Kryptoanlagen 2026: Wer investiert, wer zögert

Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1’772 Personen aus der Deutsch-, Französisch- und Italienischschweiz, die vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ gemeinsam mit der Luzerner Kantonalbank im Februar und März 2026 durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse zeichneten mehrere interessante Erkenntnisse, heisst es dazu in einer Mitteilung. So erweise sich nicht Alter, Geschlecht oder Einkommen, sondern die bisherige Anlageerfahrung als wichtigster Treiber künftiger Investitionen in Kryptoanlagen. Gleichzeitig zeige sich, dass «Vertrauen für viele Anlegerinnen und Anleger wichtiger ist als der Preis». 

Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse mit sechs Thesen. 

These 1: Kryptoanlagen haben den Sprung aus der Nische geschafft


In der Stichprobe halten 18 Prozent der Befragten aktuell Kryptoanlagen (siehe Abbildung 1), weitere 8 Prozent waren früher investiert. Damit liegt der Anteil aktueller Anleger rund zwei Prozentpunkte höher als 2025 und deutlich über dem Wert von 2024 mit 11 Prozent aktiven Krypto-Investoren. Hochgerechnet entspricht dies rund 140’000 zusätzlichen Anlegerinnen und Anleger im letzten Jahr. Gleichzeitig überwiegen in der Gesamtbevölkerung weiterhin Skepsis und Zurückhaltung. Ein erheblicher Teil der Befragten hält einen (erneuten) Einstieg in Kryptoanlagen innerhalb der nächsten zwei Jahren für unwahrscheinlich. Anders präsentiert sich die Situation jedoch bei Personen, die bereits Kryptoanlagen besitzen: Knapp 60 Prozent können sich vorstellen, in den kommenden zwei Jahren weitere Kryptoanlagen zu erwerben.

«Steigende Anzahl an Personen, die in Kryptoanlagen investiert sind» – Vergleich mit vergangenen Umfragen

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Quelle: HSLU & PostFinance, Crypto-Anlagen in der Schweiz (2024); HSLU und LUKB, Anlegen und Vorsorgen in der Schweiz (2025); HSLU Kryptoanlagen-Studie (2026).

These 2: Das Interesse an Kryptoberatung durch die eigene Bank ist substanziell


Laut Umfrage ist das Interesse an einer Kryptoberatung durch die eigene Bank beachtlich: 15 Prozent der Befragten würden eine solche Beratung «eher» oder «sehr wahrscheinlich» in Anspruch nehmen. Hochgerechnet auf die Schweiz entspricht dies einem Potenzial von mehreren Hunderttausend bis rund einer Million Personen. Das Interesse für eine entsprechende Beratung ist dabei ungleich verteilt: Gen Z (27 Prozent) und Millennials (21 Prozent) zeigen ein deutlich höheres Interesse als die Gen X (9 Prozent) oder die Babyboomer-Generation (6 Prozent). Der stärkste Einflussfaktor ist die bisherige Kryptoerfahrung – 34 Prozent der aktuell investierten Personen würden eine Beratung nutzen, gegenüber 23 Prozent der früher investierten und 9 Prozent der nie investierten Personen. Die Beratung zu Kryptoanlagen durch Banken spreche damit vor allem jüngere und bereits investierte Kundinnen und Kunden an.

These 3: Bankvertrauen schlägt Preissensitivität


Kryptoanlegerinnen und Anleger wünschen sich günstige, funktionale und intuitiv bedienbare Lösungen, gewichten bei der konkreten Anlageentscheidung jedoch den Anbieter stärker als den Preis. In der direkten Abfrage stehen bei aktuell investierten Personen grundlegende Leistungsmerkmale digitaler Finanzdienstleistungen im Vordergrund – insbesondere einfache Überwachung der Anlagen, intuitive Bedienbarkeit der App sowie unabhängige Informationen und Research. 

In einem Entscheidungsexperiment mit zufällig variierten Depotprofilen relativiert sich die Bedeutung des Preises jedoch deutlich: Eine Verdoppelung der jährlichen Gebühr von 0,6 auf 1,2 Prozent hat kaum Einfluss auf die Anlageentscheidung. Entscheidend sei hingegen der Anbieter: Bei der Kantonalbank legen die Befragten im Median 31 Prozent eines hypothetischen Gewinns an, bei Coinbase nur 21 Prozent – eine Differenz von rund 10 Prozentpunkten zugunsten des etablierten, vertrauten Anbieters. «Kryptoanlagen werden damit weniger als exotisches Spezialthema, sondern als reguläres Finanzprodukt mit hohen Erwartungen an Effizienz, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit wahrgenommen», heisst es.

These 4: Erfahrung ist der stärkste Treiber künftiger Krypto-Investitionen


Wer bereits investiert ist, bleibt mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit engagiert. Frühere und insbesondere nie investierte Personen zeigen sich hingegen deutlich zurückhaltender. Alter und Geschlecht erklären dabei weniger als oft angenommen. Eine vertiefte Regressionsanalyse bestätigt dies: Während das einfache Modell mit ausschliesslich demografischen Merkmalen lediglich 17 Prozent der beobachteten Streuung der Investitionsbereitschaft erklärt, steigt die Erklärungskraft im erweiterten Modell mit Erfahrung und Risikobereitschaft auf 42 Prozent. 

Den stärksten Einfluss hat der aktuelle Besitz von Kryptoanlagen: Auf einer Skala von 1 («sicher nicht») bis 7 («ganz sicher») liegt die Anlagebereitschaft aktueller Anleger:innen rund zwei Stufen höher als bei Personen, die nie investiert haben. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen werde in der vertieften Analyse weitgehend durch die Risikobereitschaft überlagert – und auch wenn der Generationenunterschied relevant bleibe, sei er nicht der eigentliche Treiber. «So weisen aktuell investierte Boomer eine höhere erneute Investitionsbereitschaft auf als ehemals investierte Millennials.» 

These 5: Marktzyklen prägen das Kryptoanlageverhalten 


Der Einstieg in Kryptoanlagen erfolgt laut Umfrageergebnissen häufig prozyklisch in Haussephasen, was das Risiko ungünstiger Einstiegszeitpunkte und späterer Verluste erhöht. Neue Krypto-Engagements konzentrieren sich insbesondere auf Phasen starker Bitcoin-Kursanstiege – etwa während der Hausse 2020/2021 sowie im ETF-getriebenen Aufschwung 2024/2025. Bemerkenswert sei, dass Anleger:innen, die in den Haussen 2020 und 2024 erstmals in Kryptoanlagen investiert haben und heute noch investiert sind, 26 Prozent aller aktuellen Investoren ausmachen. 

Ausgeprägte Bärenmarktphasen treten hingegen seltener als Einstiegszeitpunkte auf. Dies deutet darauf hin, dass viele nicht antizyklisch in Schwächephasen einsteigen, sondern vor allem prozyklisch in Phasen steigender Kurse und erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit.  Dies zeigt sich auch in der Ergebnisbilanz: Aktuelle Krypto-Halter:innen berichten mit 57 Prozent deutlich häufiger von Gewinnen als ehemalige Investor:innen (43 Prozent). Dies deute auf einen sogenannten «Survivorship Bias» hin. Erfolgreiche Anleger:innen bleiben investiert, während Personen mit realisierten Verlusten den Markt eher verlassen.

 

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Quelle: HSLU Kryptoanlagen-Studie (2026).

 These 6: Unwissenheit und wenig Interesse 


Nicht-Investor:innen werden vor allem durch Wissenslücken, fehlendes Interesse und mangelndes Vertrauen vom Einstieg abgehalten. Erfahrene Anleger:innen hingegen legen in erster Linie Wert auf tiefe Gebühren, eine einfache Bedienung und eine verlässliche Abwicklung (siehe Abbildung 5). Die wichtigsten Gründe gegen eine Investition sind fehlendes Wissen («Ich weiss zu wenig»: 51 Prozent der nie investierten Personen), mangelndes Interesse und hohe Wertschwankungen. Bankbezogene Hürden wie fehlende Beratung oder ein unzureichendes Produkteangebot spielen demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle.

Bei bereits investierten Personen stehen hingegen funktionale Leistungsmerkmale im Vordergrund wie eine einfache und verständliche Überwachung der Anlagen, eine intuitive Bedienbarkeit sowie unabhängige Informationen und Research, die für rund zwei Drittel der Befragten wichtig sind.

Gründe gegen eine Investition in Kryptoanlagen

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Quelle: HSLU Kryptoanlagen-Studie (2026), n = 1’772.

Das Fazit der Umfrage

Kryptoanlagen haben den Sprung aus der Nische geschafft, werden in der Schweizer Bevölkerung jedoch weiterhin unterschiedlich beurteilt. Die Studie zeigt, dass für ein zukünftiges Engagement nicht Alter oder Geschlecht ausschlaggebend sind, sondern vor allem die bisherige Erfahrung mit Kryptoanlagen. Das Interesse an Kryptoberatung durch Banken ist grösser als oft angenommen. 

Zwar würde nur eine Minderheit der Bevölkerung ein entsprechendes Angebot nutzen, hochgerechnet entspricht dies jedoch mehreren Hunderttausend potenziellen Kund:innen. Besonders hoch ist das Interesse bei jüngeren Generationen und Personen mit bestehender Kryptoerfahrung. «Für Banken ergibt sich daraus die Chance, ein klar definiertes Kundensegment mit Beratungs- und Informationsangeboten rund um Kryptoanlagen anzusprechen. Gleichzeitig erfordert ein solcher Ausbau hohe Standards bei Compliance, Fachkompetenz und Beratungsqualität», schreiben die Autoren.