Mini-Comeback von Standard Chartered in Genf
Standard Chartered erlebte zuletzt einen kleinen internationalen Shitstorm. Firmenchef Bill Winters hat sich halbherzig für seine Äusserungen entschuldigt, in denen er darlegte, wie sich künstliche Intelligenz auf «weniger wertvolles Humankapital» auswirken werde.
Nachdem das Bankhaus angekündigt hatte, bis zum Jahr 2030 fast 8'000 Jobs streichen zu wollen, erörterte Winters die Pläne noch einmal genauer. Laut Bloomberg sagte der CEO dabei: «Es geht nicht um Kosteneinsparungen, sondern darum, in einigen Fällen weniger wertvolles Humankapital durch Finanz- und Investitionskapital zu ersetzen, das wir einsetzen.» Da wirkt eine andere Aussage von ihm eher merkwürdig. Er würde sämtliche seiner Kollegen höchst schätzen und wolle «ihnen dabei helfen, mit dem immer schnelleren Wandel in unserer Branche fertig zu werden», schrieb der Firmenchef in einem Post auf Linkedin.
Verkauf klappte nicht
Nicht unbedingt schnell, aber stetig wandelt sich das Schweizer Geschäft der Grossbank. Standard Chartered hatte 2007 die Privatkunden der American Express Bank in Genf übernommen. Das Geschäft hat sich offenbar nicht wie gewünscht entwickelt. Im Februar 2014 schrieb finews über die Pläne, das Schweizer Private-Banking-Geschäft wieder zu verkaufen. Weil sich kein Käufer fand, schlossen die Engländer die Büros, wo damals gut 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt waren.
Vergangenen November spekulierte Bloomberg über ein Comeback im Private Banking, doch Standard Chartered hat nun offenbar andere Pläne. Sie will diesen Sommer ein neues Repräsentanzbüro in Genf eröffnen, dafür hat sie gemäss Mitteilung vom Dienstag die Genehmigung der Finma erhalten. Damit stärke die Bank ihre Präsenz in Europa sowie ihre einzigartigen grenzüberschreitenden Bankdienstleistungen für Finanzinstitute und Unternehmen im Rahmen ihres Corporate & Investment Banking (CIB) weiter.
Näher bei den Firmenkunden
Srini Nanduri wurde zum Leiter des Büros ernannt. Er verfüge über umfassende Erfahrung in der Betreuung multinationaler Unternehmen und Finanzinstitute, heisst es dazu.
Nicolo Salsano, CEO Europa von Standard Chartered, sagt: «Die Einrichtung unseres Repräsentanzbüros in der Schweiz ist ein wichtiger Schritt für das nachhaltige, langfristige Wachstum unseres europäischen Geschäfts. Das neue Büro ermöglicht es uns, näher an unseren CIB-Kunden in der Schweiz zu sein, deren sich wandelnde grenzüberschreitende Bedürfnisse besser zu verstehen und sie effektiver mit unserem einzigartigen internationalen Netzwerk zu verbinden.»
Im Herzen des Genfer Bankenviertels
Nanduri ergänzte «Die Schweiz hat eine anhaltend grosse globale Bedeutung für multinationale Unternehmen und Finanzinstitute. Wir freuen uns darauf, unsere Kunden zu unterstützen und einen positiven Beitrag zum lokalen Bankensektor zu leisten.»
Der Mietvertrag sei unterschrieben, heisst es auf Anfrage von finews, das neue Büro eröffnet am Place de la Synagogue im Herzen des Genfer Bankenviertels.















