Neuer CEO der SFAA: «Karriereunterstützung, Netzwerk und Austausch»
Stabsübergabe bei der Geschäftsstelle der Swiss Financial Analysts Association (SFAA) in Zürich-Oerlikon: Stefan Braunschweig hat per 1. Juli das Amt des CEO von Andreas Jacobs übernommen, der die Geschäftsstelle seit 2017 führte.
Braunschweig ist seit 2025 Geschäftsleitungsmitglied der Aus-, Weiterbildungs- und Netzwerkorganisation für Finanzfachleute. Zuletzt war er 13 Jahre Head of Performance and Risk im Chief Investment Office der Credit Suisse (CS). Bei der CS startete er 1995 auch seine Berufskarriere.
finews nahm die Wachablösung zum Anlass, um mit dem frischgebackenen CEO über die Trends in der Finanzbildung zu sprechen.
Herr Braunschweig, weshalb haben Sie nach 30 Jahren Bankkarriere in den Bildungsbereich gewechselt?
Ich hatte schon immer eine gewisse Affinität dazu, wobei auch der Zufall im Spiel war. 2002 war ich zusammen mit anderen Finanzexperten und der SFAA Mitgründer der Isfa, einer Gesellschaft zur Analystenperformancemessung. Während dieser Zeit war ich auch als Fachspezialist für die AZEK tätig und half mit, den Finanz- und Anlageexpertenkurs aufzubauen. Nach 2006 behielt ich weiterhin die Verbindung, z.B. als Mitglied der SFAA Prüfungskommission.
Was erwartet Sie als Chef der SFAA? Wie sieht das Jobprofil aus?
Zum einen werde ich den Kontakt zur Kundenseite pflegen, also zur Finanzindustrie, den Portfoliomanagern und Vermögensverwaltern. Potenzial sehe ich noch im Vorsorgebereich, sprich bei den Pensionskassenmanagern. Zum anderen trage ich die Verantwortung für die Führung der Geschäftsstelle, also das Administrative wie Finanzen, Personal und Organisation der Aus- und Weiterbildung, wobei ich dabei auf ein erprobtes Team von 10 Mitarbeitenden zählen kann.
Nach aussen treten die beiden Organisationen SFAA und AZEK wie siamesische Zwillinge auf. Wie ist ihr Verhältnis, was sind die Rollen?
Die SFAA ist ein Verband mit 3'000 Mitgliedern, meist ehemalige Absolventen von Ausbildungslehrgängen. Sie ist auch die Trägerschaft der eidgenössischen Diplome, die wir im Auftrag des Bundes vergeben können. Die AZEK ihrerseits ist eine reine Ausbildungsorganisation, mit der SFAA als Alleineigentümerin. AZEK ist zu einem Label geworden, auch wenn es eigentlich gar keine AZEK-Diplome gibt und kaum jemand mehr weiss, wofür die Abkürzung steht.
«AZEK ist zu einem Label geworden, auch wenn es gar keine AZEK-Diplome gibt und kaum jemand weiss, wofür die Abkürzung steht.»
Der Bund ist daran, für eidgenössische Diplome die Bezeichnungen Professional Bachelor und Professional Master einzuführen. Was bringt das?
Diese Neuerung, die nicht nur die SFAA bzw. AZEK betrifft, ist wichtig für die internationale Vergleichbarkeit und Sichtbarkeit. Personen mit einem akademischen Abschluss können analoge Titel schon länger führen, entsprechend ist der Schritt für Nichtakademiker besonders relevant.
Welche Schwerpunkte möchten Sie in der Ausbildung setzen?
Der Ruf unserer Diplomkurse ist gut, dazu gilt es, Sorge zu tragen. Ergänzend zu den Diplomen haben wir vor sechs Jahren den ersten Zertifikatskurs eingeführt. Gestartet sind wir mit ESG, heute machen wir Kurse zu generativer künstlicher Intelligenz (KI) und im Immobilienbereich. Im Herbst bieten wir erstmals auch einen Lehrgang zu Private Markets an. Mit Zertifikaten können wir rasch auf den Wandel der Marktbedürfnisse reagieren, bei Diplomen ist der Prozess schwerfälliger bzw. langwieriger, weil mehr Akteure involviert sind.
Potenzial sehe ich bei der Karriereunterstützung, dies insbesondere im Rahmen der Weiterbildung mit unseren Campus- und Clubs-Angeboten. Wir werden aber auch weitere neue Formate anbieten. Das gibt unseren Mitgliedern die Gelegenheit, ihr Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. Dieser Austausch ist zentral.
Sie haben KI erwähnt. Ist das nicht auch ein Gamechanger für die Ausbildungslandschaft, weil z.B. bestimmte Grundfertigkeiten künftig gar nicht mehr benötigt werden?
Für die Ausbildung bietet KI zuerst einmal eine riesige Chance. Wir können etwa relativ einfach interaktive Tools kreieren, z.B. um den Einfluss der Volatilität auf die Optionspreise in verschiedenen Szenarios durchzurechnen und darzustellen. Das wäre früher mit einem vernünftigen Aufwand nicht so einfach möglich gewesen. Für Finanzanalysten bedeutet der Einsatz von KI aber auch, dass sie künftig ein grösseres Universum abdecken können bzw. müssen.
«KI ist für uns auch im Prüfungswesen ein grosses Thema. Der Trend geht in Richtung mündlich oder Blatt und Bleistift.»
Und für die AZEK als Bildungsorganisation?
KI stellt uns in der Tat auch vor einige Herausforderungen. Welches Grundwissen und welche Kompetenzen gehören weiterhin dazu, worauf kann man verzichten, und was kommt neu dazu? Und für uns ist natürlich KI im Prüfungswesen ein grosses Thema. Unser Anspruch ist es, eine praxisrelevante Ausbildung zu bieten, und wir verfolgen daher bei mehreren Prüfungen auch eine Open-Book-Politik. Bisher durften die elektronischen Hilfsmittel bei Prüfungen nicht online sein, aber die neusten KI-Modelle bringen auch offline «erschreckend» gute Resultate. In Diskussionen mit anderen Trägerschaften von eidgenössischen Diplomen geht der Trend eher in Richtung mündliche Prüfungen oder Blatt und Bleistift. Ich bin mir aber sicher, dass Bildung immer einen wichtigen Stellenwert haben wird, auch um KI-Resultate einschätzen zu können.
Wie stellen Sie sicher, dass neue Zertifikatslehrgänge wie derjenige für Private Markets nicht zu Marketingveranstaltungen werden?
Unsere Ausbildung soll zum kritischen Denken anregen, und wir werden klar herausschälen, wo Probleme entstehen können, Stichwort Demokratisierung einer illiquiden Anlageklasse. Es gibt aber tatsächlich ein gewisses Spannungsfeld, weil wir ja immer mit Praktikern bzw. ihren Standesorganisationen – hier z.B. mit der Asset Management Association Switzerland AMAS – zusammenarbeiten. Die Idee für diesen Lehrgang kam uns auch nicht im stillen Kämmerlein.
«Mit dem neuen Lehrgang wollen wir dazu beitragen, das Private-Markets-Geschäft zu ‹verschweizern›.»
Sondern?
Sie wurde vielmehr aus dem Austausch mit dem Markt heraus geboren; viele Akteure verstehen nicht, dass die Schweiz in diesem Bereich so stark auf das Kapital und Knowhow von US-Investoren angewiesen sein soll. Weshalb sollen wir es als international bedeutender Finanzplatz nicht schaffen, diesen Markt selber zu entwickeln? Wir haben viele innovative Unternehmen hier, die Spezialisten sind vor Ort, und Kapital ist auch reichlich vorhanden. Mit dem neuen Lehrgang wollen wir dazu beitragen, mehr Swissness in die Private-Markets-Sparte zu bringen – oder, um es ohne Anglizismen auszudrücken – das Geschäft zu «verschweizern».
Die CFA Society Switzerland dürfte hierzulande Ihre grösste Konkurrentin auf dem Markt für Finanzausbildungen sein. Pflegen Sie untereinander Beziehungen?
Die Konkurrenzsituation ist korrekt für die Finanzanalystenausbildung, weniger für die Ausbildung in den Bereichen Wealth Management oder Operations. Ich selber habe eine CFA-Ausbildung absolviert und sehe uns als Friendly Competitors. Ich bin offen für den Austausch, da es durchaus gemeinsame Interessen gibt. Es gibt wichtige Unterschiede in der Kursbegleitung und in der Sprache. Das CFA Institute ist mehr international ausgerichtet und produziert das Lernmaterial auf Englisch. Die AZEK pflegt im Kurs die Landessprachen Deutsch und Französisch, bei uns ist der Swissness-Gehalt insbesondere auch im Bereich der Vermögensverwaltung deutlich höher. Aber es gibt auch andere Mitbewerber, z.B. etliche Fachhochschulen, die Finanzausbildungen anbieten.















