GZO: Gregor Greber spricht von einer möglichen weiteren Lösung
Gregor Greber, umtriebiger Aktionärsaktivist und Investor, hat sich am Donnerstag in einem «GZO Update» (das finews vorliegt) an die Anleihensgläubiger des GZO Spital Wetzikon gewandt. Greber, der nach eigenem Bekunden selber in die notleidende Anleihe im Nominalwert von 170 Millionen Franken investiert bleibt, äussert sich darin in seiner Eigenschaft als gewählter Vertreter der Anleihensgläubiger und Beobachter des Verwaltungsrat der GZO.
Greber stellt zunächst mit Genugtuung fest, dass der «vehemente Einsatz der GZO Creditor Group und die grosse Unterstützung durch die Anleihengläubiger» Wirkung gezeigt hätten.
Gemeinsamer Widerstand der Anleihensgläubiger hat gewirkt
«Dass wir heute überhaupt über mehrere Sanierungsvarianten diskutieren können, ist aus meiner Sicht wesentlich dem gemeinsamen Widerstand der Anleihensgläubiger zu verdanken. Wir haben uns von Beginn an dagegen gewehrt, mit einer tiefen Nachlassdividende abgespeist zu werden, obwohl erhebliche Vermögenswerte vorhanden sind», hält er darin fest.
Und er wird auch grundsätzlich, wenn er vor dem Präzedenzfall warnt, den die ursprüngliche Variante mit der tiefen Nachlassdividende hierzulande für den Umgang mit Anleihengläubigern in vergleichbaren Situationen geschaffen hätte.
Dann beschreibt und bewertet Greber die drei auf dem Tisch liegenden aktuellen Lösungsvorschläge.
- Sanierungsplan des GZO mit Nachbesserungen: Dieser wird als «Fortschritt» gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag bezeichnet. Die Gesamtquote für die Gläubiger bei dieser Variante beziffert Greber «auf Basis des öffentlichen Kenntnissstands mit 45 bis 50 Prozent». Sein Urteil: «Das ist deutlich besser als das, was uns ursprünglich zugemutet werden sollte – für mich persönlich aber weiterhin klar nicht ausreichend.»
- Lösung mit der Swiss Medical Network Group (SMN) und Kawa (Aktivenverkauf): Greber identifiziert bezüglich Übertragung bzw. Sicherstellung der Leistungsaufträge die Zürcher Gesundheitsdirektion unter Regierungsrätin Natalie Rickli als «Hindernis». Deren Haltung sei für ihn «in diesem Zusammenhang nur schwer nachvollziehbar, aber wahrscheinlich sehr politisch motiviert». Die Höhe der Nachlassdividende bei dieser Variante beziffert Greber mit «nahezu 60 Prozent».
- Thurgauer Lösung mit Thurmed als Partner (Aktienbeteiligung): Greber verschliesst sich dieser Variante nicht kategorisch. «Die möglichen operativen Synergien einer solchen Lösung können durchaus attraktiv sein.» Doch vermisst er Antworten auf eine Reihe von Fragen (tatsächlich eingebrachtes Eigenkapital, finanzielle Verpflichtungen für die Aktionärsgemeinden, künftige Eigentümerstruktur und Mehrwert für die Gläubiger).
Spannend ist, dass Greber quasi im Konjunktiv von einer weiteren Lösungsvariante spricht: «Neu hinzugekommen sind zudem Informationen beziehungsweise Gerüchte über eine mögliche Immobilienlösung im Umfeld von Antoine Hubert respektive Infracore. Danach könnten die Immobilien vollständig zu einem attraktiven Preis übernommen werden.»
Hubert ist Verwaltungsratspräsident von Aevis Victoria, einer Gesellschaft, die an der auf die Verwaltung und Entwicklung von Spitalliegenschaften spezialisierten Infracore (deren Aktien seit Juli an der SIX Swiss Exchange kotiert sind) und am Spitalbetreiber SMN massgeblich beteiligt ist und entsprechenden grossen Einfluss ausübt.
Gibt es eine weitere Variante?
Sollte solche Pläne tatsächlich existieren, würde eine derartige Transaktion einen hohen Cash-Anteil bei Vollzug ermöglichen. Das könnte gemäss Greber die Ausgangslage fundamental verändern. Dann könnte sich Kawa zurückziehen, «während eine operative Lösung zwischen Thurgau und der GZO separat weitergeführt würde».
Mit Blick auf diese noch etwas vage neue Lösung zieht Greber ebenfalls seine bekannte rote Linie: Sie sei nur dann attraktiv, «wenn daraus eine Ausschüttung resultiert, die deutlich über 60 Prozent liegt».
«Besonders enttäuschend»: Ausschluss und Ausgrenzung
Greber äussert sich aber auch zu seiner Arbeit als Vertreter der Anleihensgläubiger: In den vergangenen Wochen sei er zunehmend von wesentlichen Diskussionen und Informationen ausgeschlossen worden. «Nach mittlerweile fast zwei Jahren, in denen wir gemeinsam dafür kämpfen, dass die Interessen der Anleihensgläubiger angemessen berücksichtigt werden, ist diese Entwicklung für mich besonders enttäuschend».
Greber liefert gleich eine Liste von Punkten mit, zu denen ihm keine ausreichende Informationen vorlägen und hält es «unabhängig von allfälligen rechtlichen Begründungen oder behaupteten Interessenkonflikten für äusserst problematisch», dass ihm als gewähltem Vertreter «Informationen vorenthalten beziehungsweise dessen Teilnahme an entsprechenden Beratungen eingeschränkt» wurden.
«Wir geben nicht nach!»
Seinem Kampfgeist tut dies aber kein Abbruch, wie der von ihm gewählte programmatische, beinahe schon alteidgenössisch anmutende Zwischentitel «Wir geben nicht nach!» illustriert.
Sollte ein Sanierungsplan eine Ausschüttung von unter 60 Prozent für die Anleihensgläubigern vorsehen, wird sich Greber für eine Ablehnung stark machen.
«Gemeinsam viel erreicht» – Erholung des Obligationenkurses
Abschliessend erinnert er nochmals an die bereits erzielten Fortschritte. «Wir haben gemeinsam bereits wesentlich mehr erreicht, als viele zu Beginn für möglich gehalten haben und konnten die ursprüngliche Enteignungsstrategie des VR verhindern.»
Es handelt sich beim Gesagtem wohlgemerkt um die Sichtweise und Interpretation Grebers, der selber finanziell engagiert ist.
Der Kurs der weiterhin an der SIX gehandelten GZO-Obligationen, der im März noch teilweise unter 30 Prozent gelegen hatte, kletterte im April gegen 40 Prozent. Seit Mitte Juli (also ungefähr dem Zeitpunkt des Thurmed-Angebots) bewegen sich die Titel um 45 Prozent.














