Sustainable Finance: Klimawandel, Immobilien und mehr Biodiversität
Es sind zwei Fixpunkte für alle, die davon überzeugt sind, dass auch der Finanzplatz zur Nachhaltigkeit beitragen und damit den ESG-Kriterien (für Environmental, Social und Governance) Rechnung tragen soll.
Zum einen ist es die jährlich und nun zum sechsten Mal vom Swiss Finance Institute (SFI) und Swiss Sustainable Finance (SSF) organisierte Konferenz in Zürich, die am Donnerstag vergangener Woche in Zürich über die Bühne ging. Und zum anderen handelt es sich um das dreitägige Gipfeltreffen von Building Bridges, zu dem sich die ESG-Community kommende Woche in Genf zum siebten Mal versammelt wird.
Schwieriges Umfeld – stabile Anlagevolumen
In den letzten Jahren war das Umfeld für nachhaltige Anlagen bekanntlich schwierig. Bereits vor dem Amtsantritt des US-Präsidenten kam Gegenwind (Greenwashing, Regulierungsexzesse usw.) auf, für die bis dahin sehr selbst- und sendungsbewusste Branche eine neue Erfahrung.
Seither sind die Widerstände nicht kleiner geworden, und die Banken und Institute werben deutlich weniger offensiv mit ESG-Argumenten, als das noch vor drei Jahren der Fall war. Das Gesamtvolumen nachhaltigkeitsbezogener Investitionen ist in der Schweiz indes nicht zurückgegangen, wie im Juni eine Studie von SSF gezeigt hat.
Akademiker, Finanzmarktakteure und Praktiker von Unternehmen
Die Stimmung im ziemlich vollbesetzten Zürcher Lakeside war zwar nicht euphorisch, aber alles andere als niedergeschlagen. Im Zentrum stand dieses Jahr der Einfluss von Umweltrisiken auf die Anlageentscheide, und wie gewohnt wurde die Thematik von akademischer Seite, von Akteuren aus dem Finanzmarkt und Praktikern aus den Unternehmen beleuchtet.
SFI-Managing Director François Degeorge sprach von zu hohen Erwartungen der Investoren an grüne Assets. SSF-CEO Sabine Döbeli erinnerte daran, dass der Immobiliensektor für einen grossen Anteil des CO2-Ausstosses verantwortlich ist.
Zementhersteller Holcim als Sünder auf dem Weg zur Besserung
Mit Renata Pollini, Head of Sustainable Construction & Nature bei Holcim, war auch eine Vertreterin aus dieser Branche zugegen. Holcim hinterlässt mit der Erzeugung seiner Produkte einen grossen CO2-Fussabdruck. Pollini zeigte auf, wie ihr Unternehmen Nachhaltigkeit umfassend versteht, nicht nur mit klimaschonenderen Verfahren bei der CO2-intensiven Zementherstellung.
Holcim reduziert auch laufend den Wasserverbrauch und renaturiert Steinbrüche. Und die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele ist überdies mit konkreten finanziellen Anreizen für das Management verknüpft. Die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit werde sowohl von Investoren wie auch Kunden an Holcim herangetragen – und natürlich auch von der Regulierung einverlangt.
Green Bonds und Sustainability-linked Bonds mit Immobilienbezug
Federica Zena, frühere SFI-Professorin und heute Ökonomin bei der italienischen Notenbank, widmete sich ebenfalls dem Immobiliensektor, allerdings aus der Perspektive der Anleihenmärkte. Während grüne Anleihen (Green Bonds) von Emittenten aus dem Immobiliensektor weiterhin beliebt sind, ist der Anteil der Anleihen mit einer Verbindung zu konkreten Nachhaltigkeitszielen (Sustainability-linked Bonds) gesunken. Bei Green Bonds wird der Emissionserlös für «grüne» Projekte eingesetzt, Sustainability-linked Bonds sollten den Emittenten hingegen durch finanzielle Anreize dazu motivieren, definierte Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen.
Zena sprach über den europäischen Markt. Doch auch auf dem Schweizer Kapitalmarkt finden Anleger etliche Green Bonds mit Immobilienbezug.
Begrenzung des Klimawandels versus Anpassung
Eine gewisse Akzentverschiebung ist bei der Stossrichtung des Klimaschutzes festzustellen. Früher stand die Begrenzung der globalen Erwärmung mit (mehr oder weniger realistischen) Netto-Null-Zielen (für die Schweiz z.B. bis 2050) im Zentrum. Nun war am Lakeside mindestens eben so oft die Rede von Massnahmen, mit denen sich die Menschen an den Klimawandel anpassen können, wobei es sich nicht um ein Entweder-Oder von «mitigation versus adoption» handeln soll.
Lange wurde ausserdem die ökologische Dimension, also das E von ESG, vom Klimathema dominiert. Auch hier beginnen sich die Gewichte zu verlagern, die Natur wird umfassend als «Basisinfrastruktur» für das menschliche Dasein interpretiert, die nicht länger übernutzt werden darf. Mehrere Redner unterstrichen insbesondere die Bedeutung der Biodiversität. Ein Problem ist dabei allerdings, dass hier Reporting-Standards, Datenerfassung und Methodologien noch weit weniger entwickelt sind als im Treibhausgasbereich.














