SSF-Nachhaltigkeitsstudie: Schweiz trotzt dem garstigen internationalen Umfeld

Nachhaltigkeit spielt als Anlagekriterium in der Schweiz weiterhin eine zentrale Rolle – so zumindest lassen sich Resultate der «Schweizer Marktstudie Nachhaltige Anlagen 2026» interpretieren, die Swiss Sustainable Finance (SSF) am Dienstag publiziert hat. Für die Studie wurde eine repräsentative Gruppe von Finanzmarktteilnehmern (30 Prozent Anleger bzw. Asset Owners und je 35 Prozent Asset Managers und Banken) befragt.

Das Gesamtvolumen nachhaltigkeitsbezogener Investitionen ist per 31. Dezember 2025 auf 1'940 Milliarden Franken und damit gegenüber Vorjahr um 3 Prozent gestiegen. «Damit zeigt sich die Schweiz im globalen Vergleich äusserst resilient», heisst in der Medienmitteilung, verzeichneten doch andere Finanzplätze in diesem Anlagebereich aufgrund des Gegenwinds aus den USA und anderer Entwicklungen bekanntlich Abflüsse.

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Der Bestand der gemäss Nachhaltigkeitskriterien verwalteten Anlagen nimmt in der Schweiz weiter zu. (Grafik: SSF-Studie 2026)

Gemäss dem vor einem Monat publizierten «Investment Pulse 2026» gab indes fast die Hälfte der befragten unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter (und damit merklich mehr als in den Vorjahren) an, dass ESG-Kriterien bei ihren Investitionsentscheiden keine Rolle spielten. 

Aber das globale Umfeld macht sich doch auch hierzulande bemerkbar. In der Produktvermarktung regiere Zurückhaltung, konstatieren die Studienautoren. So würden im Fondsbereich 870 Milliarden und im Mandatsbereich 735 Milliarden Franken unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien verwaltet. Der Anteil der als «nachhaltig» vermarkteten Produkte betrage aber nur 64 bzw. 27 Prozent.

Berichterstattungspflichten und Positionierungsentscheide

SSF-CEO Sabine Döbeli erklärt sich das Phänomen wie folgt: «Ein wichtiger Faktor ist, dass nachhaltige Anlageansätze inzwischen zum Standard geworden sind. Vielfach werden Anlageprodukte nicht mehr spezifisch als nachhaltig vermarktet, auch wenn sie entsprechende Faktoren berücksichtigen. Ein Grund dafür können anspruchsvolle Berichterstattungspflichten oder Positionierungsentscheide sein.»

Was nicht in der Studie explizit steht, ist, dass in der Branche bis vor wenigen Jahren durchaus intensiv (bis zuweilen aggressiv) mit dem Argument Nachhaltigkeit geworben wurde. 

Die künstliche Intelligenz (KI) hinterlässt auch im Nachhaltigkeitssegment ihre Spur. Bei vielen Befragten habe der Einsatz von KI den Sprung von der Pilotphase zum vollwertigen Produktionsbetrieb geschafft. Romain Leroy-Castillo, Director AI and Education SSF quantifiziert: «Im Vorjahr beschäftigte sich rund ein Fünftel (19 Prozent) der Vermögensverwalter noch nicht mit dem Einsatz von KI in ihrer Arbeit. In der aktuellen Umfrage sank dieser Wert auf 4 Prozent. Auch bei den Kapitaleigentümern sprechen die Zahlen eine klare Sprache. Im Vorjahr hatten erst 4 Prozent von ihnen KI komplett in ihrer Arbeit integriert, während 2025 bereits 20 Prozent diese Frage positiv beantworteten.»

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Die Risiken mit dem grössten Schadenpotenzial aus Sicht der Asset Managers und der Asset Owners. (Grafik: SSF-Studie 2026)

Eine Neugewichtung haben die Befragten bei der Frage vorgenommen, welche naturbezogene Risiken die grössten finanziellen Auswirkungen haben. Sie betrachten neu Extremwetterereignisse als grösstes Risiko. In der Umfrage 2025 war es noch die Wasserknappheit.

Spezialfall Immobilien

Auffällig ist, dass die Mehrheit der Asset Owners anders die Vermögensverwalter über eigene Nachhaltigkeitsrichtlinien für Immobilieninvestments verfügt. SSF führt dies auf den höheren Anteil der Anlageklasse und «die langfristig orientierte treuhänderische Verantwortung» zurück.

Das Bewusstsein, dass der Bedarf für eine widerstandsfähige Infrastruktur, stabile Lieferketten und klimagerechte Betriebsmodelle auch Chancen für neue Geschäftsmodelle schaffe, sei gewachsen. Im Ausblick erwarten die Autoren denn auch, dass Resilienz, Eigenständigkeit und Innovation die zentralen Themen sind, welche die nachhaltige Anlagestrategien in den kommenden Jahren zunehmend prägen werden.

Die 2014 gegründete SSF hat sich dem Ziel verschrieben, die Schweiz durch Information, Ausbildung und die Förderung von Wachstum als globalen Markt für nachhaltige Finanzen zu positionieren. Sie zählt über 250 Mitglieder und Netzwerkpartner, darunter Finanzdienstleister, Investoren, Universitäten und Hochschulen, Ämter und andere Organisationen.