Bond-Ausverkauf erfasst die Welt – Schweizer Zinsen bleiben tief

Steigende Ölpreise, hartnäckige Inflationsrisiken, wachsende Staatsschulden und ein enormes Angebot neuer Staatsanleihen sorgen weiter für Verkaufsdruck am Obligationenmarkt.

Besonders ausgeprägt ist die Bewegung in den USA. Die Rendite dreissigjähriger US-Staatsanleihen stieg am Dienstag zum sechsten Mal in Folge und erreichte zeitweise 5,62 Prozent – den höchsten Stand seit Juni 2002. Zehnjährige Treasuries erreichten bis zu 5,29 Prozent und damit das höchste Niveau seit 2007.

Auch am Mittwoch blieb die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe mit rund 5,23 Prozent in der Nähe dieser Höchststände. Allein im September beträgt der Anstieg knapp 50 Basispunkte. 

«Der Weg des geringsten Widerstands scheint dazu zu führen, dass die Laufzeitprämie weiter ansteigt», kommentierte Arun Sai, Multi-Asset-Stratege bei Pictet Asset Management, und bezog sich auf die zusätzliche Rendite, die Investoren verlangen, um langfristige Anleihen zu halten. «Investoren haben es nicht eilig, die Laufzeit zu erhöhen», fügte er hinzu.

Kristina Hooper, Chef-Marktstratege bei Man Group, sagte, dass steigende Renditen bei langjährigen Anleihen ein Spiegelbild von «zunehmender Sorge um die fiskalische Nachhaltigkeit» sowie der höheren Inflation seien, die durch den US-Iran-Krieg ausgelöste Energiekrise befeuert wurde.

In Deutschland und Frankreich erreichten die zehnjährigen Staatsanleiherenditen derweil den höchsten Stand seit 17 beziehungsweise 18 Jahren. In Japan stand die zehnjährige Staatsanleihe kurz vor einem Anstieg von 42 Basispunkten in diesem Quartal.

Öl und Schulden treiben die Renditen

Hinter der globalen Bewegung steckt mehr als die Erwartung der nächsten Notenbankentscheidungen. Investoren verlangen zunehmend einen höheren Aufschlag dafür, Staaten langfristig Geld zu leihen.

In den USA kommt zur Inflationsgefahr die Sorge um die Staatsfinanzen. Die US-Staatsschulden haben mittlerweile die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Gleichzeitig haben die hohen Energiepreise die Hoffnungen auf sinkende Leitzinsen zunichtegemacht. Brent notierte im September über weite Strecken oberhalb von 100 Dollar je Fass.

Schweiz: Rendite steigt im September kräftig

Auch am Schweizer Anleihemarkt sind die höheren globalen Zinsen angekommen – allerdings auf einem völlig anderen Niveau. Die Rendite zehnjähriger Schweizer Bundesobligationen lag Ende August noch bei rund 0,4 Prozent. Im Verlauf des Septembers kletterte sie zeitweise auf knapp 0,65 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit rund 19 Monaten. Am Dienstag ging sie wieder auf etwa 0,6 Prozent zurück.  Damit hat sich die Rendite innerhalb eines Monats um rund 20 Basispunkte erhöht. Vor einem Jahr lag sie sogar rund 40 Basispunkte niedriger.

Während zehnjährige US-Staatsanleihen derzeit rund 5,2 bis 5,3 Prozent abwerfen und deutsche Bundesanleihen bei rund 3,6 Prozent liegen, bewegt sich die zehnjährige Schweizer Rendite nur um 0,6 Prozent.

Neue Ära für Anleiheinvestoren?

Charu Chanana, Chief Investment Strategist bei Saxo, sieht Anzeichen für ein dauerhaft höheres Renditeniveau. Die Hürde für eine Rückkehr zu den extrem niedrigen Zinsen der Jahre nach der globalen Finanzkrise sei deutlich gestiegen.

Andere Investoren sehen nach dem Ausverkauf bereits wieder Einstiegsmöglichkeiten. Bei einer zehnjährigen US-Rendite von mehr als 5 Prozent könnten institutionelle Anleger beginnen, Kapital zurück in festverzinsliche Anlagen umzuschichten.