Schweizer Single Family Offices: Neue Studie zeigt Überraschendes
Im Juni 2024 präsentierte die Single Family Office Association (SFOA) ihre erste Studie. Nun liegt die zweite vor, der wiederum in Auftrag der Branchenorganisation sowie der UBS von der Universität St. Gallen erstellt wurde.
Während die erste Studie Einblicke in die Vergütungs- und Anreizsysteme für Führungskräfte auf C-Level bei Schweizer Single Family Offices (SFOs) gab, geht es in der zweiten Studie unter anderem um die Nachfolgeplanung, Venture Capital-Investments sowie Diversifikation.
Deutlich höhere verwaltete Vermögen
Die Befragung fand zwischen dem 11. November und dem 17. Dezember 2025 statt. Von 279 eingeladenen Schweizer Single Family Offices nahmen 82 an der Umfrage teil. Damit wurden rund 27 Prozent der geschätzten 300 Single Family Offices in der Schweiz erfasst; bei der ersten Studie waren es noch 25 Prozent.
Die teilnehmenden SFOs verwalten zusammen Vermögen von rund 785 Milliarden Franken. Dies entspricht mehr als 90 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts und liegt rund 30 Prozent über dem Wert von vor zwei Jahren. Gründe dafür sind vor allem die positive Entwicklung der Finanzmärkte sowie die gestiegene Zahl von Single Family Offices.
Die Mehrheit der SFOs hält Beteiligungen an Familienunternehmen, die weltweit mehr als 100’000 Arbeitsplätze sichern. Hochgerechnet könnten alle Schweizer Single Family Offices zusammen rund 650’000 Stellen weltweit unterstützen.
Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse der zweiten Studie:
1. Starke Standortkonzentration
Die Schweizer Single-Family-Office-Landschaft ist geografisch breit abgestützt, konzentriert sich jedoch stark auf wenige Standorte. Die an der Studie teilnehmenden SFOs sind auf 16 Kantone und alle vier Sprachregionen verteilt. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) befindet sich jedoch in den Kantonen Zürich und Zug.
Betrachtet man die fünf wichtigsten Standorte – Zürich, Zug, Schwyz, Genf und Waadt –, sind dort insgesamt 82 Prozent aller teilnehmenden Single Family Offices angesiedelt. Dies unterstreicht die zentrale Bedeutung dieser Finanz- und Wirtschaftszentren für die Schweizer SFO-Branche.
2. Diversifikation über Ländergrenzen hinweg
88 Prozent der Family Offices halten Vermögenswerte in mindestens zwei bis vier Ländern. Hauptmotive sind: Schutz des Vermögens, rechtliche Sicherheit und geopolitische Diversifikation.
Internationale Strukturen und sogenannte Mehrländer-Präsenzen werden zunehmend zum Standard.
3. Venture Capital bleibt attraktiv, Schweiz profitiert nur begrenzt
Single Family Offices bilden eine wichtige Rolle im Bereich Venture-Capital (VC). Die entsprechenden Investitionen erfolgen dabei überwiegend über Direktbeteiligungen und VC-Fonds.
Allerdings fliessen lediglich 29 Prozent der VC-Investitionen in die Schweiz. 71 Prozent werden im Ausland investiert, allen voran in den USA, gefolgt von Westeuropa und Asien (ohne China).
Die wichtigsten Voraussetzungen für zusätzliche VC-Investitionen sind: vertrauenswürdige Co-Investment-Partner (29 Prozent) sowie Austausch mit anderen Family Offices (24 Prozent).
Family Offices mit Venture-Capital-Engagement bevorzugen vor allem Direktinvestitionen (59 Prozent) und VC-Fonds (56 Prozent). Co-Investments machen 26 Prozent aus, während Special Purpose Vehicles (SPVs) mit 12 Prozent eine deutlich geringere Rolle spielen.
4. Nachfolge hat höchste Priorität
Die Vorbereitung der nächsten Generation hat für viele Family Offices einen höheren Stellenwert als die kurzfristige Investmentperformance. Rund 60 Prozent der Next Generation sind bereits aktiv in die Vermögensverwaltung und strategische Entscheidungen eingebunden.
Besonders relevant ist die Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren für finanzielle Bildung und erste Verantwortung. Entscheidungsbefugnisse werden meist erst ab etwa 30 Jahren übertragen.
Die Mehrheit der Schweizer Single Family Offices betreut Vermögen der ersten (47 Prozent) und zweiten Generation (51 Prozent). Insgesamt konzentrieren sich 69 Prozent auf die erste, zweite oder beide Generationen. Nur 28 Prozent haben bereits die vierte Generation oder darüber hinaus erreicht. Dies zeigt, dass die Schweizer SFO-Landschaft noch vergleichsweise jung ist und vor einer entscheidenden Phase der Nachfolgeplanung steht – insbesondere beim Übergang von der zweiten zur dritten Generation.
Wie SFOA-Präsident Kurt Moosmann bei Veranstaltung am Dienstagabend betonte, beschäftigen sich Family Offices zunehmend auch mit psychologischen Herausforderungen bei Vermögensnachfolgern. Viele Erben empfinden grosse Vermögen nicht nur als Privileg, sondern auch als Belastung.
Themen wie Depressionen, Sinnsuche und mentale Gesundheit sollen nach Ansichten der SFOA deshalb künftig stärker adressiert werden.
In 65 Prozent der Schweizer Single Family Offices sind Familienmitglieder aktiv in die Führung oder Steuerung eingebunden. Meist handelt es sich dabei um ein bis zwei Familienmitglieder. Im Durchschnitt engagieren sich 2,5 Familienmitglieder pro SFO. Rund 35 Prozent der Family Offices werden hingegen vollständig von externen, professionellen Managementteams geführt.
5. Erbschaftssteuer-Initiative sorgte für Alarmstimmung
Die Abstimmung über die Erbschaftssteuer-Initiative der Juso von November vergangenen Jahres sorgte für hohe Wellen; betroffen gewesen wären ermögen von über 390 Milliarden Franken. Was sich jetzt zeigt: Vor dem Abstimmungsergebnis erwogen 53 Prozent der befragten Family Offices einen Wegzug aus der Schweiz:
- 5 Prozent kehrten der Schweiz den Rücken zu
- 15 Prozent hegten konkrete Plänen
- 33 Prozent stellen ernsthafte Überlegungen an
Die Studie zeigt, dass steuerliche Rahmenbedingungen und Standortattraktivität für viele Familien entscheidende Faktoren bleiben und belegt die hohe Mobilität grosser Vermögen.
Weltweit erster Verhaltenskodex geplant
Neben den Studienergebnissen kündigte die SFOA am Dienstabend die Veröffentlichung eines Code of Conduct für Single Family Offices an. Der Launch ist bis Ende des dritten Quartals vorgesehen. Der Kodex wurde von Mitgliedern der Swiss Single Family Office Association entwickelt.
Ziele sind: bessere Governance, mehr Transparenz, stärkere Professionalisierung, höhere Akzeptanz bei Behörden – insbesondere Regulatoren – und Partnern.
Die Schweiz könnte damit einen internationalen Standard für Single Family Offices setzen.


















