Stablecoins schaffen es in den Finanzstabilitätsbericht der SNB

Erstmals seit 2012 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihrem jährlichen Bericht zur Finanzstabilität wieder einmal eine eigene Bühne gegönnt. Letztes Jahr war die Einschätzung der Stabilität des Schweizer Bankensektors noch im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung im Juni vorgestellt worden, die heuer am 18. Juni durchgeführt wurde.

Die SNB hat gemäss Nationalbankgesetz nicht nur die Preisstabilität zu sichern, sondern auch zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. In diesem Aufgabenbereich bildet der Bericht ihre aufwendigste, umfassendste und auch wichtigste Publikation. In ihr nimmt die SNB die Trends unter die Lupe, die im Bankensystem, in den Finanzmärkten sowie im makroökonomischen Umfeld zu beobachten sind und weist auf Stress oder Verwundbarkeiten hin, die kurz- oder längerfristig ein Risiko für die Systemstabilität darstellen könnten.

Die Lektüre des Berichts ist allen, die sich für die aktuelle Verfassung der Schweizer Bankenbranche interessieren, zur Lektüre empfohlen.

Stramm auf der Linie des Bundesrats

Nicht überraschend nutzte Antoine Martin, Vizepräsident des Nationalbankdirektoriums – er trat zusammen mit Sébastien Kraenzlin, stellvertretendes Mitglied des Direktoriums, auf –, die Präsentation im Berner Bellevue Palace, um die vom Bundesrat als Reaktion auf den Untergang der Credit Suisse vorgeschlagenen (und nun zum Teil in der parlamentarischen Beratung steckenden) Too-big-to-fail-Massnahmen (TBTF) ausdrücklich zu unterstützen.

Für die SNB als «Lender of last resort» stehen dabei die Anpassungen im Zusammenhang mit der Liquidität im Vordergrund, also die Anforderungen für die Vorbereitung von zentralbankfähigen Sicherheiten (Erweiterte Liquiditätsfazilität, ELF) sowie der Public Liquidity Backstop (PLB, Ausfallgarantie des Bundes für Liquiditätshilfen der SNB an Banken).

Vier Argumente für die volle Unterlegung

Selbstverständlich stellte sich die SNB aber einmal mehr voll und ganz hinter die vollständige Unterlegung ausländischer Beteiligung mit hartem Eigenkapital (CET 1) durch das Stammhaus. Die vollständige Eigenmittelunterlegung sei zielgerichtet und verhältnismässig, hielt Martin fest. Erstens werde damit eine Schwachstelle im regulatorischen Dispositiv behoben, zweitens verfüge die UBS bereits heute über genügend Eigenmittel, um die künftigen Anforderungen zu erfüllen, drittens werde sich die UBS danach auf ähnlichen Niveaus bewegen wie ihre internationalen Konkurrenten, und viertens sei eine hohe Kapitalquote kein Hindernis für eine ausgeprägte Wettbewerbsfähigkeit.

Im Bericht (der bis September nur auf Englisch vorliegt) widmet die SNB der Thematik der Kapitalunterlegung ausländischer Töchter (welche de facto nur für die UBS relevant ist) fünf Seiten (S. 25 ff.). Sie teilt darin auch die Einschätzung der Landesregierung, dass hartes Kernkapital (CET 1) zusätzlichem Eigenkapital in Form von AT1 vorzuziehen ist und legt die Annahmen hinter ihrem Befund, die UBS halte bereits genügend Eigenkapital, offen.

Begrenzte Risiken von Stablecoins

Aber der Bericht enthält nicht nur Pflicht, sondern auch Kür, nämlich zwei Spezialthemen. Das erste zu den Risiken von Stablecoins ist dabei weitaus «origineller» als dasjenige zu den Finanzmarktinfrastrukturen (mit dem Fokus zentrale Gegenparteien), welche die SNB im Rahmen ihres Beitrags zur Finanzstabilität schon lange überwacht.

Bei den Stablecoins gibt es zwei Quellen von Risiken: Denn zum einen kann ihre Deckung, die dazu dient, sie eins zu eins in die entsprechende offizielle Währung umzutauschen, volatil sein, zum anderen bestehen Verflechtungen mit dem übrigen Finanzsystem. Die SNB gibt aber Entwarnung: Derzeit sind die von Stablecoins ausgehenden Risiken begrenzt, weil die Volumen und die Verbreitung in der Schweiz gering sind. Sie unterstreicht aber, dass sich dies ändern könnte, und betont die Bedeutung international koordinierter Regulierung.

Anlagefonds im Brennpunkt, Nebengeleise Hedge Funds

Obschon sich die SNB bereits im letztjährigen Bericht dem Schattenbankensektor bzw., wie es offiziell heisst, den Nichtbanken-Finanzintermediären (NFBI) widmete, gehören ihre diesjährigen Ausführungen dazu eher zum Kürteil. Sie hat nämlich einen Schwerpunkt auf der wichtigsten Kategorie innerhalb der NFBI gesetzt, den Anlagefonds, die noch vor Pensionskassen und Versicherungen rangieren. Die direkt von Anlagefonds ausgehenden Risiken seien begrenzt, aber die Verflechtung mit dem übrigen Finanzsystem stark, konstatiert die SNB. «Diese Verflechtungen könnten als Ansteckungs- und Verstärkungskanäle für Schocks wirken.»

Die SNB hat zudem untersucht, welche Rolle Hedge Funds am Markt für Schweizer Bundesanleihen spielen. Beruhigendes Fazit: Ihr Einfluss ist, anders als in gewissen ausländischen Staatsanleihenmärkten, eng limitiert.

Vermögen limitieren Tragbarkeitsrisiken

Definitiv zum Pflichtteil gehören die Analyse des Immobilienmarktes und des Bankensektors. Die Preise für Wohnliegenschaften seien im Vergleich zu etablierten Bewertungskennzahlen hoch, die Tragbarkeitsrisiken würden aber dadurch eingedämmt, dass private Haushalte über beträchtliche finanzielle Mittel verfügten. Wie vergangenes Jahr kann die SNB trotz Basel III final keine Anzeichen einer Kreditklemme in der Schweiz ausmachen.

Den Banken attestiert die SNB eine insgesamt hohe Verlusttrag- und Kreditvergabefähigkeit, also eine gute Resilienz.