Startup-Finanzierungen: Für wenige viel, für viele wenig
Schweizer Startups haben sich im ersten Halbjahr relativ viel Risikokapital beschaffen können. Doch wenige grosse Finanzierungsrunden prägen das Gesamtbild. Für die meisten Neugründungen bleibt die Geldfrage schwierig. Immerhin bleiben die US-Investoren dem Markt treu.
Auf den ersten Blick sieht die Zahl im jüngsten Swiss Venture Capital Report Update eindrücklich aus. Im ersten Halbjahr 2025 konnten Schweizer Startups Risikokapital im Umfang von 1'474 Millionen Franken auftreiben, ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das drittbeste Ergebnis überhaupt. Allerdings nahm gemäss dem am Dienstag publizierten Bericht die Zahl der Finanzierungsrunden von 138 auf 124 ab.
Volumenmässig dominierte die Biotechbranche. Junge Unternehmen aus dieser Kategorie konnten sich 705 Millionen Franken Eigenkapital beschaffen. Lebenszeichen zeigte auch der zuletzt schwache ICT- und Fintech-Sektor. Sie konnten 247 Millionen (+86 Prozent) respektive 153 Millionen Franken (+93 Prozent) sammeln. Drei Startups gelang es im ersten Semester, Transaktionen mit jeweils mehr als 100 Millionen Franken vorzunehmen.
Keine Trendwende zum Guten
Im vom Online-Newsportal Startupticker.ch und der Investorenvereinigung Swiss Private Equity & Corporate Finance Association (SECA) in Kooperation mit dem Register startup.ch herausgegebenen Bericht wird indes vor falschen Schlüssen gewarnt. «Die guten Zahlen sind allerdings nicht auf eine breite Trendwende bei den Investments zurückzuführen, sondern auf einzelne grosse Finanzierungsrunden. Für die Masse der Startups ist die Realisierung einer Risikokapitalfinanzierung weiterhin herausfordernd, wie sich aus der sinkenden Zahl der Investments schliessen lässt.»
Positiv vermerkt wird, «dass die grossen Finanzierungsrunden die Fähigkeit des Schweizer Ökosystems zeigen, Highflyer hervorzubringen, die selbst während einer Phase der wirtschaftlichen Unsicherheit internationale Investoren überzeugen können».
Aufsteiger Sygnum Bank
Namentlich erwähnt wird die auf Kryptoanlagen spezialisierte Sygnum Bank. Sie sei in ihrer Finanzierungsrunde im ersten Halbjahr mit über 1 Milliarde Dollar bewertet worden – was ihr den Aufstieg in den Club der sogenannten Unicorns (Einhörner) ermöglicht hat. Die Bank hat sich 52,9 Millionen Franken beschafft, immerhin die zehntgrösste Transaktion.
US-Investoren steuern einen grossen Teil des Risikokapitals für Schweizer Startups bei. (Grafik: Swiss Venture Capital Report 2025 Update)
Wenig Zuversicht lässt sich im Ausblick für die nächsten zwölf Monate ausmachen, der auf den Resultate einer breit angelegten Umfrage unter Schweizer Risikokapitalinvestoren basiert. «Die Investoren sind in Bezug auf ihre Erwartungen pessimistischer als im letzten Sommer. Gedämpft sind die Erwartungen insbesondere beim eigenen Fundraising sowie bei den Gelegenheiten, Portfolio-Unternehmen zu verkaufen.»
Immerhin zeigen sich die Investoren «eher wenig besorgt über die Auswirkungen der Einführung zusätzlicher Handelshemmnisse durch die US-Administration». Zugleich beruhigend als auch beunruhigend ist der Befund, dass sich US-Investoren ungeachtet der transatlantischen Turbulenzen weiterhin massgeblich an der Finanzierung von Schweizer Fintechs beteiligen.
Kapital, Finanzierungsrunden und Ausstiege von US-Akteuren: Ein Trump-Effekt ist nicht erkennbar. (Grafik: Swiss Venture Capital Report 2025 Update).
Beruhigend, weil amerikanische Anleger in der Venture-Capital-Branche traditionell dominieren und ein Rückzug die Finanzierung von Jungunternehmen in der Schweiz noch schwieriger machen würde. Beunruhigend, weil sich damit das für den hiesigen Finanzplatz wenig schmeichelhafte Bild bestätigt, dass er trotz des grossen Bergs an verwaltetem Kapital aus dem In- und Ausland und des viel beklagten Anlagenotstands offenbar nicht in der Lage ist, hierzulande innovative Geschäftsideen im Frühstadium selber mit hinreichenden monetären Ressourcen auszustatten.