Was Sicherheit kostet: Wie Währungshedging langfristig Portfolios belastet

Viele Schweizer Investoren sichern ihre Fremdwährungsrisiken seit Jahren systematisch ab, insbesondere gegenüber dem Dollar. Der Grund ist nachvollziehbar: Der Franken gilt traditionell als stabile, risikoarme Währung. Doch langfristige Daten zeigen, dass diese Absicherungsstrategie in den letzten 15 Jahren zunehmend zu spürbaren Renditeeinbussen geführt hat.

Die grosse Wende nach der Eurokrise

Über Jahre hinweg schien die Richtung klar: Der Franken legte gegenüber dem Dollar stetig zu. Ein verlässlicher Trend, den viele Anleger fast als Naturgesetz betrachteten. Doch nach der Eurokrise von 2011 geriet diese Logik ins Wanken. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) begann, massiv am Devisenmarkt zu intervenieren, um eine übermässige Frankenstärke zu bremsen, mit dem Ziel, die Exportwirtschaft vor einem Wettbewerbsnachteil zu schützen. 

«Die Absicherung entpuppt sich im Rückblick als Renditebremse.»

Ab 2015 setzte sie zusätzlich auf ein aussergewöhnliches Instrument: Negativzinsen, die zeitweise tief im Minus lagen, machten Franken-Anlagen für Investoren zunehmend unattraktiv.

Seither verläuft der Kurs des Frankens auffällig stabil: zwischen 1.00 und 1.20 USD pro CHF, offenbar weniger durch Marktkräfte als durch geldpolitische Intervention beeinflusst. Im gleichen Zeitraum hielt die US-Notenbank die Zinsen deutlich höher, was zu einem konstanten Renditevorsprung USD-basierter Anleihen führte.

Langfristige Kosten der Währungsabsicherung 

Wer seine USD-Investments absicherte, wähnte sich auf der sicheren Seite und verzichtete auf einen erheblichen Teil der Rendite. Daten über mehr als zwölf Jahre zeigen das Ausmass der verpassten Rendite deutlich:

Ein globaler Aktien-ETF (iShares MSCI World), betrachtet von Dezember 2012 bis Dezember 2025, erzielte folgende Resultate:

  • In USD: +371.50 Prozent
  • Umgerechnet in CHF (ohne Hedge): +296.47 Prozent
  • In CHF mit Währungsabsicherung: +290.89 Prozent

Die Absicherung entpuppte sich im Rückblick als Renditebremse. Grund dafür ist das Zinsgefälle: Hedging erfolgt meist über Devisentermingeschäfte, in denen die höheren USD-Zinsen zum Nachteil des CHF-Investors eingepreist sind. Wer absichert, überlässt also einen Teil der US-Rendite der Gegenpartei, Jahr für Jahr.

Differenziert statt reflexartig: Wann Hedging Sinn ergibt

Gerade bei Aktien (volatil, wachstumsorientiert, global gestreut) ist Hedging selten hilfreich. Es kostet, reduziert die geografische Diversifikation und bringt selten echten Nutzen. Anders sieht es bei ertragsorientierten Instrumenten wie Private Credit oder Immobilienfinanzierungen aus. Dort kann Absicherung sinnvoll sein, etwa wenn die Erträge für Schweizer Franken-Ausgaben benötigt werden. Doch selbst dann gilt: Die Kosten der Absicherung können erheblich ins Gewicht fallen, besonders bei langfristigem Hedge.

Der Franken im heutigen Umfeld: Absichern oder offen lassen?

Der Reflex, alle Anlagen systematisch in Schweizer Franken abzusichern, sollte in der aktuellen Marktlage nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Der Franken scheint sich nicht mehr in einem strukturellen Aufwertungstrend zu befinden, und auch das aktuelle Zinsumfeld spricht gegen ihn. Die Absicherungskosten sollten daher nüchtern kalkuliert und nicht aus Gewohnheit in Kauf genommen werden.

«Bei langfristig orientierten Aktienportfolios kann ein Verzicht auf Hedging sinnvoll sein.»

Insbesondere bei langfristig orientierten Aktienportfolios kann ein Verzicht auf Hedging sinnvoll sein, da die Währungsschwankungen über Zeit oft durch die Ertragskraft der Unternehmen überlagert werden. Bei ertragsorientierten Anlagen wie Anleihen oder Private Credit, die regelmässig zur Deckung der Lebenshaltungskosten beitragen, kann eine Absicherung hingegen weiterhin sinnvoll sein, vor allem in Krisenphasen oder bei klar planbaren Cashflows.

Wer sich ausschliesslich auf Schweizer Franken-Anlagen konzentriert, limitiert sich auf ein enges, potenziell wachstumsschwaches Marktumfeld und verzichtet langfristig auf Chancen und Diversifikation internationaler Märkte.


Mathias Niederhauser ist Managing Director, Digital Solutions bei Petiole Asset Management.