Wie ist es den Kryptobanken im Stressjahr ergangen?

Wer sein Geschäftsmodell auf digitale Vermögenswerte baut, wurde 2025 auf die Probe gestellt. Nach dem Ausnahmejahr 2024 mit seiner Blackrock-Bitcoin-ETF-Euphorie drehten die Kurse: Bitcoin beendete das Jahr bei rund 69'600 Franken – 19 Prozent tiefer als zwölf Monate zuvor, Ethereum verlor gar 24 Prozent.

Dazu kamen sinkende Zinsen, ein gegenüber dem Franken massiv abwertender Dollar und im Oktober ein Liquidationsschock, der die globalen Digital-Asset-Märkte erschütterte. Kurz: Sämtliche Ertragsquellen jeglicher Kryptobank – Handel, Verwahrung, Zinsgeschäft – standen gleichzeitig unter ungünstigen Vorzeichen.

Ein echtes Stressjahr

Es ist damit das erste echte Stressjahr, seit Sygnum und Amina 2019 als weltweit erste regulierte Kryptobanken an den Start gingen.

Welches der beiden Geschäftsmodelle hielt dem schlechtem Wetter besser stand? 

Was der Blick in die Geschäftsberichte verrät

Die exklusive Auswertung der Geschäftsberichte von Sygnum und Amina zeigt: Die Vorzeichen haben sich verkehrt.

finews hat – wie bereits im Vorjahr – exklusiv Einblick in die Jahresabschlüsse 2025 der beiden Institute genommen. Eine Neuerung vorweg: Die Amina Bank legt erstmals einen konsolidierten Gruppenabschluss vor. Die Vorjahreswerte in den nachfolgenden Tabellen beziehen sich deshalb neu auf die Amina-Gruppe und weichen von den im Vorjahr publizierten Standalone-Zahlen der Amina Bank ab.


I. Bottom Line

  Sygnum Amina
Betriebsergebnis in 1'000 Franken (Vorjahr) -9'931 (-4'314) -11'536 (-13'857)
Konzernverlust in 1'000 Franken (Vorjahr) -10'134 (-4'528) -11'726 (-14'022)

Die erste Erkenntnis des Jahres 2025: Die Rollen haben sich vertauscht. Sygnum, im Vorjahr nahe an der schwarzen Null, hat sich von dieser deutlich entfernt – der Betriebsverlust hat sich mehr als verdoppelt. Das Institut begründet dies mit bewussten Investitionen «ahead of the curve» in Infrastruktur, Compliance und internationale Expansion.

Amina hingegen bewegt sich in die Gegenrichtung: Der Konzernverlust verringerte sich um 16 Prozent auf 11,7 Millionen Franken. Die Bank spricht von «positiven Jaws» – steigende Erträge bei gebremsten Kosten – und bekräftigt den Kurs Richtung Profitabilität.

II. Unternehmensstruktur

  Sygnum Amina
Gründungsjahr 2018 2018
Banklizenz August 2019 August 2019
Mitarbeitende (FTE) Ende 2025 270,8 230,5*
CEO Mathias Imbach (seit 2018) Franz Bergmüller (seit 2022)
Geschäftsleitung 10-köpfiges Group Executive Board 9-köpfiges Executive Management
Verwaltungsratspräsidium Gabriela Maria Payer Päivi Rekonen
Internationale Präsenz Singapur, Abu Dhabi, Hongkong, Liechtenstein Abu Dhabi, Hongkong, Singapur, Österreich, Indien

* Erstmals konsolidierte Gruppenzahl inklusive der Shared-Services-Gesellschaften in Singapur und Indien (B&B Analytics). Die Amina Bank standalone beschäftigte im Vorjahr 103,2 FTE.

Der Personalbestand von Sygnum wuchs moderat um gut 28 Stellen. Der scheinbare Sprung bei Amina von gut 100 auf 230 Vollzeitstellen ist hingegen primär ein Konsolidierungseffekt: Neu zählen auch die Tochtergesellschaften mit, namentlich die indische Analytik-Einheit.

Personell hat sich bei Amina einiges bewegt: Mit Christine McAteer (Chief Compliance Officer), Michael Benz (CEO APAC) und Markos Theologitis (Chief Technology Officer) stiessen 2025 gleich drei neue Mitglieder zum Executive Management.

Bei Sygnum wurde der Verwaltungsrat mit Pia Tischhauser und Vinod Kumar erweitert; der frühere Chairman der US-Derivateaufsicht CFTC, J. Christopher Giancarlo, kam als Senior Policy Advisor an Bord.

III. Ertrag, in 1'000 Franken

  Sygnum Amina
Nettozinsertrag (Vorjahr) 21'713 (26'102) 9'499 (8'088)
Kommissions- und Dienstleistungsertrag (Vorjahr) 33'788 (31'123) 8'517 (6'976)
Handelsgeschäft (Vorjahr) 2'911 (3'961) 19'501 (18'157)
Übriger ordentlicher Ertrag (Vorjahr) 1'219 (4'144) 13 (152)
Total Ertrag (Vorjahr) 59'631 (65'330) 37'530 (33'373)
(pro Mitarbeiter, FTE) 220,2 162,8

Hier liegt ein bemerkenswerter Befund des Jahres 2025: Amina hat in allen drei tragenden Ertragssäulen zugelegt – im Zinsgeschäft um 17 Prozent, im Kommissionsgeschäft um 22 Prozent und im Handelsgeschäft um 7 Prozent.

Bei Sygnum zeigt das Bild in die Gegenrichtung: Der Nettozinsertrag brach um 17 Prozent ein, das Handelsgeschäft um gut einen Viertel, der übrige ordentliche Ertrag um fast drei Viertel. Einzig das Kommissionsgeschäft – Sygnums Paradedisziplin – legte um knapp 9 Prozent zu und verhinderte Schlimmeres. Unter dem Strich resultierte dennoch ein Ertragsrückgang von rund 9 Prozent, während Amina das zweite Jahr mit Umsatzrekord in Folge schrieb.

Die unterschiedlichen Ertragsprofile sagen viel über die Geschäftsmodelle aus. Sygnum ist im Kern eine Infrastruktur- und Plattformbank: 57 Prozent des Ertrags stammen aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft – Verwahrung, B2B-Dienstleistungen, die Off-Exchange-Lösung «Protect». 

Diese Konstellation gereichte Sygnum im Jahr 2025 nicht zum Vorteil: Die Treasury-Erträge auf den Kundengeldern litten unter den Zinssenkungen der Nationalbank und der Dollarschwäche.

Amina ist demgegenüber in erster Linie eine Handelsbank: Gut die Hälfte des Ertrags stammt aus dem Trading, vornehmlich mit Kryptowährungen. Was finews im Vorjahr als Risikofaktor eines volatilen Geschäftsmodells einordnete, erwies sich im turbulenten 2025 als Stabilisator: Handelsbanken verdienen an der Bewegung, nicht an der Richtung. Daneben wuchsen auch das Zins- und das Kommissionsgeschäft zweistellig, wenn auch von tieferer Basis.

Dazu passt das Lombardgeschäft mit Krypto-Sicherheiten, in dem beide weiter wachsen: Die Kundenausleihungen von Sygnum stiegen auf 260 Millionen Franken (Vorjahr: 235 Millionen), jene von Amina auf 133 Millionen Franken (Vorjahr: 103 Millionen). Wie man hört, führten die Preisrückgänge bei beiden Banken zu «Margin Calls» bei einigen Kunden; gröbere Schwierigkeiten resultierten daraus aber nicht.

Bei Sygnum ist die Schwäche derweil klar dem Umfeld und nicht dem Produktgeschäft zuzuschreiben: Die produktgetriebenen Erträge wuchsen laut der Bank um 18 Prozent, die Erträge von «Sygnum Protect» vervierfachten sich, jene der B2B-Plattform legten um rund 70 Prozent zu.

IV. B2B- und Whitelabelling-Geschäft

  Sygnum Amina
Partnerbanken (Vorjahr) über 25 (über 20) über 20 (17)
Bekannte Partner Postfinance, Zuger Kantonalbank, Incore Bank St. Galler Kantonalbank
Besonderheiten 2025 Integration des Euro-Stablecoins von Société Générale-FORGE; Ausbau der Partnerschaft mit der Zuger Kantonalbank; Deposit-Token-Pilotprojekt mit UBS und Postfinance Pilotprojekt mit Crypto Finance und Incore Bank auf dem Google Cloud Universal Ledger (Abschluss der zweiten Phase im Frühjahr 2026)

Im Bank-to-Bank-Geschäft – Banken bieten ihren Kunden Krypto-Dienstleistungen an, ohne eigene Infrastruktur aufzubauen – bleibt die Hierarchie unverändert: Sygnum hat seinen Vorsprung 2025 weiter ausgebaut und bedient inzwischen mehr als 25 Partnerbanken.

Insbesondere über die Postfinance erreicht die Bank nach eigenen Angaben über ein Drittel der Schweizer Bevölkerung; bis 2027 will sie, gemessen an der Kundenreichweite, eines der grössten regulierten Bank-to-Bank-Netzwerke Europas werden.

Aminas B2B2C-Lösung, auf die im Vorjahr 17 Institute zurückgriffen, spielt in der Kommunikation der Bank eine deutlich kleinere Rolle – der Fokus liegt klar auf dem Direktgeschäft mit «Crypto Natives» und traditionellen Anlegern («Dual Play»). Die Zunahme auf über 20 B2B-Kunden zeigt allerdings anhaltende Ambitionen.

V. Internationale Expansion

  Sygnum Amina
EU-/EWR-Lizenz MiCAR-CASP-Lizenz der FMA Liechtenstein (Sygnum Europe AG, Vaduz) MiCA-CASP-Lizenz der FMA Österreich (Amina Austria)
Zeitpunkt des Lizenzerhalts operativ seit 30. Juni 2026, mit Ablauf der MiCAR-Übergangsfrist (CASP-Registrierung nach liechtensteinischem Recht bereits seit September 2024) viertes Quartal 2025; bereits in 13 weiteren europäischen Ländern notifiziert
Leitung Europa-Geschäft Simon Schneider (CEO Sygnum Europe) Eckehard Stolz (Managing Director)
Asien Singapur (Vollpräsenz), Hongkong (Gesellschaft gegründet) Hongkong: SFC-Lizenz-Uplift 2025, erste Kunden über neues Booking Centre onboarded
USA zurückhaltend klar im strategischen Fokus

Im Wettlauf um Europa hat Amina die Nase zeitlich vorn: Die MiCA-Lizenz der österreichischen Finanzmarktaufsicht traf bereits im vierten Quartal 2025 ein und öffnet via EU-Passporting den Weg in bis zu 30 Märkte.

Sygnum wählte den Weg über das EWR-Mitglied Liechtenstein – die MiCAR-Lizenz der dortigen FMA wurde erst mit dem Auslaufen der Übergangsfrist per 30. Juni 2026 wirksam (finews berichtete). 

Unterschiedlich fällt auch der Blick über den Atlantik aus: Während sich Sygnum gegenüber dem – regulatorisch zuletzt deutlich aufgetauten – US-Markt zurückhaltend zeigt, steht dieser bei Amina klar im strategischen Fokus.

VI. Kostenseite, in 1'000 Franken

  Sygnum Amina
Personalkosten (Vorjahr) -40'906 (-36'875) -29'720 (-26'416)
Übrige Betriebskosten (Vorjahr) -19'721 (-20'298) -17'745 (-18'672)
Total Kosten (Vorjahr) -60'627 (-57'173) -47'465 (-45'087)
Personalkosten pro Mitarbeiter (FTE) 151,1 128,9

Beide Institute konnten den Sachaufwand leicht senken, während die Personalkosten stiegen. Bei Amina relativiert der Konsolidierungseffekt den Vergleich der Pro-Kopf-Werte: Die günstigeren Shared-Services-Standorte in Indien und Singapur drücken den Durchschnitt.

VII. Ausgewählte Bilanz- und Volumenkennzahlen, in 1'000 Franken

  Sygnum Amina
Bilanzsumme (Vorjahr) 789'571 (800'202) 369'251 (364'724)
Eigenkapital (Vorjahr) 110'594 (120'998) 73'971 (86'101)
Buchwert Software (Vorjahr) 25'000 (25'409) 8'217 (5'884)
Kumulierte Verlustvorträge inkl. Jahresverlust (Vorjahr) 96'570 (86'436) 163'394 (151'668)
Kundenvermögen in Mrd. Franken (Vorjahr) 4,6 (4,5) 2,8 (3,5)

Bei den Kundenvermögen öffnet sich die Schere: Sygnum meldet mit umgerechnet über 1 Milliarde Dollar den höchsten Neugeldzufluss der Firmengeschichte – die Kundenvermögen blieben trotz widriger Kursentwicklung mit 4,6 Milliarden Franken stabil. Amina verzeichnete hingegen einen Neugeldabfluss von 75 Millionen Franken; zusammen mit der Marktkorrektur schrumpften die verwalteten und verwahrten Vermögen um einen Fünftel auf 2,8 Milliarden Franken.

Kapitalseitig stehen beide Häuser solide da: Die Amina Bank AG weist standalone eine CET1-Quote von 31 Prozent und eine Liquiditätsquote (LCR) von 385 Prozent aus. Sygnum stärkte seine Kapitalbasis im Januar 2025 mit dem Abschluss der «Strategic Growth Round» – und stieg mit einer Bewertung von über 1 Milliarde Dollar in den Club der Einhörner auf.


Nach sieben Jahren ist der Befund vielschichtiger als im Vorjahr. Sygnum ist und bleibt das grössere, technologie-intensivere und breiter abgestützte Haus, mit Rekord-Neugeld, boomendem Produktgeschäft und Unicorn-Status.

Doch das Jahr 2025 hat gezeigt: Wenn Krypto-Bewertungen, Zinsen und Dollar drehen, fehlen der bilanzstarken Plattformbank auf einen Schlag Millionen an Treasury-Erträgen – und der Verlust verdoppelt sich. Unbesehen davon investiert die Bank kräftig in die Zukunft. 

Amina wiederum liefert operativ ab: Wachstum in allen drei Ertragssäulen, zwei Rekordjahre in Folge, sinkende Verluste, regulatorische Landgewinne in Europa und Asien – und mit den USA ein ambitioniertes nächstes Ziel. 

Das Rennen der beiden Schweizer Kryptobank-Pioniere geht damit in die nächste Runde – mit vertauschtem Momentum und viel Zukunftsglauben. Schwarze Zahlen schreibt vorerst keines der beiden Institute.