ist breit aufgestellt und hoch kompetitiv.»
Das zeigt sich auch daran, dass sich die Emissionsbanken bei Transaktionen (Sonderfälle wie die Pfandbriefinstitute ausgenommen) immer wieder neu formieren, es also keine festen Pfründe gibt.
Mega-Deals: «Qualitätszeichen für den Schweizer Kapitalmarkt»
Selbst den Mega-Transaktionen der Hyperscalers, die an der UBS vorbeigingen, gewinnt er eine gute Seite ab: «Dass Unternehmen wie Alphabet oder Amazon Anleihen in Franken emittieren, ist in erster Linie ein Qualitätszeichen für den Schweizer Kapitalmarkt.»
Die UBS bleibt damit ihrer Philosophie treu. Sie hatte schon in den vergangenen Jahrzehnten im Emissionsgeschäft keine Strategie gefahren, die auf die Gewinnung eines möglichst hohen Marktanteils ausgerichtet war – anders als das zuweilen die CS tat. Das heisst natürlich nicht, dass sie bei den drei grossen Corporates nicht gerne mit von der Partie gewesen wäre, wenn sich die entsprechende Möglichkeit ergeben hätte – soweit dürfte ihr Altruismus denn auch wieder nicht gehen.
















