Julius Bär: «Die Anlagechancen werden breiter»

Künstliche Intelligenz bleibt einer der wichtigsten Treiber für Wirtschaft und Finanzmärkte. Die hohen Investitionen in Halbleiter, Rechenzentren, Energieinfrastruktur und Elektrifizierung liefern laut dem neuen «Market Outlook Jahresende 2026» von Julius Bär weiterhin wichtige Wachstumsimpulse.

Gleichzeitig sieht die Zürcher Privatbank einen entscheidenden Wandel: Gewinne, Investitionen und die Börsenentwicklung verteilen sich inzwischen auf mehr Branchen und Regionen. Damit stehe der Aufschwung auf einer breiteren Basis als noch im ersten Halbjahr.     

USA sorgen für Unruhe

Kurzfristig richtet sich der Blick vor allem auf die USA. Die neue Führung der US-Notenbank und die Zwischenwahlen im November könnten für stärkere Schwankungen sorgen. 

Die Bank sieht solche Rückschläge allerdings eher als mögliche Einstiegsgelegenheiten. Unterstützend wirkten ein schwächerer Dollar, nachlassende geopolitische Spannungen und die zunehmende Marktbreite.

Die grössten Risiken für die Weltwirtschaft sieht Julius Bär in geldpolitischen Fehlentscheidungen, einem deutlichen Einbruch der KI-Investitionen sowie einem schweren geopolitischen Schock. Das Rezessionsrisiko beurteilt die Bank derzeit dagegen als vergleichsweise gering.

Schweiz rückt stärker in den Fokus

Julius Bär zählt den heimischen Aktienmarkt ausdrücklich zu seinen bevorzugten Märkten. Die Bank verweist auf dessen Diversifikationseigenschaften sowie auf im relativen Vergleich niedrige, nahezu rekordtiefe Bewertungen.    

Bei den Zentralbanken erwartet Julius Bär bis Jahresende weitgehend Ruhe. Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Schweizerische Nationalbank dürften ihre Leitzinsen unverändert lassen. Die Nullzinspolitik der SNB vergrössert nach Einschätzung der Bank allerdings den Zinsnachteil des Frankens, weshalb sie mit einer schwächeren Schweizer Währung rechnet.

Europäische Banken mit rund 7 Prozent Ausschüttungsrendite

Auch Europa gewinnt für die Strategen an Attraktivität. Besonders positiv beurteilt Julius Bär europäische Banken. Als Argumente nennt die Bank eine starke Gewinnentwicklung, steigende Nettozinsmargen und eine robuste Kreditqualität.

Bemerkenswert ist dabei die Ausschüttung: Dividenden und Aktienrückkäufe ergeben laut Julius Bär für den Sektor zusammen eine Rendite von rund 7 Prozent. Daneben favorisiert die Bank Italien und Spanien sowie ausgewählte zyklische Unternehmen aus den Bereichen Bau, Grundstoffe, Chemie und Automobilzulieferer.

KI: Nicht mehr die höchsten Ausgaben entscheiden

Auch beim KI-Boom selbst verschiebt sich der Fokus. Entscheidend sei zunehmend nicht mehr, welche Unternehmen am meisten investieren, sondern welche daraus tatsächlich Umsatz, Produktivitätssteigerungen und Gewinne erzielen.

Grösse, eigene Datenbestände und Kundenbeziehungen dürften dabei zu wichtigen Wettbewerbsvorteilen werden. Unternehmen, die Milliarden in KI investieren, ohne einen überzeugenden Weg zur Monetarisierung aufzuzeigen, könnten dagegen zunehmend unter Druck geraten.

Für den S&P 500 erwartet der Markt für 2026 laut den von Julius Bär zitierten Daten ein medianes Gewinnwachstum von rund 16 Prozent. Gleichzeitig verzeichnet Europa einen der stärksten Zyklen positiver Gewinnrevisionen der vergangenen Jahre. Die hohen Bewertungen liessen allerdings weniger Spielraum für Enttäuschungen.

Realrenditen steigen

Bei Obligationen setzt Julius Bär vor allem auf Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren. Die aktuellen Realrenditen seien im historischen Vergleich attraktiv. Die Grafik zeigt den steilen Anstieg der realen Sätze bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen.

 

10_jahre_copy.png

Investment-Grade-Unternehmensanleihen bieten laut der Analyse eine interessante Kombination aus Rendite, laufendem Ertrag und begrenztem Kreditrisiko.

Gold bleibt gesetzt

Gemäss Outlook bleibt Gold für Julius Bär ebenfalls interessant. Zentralbankkäufe, geopolitische Unsicherheit und die hohe Staatsverschuldung sorgten für strukturelle Unterstützung. Silber beurteilt die Bank dagegen zurückhaltender, nachdem der Markt zuvor von einem spekulativen Boom geprägt gewesen sei. 

Bei alternativen Anlagen setzt Julius Bär auf Private Equity mit Fokus auf operative Wertschöpfung, europäisches Direct Lending, Infrastruktur und Multi-Strategy-Hedgefonds. Infrastruktur profitiert nach Einschätzung der Bank besonders von Elektrifizierung, Digitalisierung, dem enormen Strombedarf der KI und der Energiewende.