Am diesjährigen Struki-Forum dominiert die Zuversicht

Disziplin, harte Arbeit, Leidenschaft, Resilienz, Teamwork, mentale Fitness und Erfolgsdruck – dass solche Schlagworte gleich zu Beginn des International Structured Products Forum (ISPF) fielen, dem alljährlichen Stelldichein der nationalen und internationalen Struki-Industrie, ist an sich keine Überraschung. Allerdings kamen sie nicht aus dem Mund einer Repräsentantin oder eines Repräsentanten einer Bank, die oder der die Branche auf härtere Zeiten einschwören möchte, sondern von Daniela Ryf, der vielfachen Schweizer Ironman-Weltmeisterin.

Nach einem Leben für den Ausdauersport hatte sich Ryf vor zwei Jahren aus den Wettkämpfen zurückgezogen. Sie schilderte nicht nur die Faktoren, die sie auf ihrem Weg an die Spitze angetrieben oder gebremst hatten (und von der Kunst, Hindernisse als zusätzliche Motivationsspritze zu betrachten), sondern berichtete in der Diskussion mit dem Publikum auch von ihrem Leben nach dem Profisport. Und hier verwendete sie mit «einen Impact haben» ebenfalls eine aus der Finanzindustrie geläufige Redewendung, wobei sie sich allerdings auf die von ihre gegründete Daniela Ryf Foundation bezog

Interlaken statt Luzern

Die Teilnehmer des ISPF, das vergangene Woche wieder einmal in der zwischen zwei Seen gelegenen, immer noch hochsommerlichen Touristenmetropole Interlaken über die Bühne ging, statt wie gewohnt im schönen Luzern (mit nur einem See), beherzigten aber auch ein anderes Prinzip von Ryf. Dass man es nicht versäumen soll, harterkämpfte Erfolge auch gebührend zu feiern.

Die Stimmung an der von der SIX Group und von der Swiss Structured Products Association – die SSPA zelebrierte kürzlich ihr 20-Jahr-Jubiläum in Zürich – organisierten Veranstaltung war angesichts der ansprechenden Börsenentwicklung sowie guter Absatzzahlen aufgeräumt und weniger auf Introspektion ausgerichtet als noch vor einem Jahr in Luzern.

Natürlich fehlten auch im Programm 2026 die schweren Gänge nicht, z.B. die Regulierung. In der Schweiz scheint sich der Regulierungsdrang auf die Too-big-to-fail-Problematik zu konzentrieren, was immerhin dazu geführt hat, dass in den vergangenen Monaten keine spezifisch für Strukis verfassten Vorschriften dazu gekommen sind. Daniel Häberli, Partner bei Homburger und Head Legal & Regulation bei der SSPA, kündigte mit Blick auf die Selbstregulierung an, dass der Struki-Verband noch stärker versuchen werde, im Dialog die Erwartungen und Vorstellungen der Finma auszuloten.

Kein EU-Omnibus für Finanzdienstleistungen

Anders sieht das in EU-Europa aus, wie Christian Vollmuth, CEO des Bundesverbands für strukturierte Wertpapiere, ausführte. Zwar hat die EU-Kommission für verschiedene Bereiche sogenannte Omnibus-Erlasse geschnürt, mit denen über einen Rechtsakt die Regelungsdichte insgesamt abgebaut, die Komplexität reduziert und die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Standortattraktivität Europas erhöht werden sollen. Aber obwohl die Kommission immer wieder die Notwendigkeit einer Kapitalmarktunion (die heute als europäische Spar- und Investitionsunion bezeichnet wird) betone, gebe es keinen Omnibus für den immer dichter regulierten Finanzdienstleistungsbereich.

Vollmuth bezeichnete die Retail Investment Strategy (Anlagestrategie für Kleinanleger) der EU als totales Desaster. Sie führe dazu, dass Private weniger statt mehr Mittel an den Finanzmärkten investierten. Die mit einem zu wenig klar definierten Mandat operierende Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA verglich Vollmuth mit einer Krake, die immer mehr Befugnisse an sich reisse, was auch vernünftige länderspezifische Regelungen erschwere.

Immer mehr fester Bestandteil der Gespräche

Doch insgesamt dominierte wie gesagt die Zuversicht. SSPA-Präsident Georg von Wattenwyl von der Bank Vontobel (die tags zuvor ihren Auszug aus der Stadt Zürich angekündigt hatte), zeigt sich ostentativ «bullish» für strukturierte Produkte, die einen immer grösseren Stellenwert in Kundengesprächen einnähmen, was auch der Arbeit des Verbands zu verdanken sei.

Und mit Blick auf dessen künftiges Wirken liess der Struki-Veteran erkennen, dass sein Taten- und Gestaltungsdrang noch lange nicht erschöpft ist. Nicht nur er, sondern auch die Struki-Branche als Ganzes hat in den letzten dreissig Jahren ihre Nehmerqualitäten (oder eben neudeutsch Resilienz) wiederholt unter Beweis gestellt.