Schulden werden deutlich teurer
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen hat jüngst den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreicht. Sie zwar zu Wochenbeginn fast sechs Basispunkte auf 5,31 Prozent gestiegen. Damit übertraf sie das Hoch aus dem vergangenen Monat und erreichte den höchsten Stand seit 2007. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich am kanadischen Anleihemarkt. Dort stieg die Rendite 30-jähriger Papiere laut Bloomberg auf den höchsten Stand seit 2010.
«Neue Ära»
Mit 3,78 Prozent haben auch die Renditen der langfristigen deutscher Bundesanleihen das Niveau von 2011 erreicht. Parallel dazu kletterten die Renditen in Grossbritannien und Japan ebenfalls auf neue Rekorde. Die Rendite 30-jähriger französischer Staatsanleihen stieg auf 4,9 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2008.

Für Kjersti Haugland, Chefökonomin der Investmentbank DNB Carnegie, treten die Märkte aktuell in eine neue Ära ein. Es ende die Phase niedriger Zinsen und vergleichsweise niedriger Inflation nach der globalen Finanzkrise von 2008. «Dies fällt mit der sehr hohen Staatsverschuldung in vielen Ländern zusammen, insbesondere in Japan, den USA, Frankreich und Grossbritannien.»
Für Beobachter ist klar. Anleger verlangen eine höhere Entschädigung für das Risiko einer anhaltend hohen Inflation, die die kurzfristigen Zinsen voraussichtlich auf erhöhtem Niveau halten wird.
Neue Konkurrenz
Zusätzlicher Druck kommt zudem von der Zunahme der Unternehmensverschuldung zur Finanzierung der Investitionen bei der Künstlicher Intelligenz. US-Technologieunternehmen emittierten im Fünfjahresdurchschnitt pro Jahr 61 Milliarden US-Dollar an neuen Obligationen. Laut Zahlen von J.P. Morgan Asset Management waren es 2025 schon 131 Milliarden Dollar und im neuen Jahr kamen allein bis Ende Juli nochmals 192 Milliarden Dollar dazu.
«Wer auch immer Anleihen ausgibt, ob Regierung, Hyperscaler oder anderes Unternehmen, konkurriert jetzt mit mehr Kreditnehmern. Daher müssen die Renditen höher sein», sagte Tony Rodriguez, Leiter der Fixed-Income-Strategie bei Nuveen Asset Management, gegenüber Bloomberg.
Weil die Konzerne historisch eine geringe Verschuldung haben und daher als solide Schuldner gelten, konkurrieren sie teilweise um ähnliche Investorengruppen wie Staaten. Mark Dowding, Chefanlagestratege für Anleihen beim britischen Vermögensverwalter RBC Bluebay Asset Management warnte im Handelsblatt: «Wir kommen dem Punkt näher, an dem die Neuemissionen der Tech-Konzerne zum Problem für den Anleihemarkt werden.»
Ungeachtet der steigenden Finanzierungskosten wächst auch die Staatsverschuldung – in den USA und weltweit. Der Markt für US-Staatsanleihen ist von 4,5 Billionen Dollar im Jahr 2007 auf heute mehr als 31 Billionen Dollar angeschwollen.
Die offiziellen Staatsschulden der USA belaufen sich mittlerweile auf 40 Billionen Dollar und wachsen munter weiter.
Käufer diktieren der US-Regierung die Bedingungen
Zugleich habe sich die Staatsverschuldung gemessen an der Wirtschaftsleistung auf über 100 Prozent verdoppelt, und die jährlichen Zinszahlungen hätten erstmals die Marke von einer Billion Dollar überschritten, erläutert Nigel Green, Chef des Vermögensverwalters deVere. «Eine Regierung, die mehr als eine Billion Dollar im Jahr allein für den Schuldendienst zahlt und der noch eine frische Welle lang laufender Emissionen bevorsteht, ist eine Regierung, deren Anleihekäufer die Bedingungen diktieren.» So würden Investoren zunehmend daran zweifeln, dass die USA ihre Ausgaben unter Kontrolle bringen könnten, schlussfolgert der Kapitalmarktexperte.















