GZO: Infracore legt die Karten auf den Tisch

Für das sich in der Nachlassstundung befindende GZO Spital Wetzikon liegen bekanntlich seit längerem zwei Angebote auf dem Tisch. Zum einen der Verkauf von Aktiven an die US-Investmentgesellschaft Kawa und Swiss Medical Network Group (SMN), zum anderen eine Aktienbeteiligung der Thurmed-Gruppe.

In einem vergangene Woche an die Gläubiger der notleidenden GZO-Anleihe über 170 Millionen Franken versendeten Zirkular hatte der aktivistische Investor Gregor Greber (und gewählter Vertreter der Anleihensgläubiger) quasi im Konjunktiv von einer weiteren Lösungsvariante gesprochen (finews berichtete): «Neu hinzugekommen sind zudem Informationen beziehungsweise Gerüchte über eine mögliche Immobilienlösung im Umfeld von Antoine Hubert respektive Infracore. Danach könnten die Immobilien vollständig zu einem attraktiven Preis übernommen werden», hielt Greber darin fest.

Infracore, Swiss Medical Network, Aevis Victoria

Hubert ist Verwaltungsratspräsident von Aevis Victoria, die sowohl an der auf die Verwaltung und Entwicklung von Spitalliegenschaften spezialisierten Infracore (deren Aktien seit Juli an der SIX Swiss Exchange kotiert sind) als auch am Spitalbetreiber SMN massgeblich beteiligt ist und entsprechenden Einfluss ausübt.

Greber hat offenbar (einmal mehr) das Gras wachsen hören. Diesen Mittwoch hat nämlich Infracore die Karten auf den Tisch gelegt und «angesichts des fortgeschrittenen Sanierungsverfahrens» die wesentlichen Eckpunkte ihres verbindlichen Angebots für die Immobilien des Spitals Wetzikon bekanntgegeben.

Fertigstellung des Erweiterungsbaus nur bei «stabilisiertem Kerngeschäft»

Diese Eckpunkte sehen wie folgt aus:

  • Der Kaufpreis beträgt 55 Millionen Franken in bar, zahlbar bei Bestätigung des Nachlassvertrags, ohne Finanzierungsvorbehalt.
  • Das GZO bleibt uneingeschränkt Betreiberin des Spitals: es gibt keine Übertragung von Leistungsaufträgen, Betriebsbewilligungen, Arbeitsverhältnissen, Betriebsaktiven oder Patientendaten.
  • Es wird ein langfristiger Mietvertrag über 30 Jahre mit Verlängerungsoptionen abgeschlossen.
  • Der unvollendete Erweiterungsbau wird durch Infracore fertiggestellt, sobald das Kerngeschäft der GZO stabilisiert ist, mit Vormietrecht der GZO zu im Voraus vereinbarten Konditionen.
  • Für die Sanierung sind keine zusätzlichen öffentlichen Mittel nötig, daher ist auch keine Kapitalerhöhung der Aktionärsgemeinden erforderlich.
  • Wird das Angebot angenommen, gewährleistet dies gemäss Infracore «eine substanzielle Erhöhung der Bardividende an die Gläubiger».

Infracore bezeichnet ihr Angebot als «eine einfache und robuste Grundlage für die Sanierung der GZO» und plädiert dafür, dass die verschiedenen Sanierungsoptionen für die Gläubiger transparent vergleichbar sein sollten. Das ist durchaus nachvollziehbar, da diese in letzter Instanz über die vorgeschlagene Sanierungslösung entscheiden, bei der Abstimmung über den Nachlassvertrag.

Infracore-CEO Eric Frey erläutert: «Unser Angebot ist einfach, vollständig finanziert und innerhalb der gesetzlichen Frist umsetzbar: Bargeld für die Gläubiger, vollständige Kontinuität für das Spital, seine Mitarbeitenden und Patienten – und dies ohne einen Franken öffentlicher Mittel. Infracore wird gemäss Angebot auch die Fertigstellung des Erweiterungsbaus finanzieren. Wir halten es jedoch für wirtschaftlich sinnvoll und verantwortungsvoll, diese Investitionen erst dann zu tätigen, wenn das Kerngeschäft der GZO nach Abschluss des Nachlassverfahrens nachhaltig stabilisiert ist.»

Taktisch motivierter Schritt

Infracore hat bereits mit dem See-Spital in Horgen dieses Jahr eine ähnliche (Sales-and-Lease-back-)Transaktion abgeschlossen und diese als Vorbild für weitere Projekte bezeichnet.

Dass Infracore die Karten nun auf den Tisch legt, dürfte massgeblich taktisch motiviert sein. Es erhöht den Druck auf die anderen Interessenten (besonders auf Thurmed), ebenfalls Transparenz zu schaffen, und auf die Spitalleitung sowie die beiden Sachwalter, bald eine Beurteilung der Angebote zuhanden der Gläubiger abzugeben.