Liquid Alternatives: Wie Blackrock den Milliardenmarkt neu definiert
Was lange als Nischenlösung institutioneller Investoren galt, entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Baustein moderner Portfolios: Liquid Alternatives. Gemeint sind liquide, regulierte Strategien – etwa Long/Short Equity, Global Macro oder Market Neutral –, die Hedge-Funds-ähnliche Renditeprofile mit täglicher Liquidität kombinieren.
Der Aufstieg dieser Strategien ist eng mit einem strukturellen Umbruch in der Asset Allocation verbunden. Das klassische 60/40-Verhältnis verliert an Wirksamkeit: Steigende Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen sowie ein volatiles Zins- und Inflationsumfeld haben die Diversifikationsfunktion von Staatsanleihen deutlich geschwächt.
«Immer grösserer Teil des Portfolios»
Oder wie es Blackrock-Chef Larry Fink in seinem Investorenbrief formulierte: «Wir leben in einer Zeit, in der kurzfristige Reaktionen die langfristige Perspektive verdrängen.»
«Alternative Anlagen nehmen insgesamt einen immer grösseren Anteil am Portfolio ein», sagt Nicolas Nussbaum, Leiter Hedge Funds und Liquid Alternatives EMEA bei Blackrock.
Neue Diversifikationslogik ersetzt klassische Modelle
Investoren reagieren auf diese Entwicklung mit einer Neuausrichtung ihrer Portfolios. Statt sich auf traditionelle Asset-Klassen zu verlassen, rücken zunehmend Strategien in den Fokus, die unabhängig von der Marktrichtung Rendite generieren können.
Liquid Alternatives erfüllen genau diese Funktion. Sie profitieren von Marktineffizienzen, Volatilität und relativen Preisunterschieden und sind damit weniger abhängig von steigenden Märkten.
Abkehr von starren Kategorien
Gleichzeitig verändert sich die Denkweise: Portfolios werden zunehmend entlang von Risikofaktoren und Zielrenditen konstruiert, nicht mehr entlang starrer Kategorien wie Aktien oder Anleihen. In diesem Umfeld etablieren sich Liquid Alternatives als integraler Bestandteil moderner Portfolioarchitekturen.
«Seit dem Ende der Corona-Pandemie gilt dieses neue Regime. Alpha is back», sagt Nussbaum.
USA als Taktgeber des Wachstums
Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in den USA. Dort verzeichnen Liquid Alternatives und Hedge-Funds-nahe Strategien seit Monaten kräftige Mittelzuflüsse. Institutionelle Investoren bauen gezielt «non-directional sleeves» auf – Strategien, die unabhängig von Marktbewegungen stabile Erträge liefern sollen.
Ein weiterer Treiber ist der strukturelle Rückzug der Banken aus Teilen des Kreditgeschäfts. Regulatorische Anforderungen haben die Bilanzkapazitäten eingeschränkt. Dieses Vakuum wird von alternativen Strategien gefüllt.
«Während Banken zunehmend weniger auf das Kreditgeschäft setzen, ziehen vor allem alternative Anlagen Gelder an», sagt Nussbaum.
Zugleich fungieren Liquid Alternatives in vielen Portfolios bereits als Ersatz für klassische Fixed-Income-Allokationen – insbesondere in einem Umfeld, in dem Anleihen ihre stabilisierende Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen.
Europa zieht nach
Auch in Europa gewinnt die Anlageklasse an Bedeutung, wenn auch mit anderen Schwerpunkten. Hier dominieren UCITS-konforme Produkte sowie eine stärkere Verankerung im Private Banking und Wholesale-Geschäft.
Ein zentraler Treiber ist die wachsende Nachfrage nach liquiden Lösungen als Ergänzung zu Private Markets. Während institutionelle Investoren verstärkt in illiquide Anlagen investieren, steigt parallel der Bedarf an Strategien, die ähnliche Renditequellen erschliessen, aber jederzeit verfügbar bleiben.
«ETF-isierung» schreitet voran
Liquid Alternatives positionieren sich damit zunehmend als «liquide Brücke» zu illiquiden Strategien.
Zugleich beschleunigt sich die Produktinnovation. Die zunehmende «ETF-isierung» komplexer Strategien – insbesondere in Form aktiver ETFs – senkt die Eintrittshürden und macht Liquid Alternatives einer breiteren Anlegerbasis zugänglich.
Dennoch bleibt Europa fragmentierter und regulatorisch komplexer als der US-Markt, was die Skalierung verlangsamt.
Blackrock treibt die Industrialisierung voran
Vor diesem Hintergrund positioniert sich Blackrock offensiv. Der weltweit grösste Vermögensverwalter verfolgt eine mehrdimensionale Strategie, so dass seine Kunden vom Boom der Liquid Alternatives profitieren können.
Im Zentrum steht, komplexe Strategien immer mehr Anlegern zugänglich zu machen. Mit dem neuen Systematic Diversified Absolute Return (SDAR) Publikumsfonds bringt Blackrock Hedge-Funds-ähnliche Ansätze – etwa systematische Multi-Strategy-Modelle – in liquide, standardisierte Anlageformate.
Liquid Alternatives können ein Baustein in einem umfassenden Portfolio-Framework sein, das traditionelle Anlagen, liquide Alternativen und Private Markets miteinander verbindet. Die Grenzen zwischen den Anlageklassen verschwimmen zunehmend. «Alternative Anlagen werden der Schlüssel sein», betont Nussbaum.















