Open Finance: Bundesrat zieht gemischte Bilanz und tadelt Versicherungen

Am Freitag hat sich die Landesregierung vom Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) über die neuesten Entwicklungen von Open Finance in der Schweiz informieren lassen.

In der entsprechenden Medienmitteilung wird Open Finance als die Praxis definiert, dass Finanzinstitute Finanzdaten auf Kundenwunsch über standardisierte und sichere Schnittstellen anderen Finanzdienstleistern wie Fintechs, Versicherungen oder Banken zur Verfügung stellen.

Der Mehrwert liegt darin, dass die Kundschaft so von neuen, innovativen Produkten profitiert und z.B. mit einem Knopfdruck einen Überblick über alle Bankkonten, Investitionen und Altersguthaben erstellen oder den CO2-Fussabdruck der Finanzanlagen berechnen kann. Mit der Stärkung der digitalen Selbstbestimmung der Kundschaft soll – so zumindest die Hoffnung – auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors insgesamt verbessert werden.

Die Versicherungsindustrie am Pranger

Die Bestandesaufnahme des EFD über die Umsetzung von Open Finance fällt gemäss dem Bundesrat «durchmischt» aus. Zwar sei mit dem Start der Umsetzung der sogenannten Multibanking-Initiative der Bankenbranche, die den sicheren Austausch von Bankkontodaten unter den Banken fördert, ein wichtiger Meilenstein erreicht worden.
 

«Allerdings bleiben Herausforderungen beim Zugang der Daten für sichere Drittanbieter bestehen», moniert der Bundesrat. Zudem seien die Fortschritte in anderen Bereichen zögerlich, kritisiert er. «Im Versicherungssektor wurde beispielsweise keine vergleichbare Initiative umgesetzt.»

Indikatorenset zur Messung der Fortschritte

Und weil der Bundesrat offensichtlich unzufrieden ist, wird nun noch genauer beobachtet und quantifiziert. Das EFD werde in den kommenden Monaten zusammen mit der Branche präzise Indikatoren erarbeiten, mit denen die Fortschritte gemessen werden könnten, lautet die Ansage.

In der Mitteilung wird daran erinnert, dass die Schweiz anders als die EU oder Grossbritannien keine gesetzliche Verpflichtung für Finanzinstitute kennt, Drittanbietern auf Wunsch der Kundschaft Finanzdaten zugänglich zu machen.

Marktbasierter Ansatz mit Drohkulisse

Statt quasi auf die Brechstange des gesetzlichen Zwangs zu setzen, geht der Bundesrat weiterhin davon aus, «dass ein marktbasierter Ansatz funktionieren kann und der Privatsektor die Standardisierung und Öffnung der Datenschnittstellen vorantreibt».

Und er erwähnt explizit die Alternative, wohl auch um Druck auszuüben bzw. aufrechtzuerhalten: «Andernfalls bleibt die Einführung gesetzlicher Pflichten eine Option.» Vor eineinhalb Jahren hatte der Bundesrat die Fortschritte betreffend Open Finance noch als ausreichend taxiert.