KKR trotzt den Private-Credit-Zweifeln
Die Nervosität im Markt für Privatanlagen nimmt zu. In den vergangenen Wochen mussten mehrere grosse Anbieter von Evergreen-Fonds Rücknahmen begrenzen oder zumindest genauer überwachen. Besonders im Fokus standen dabei Private-Credit-Vehikel unter anderem von Blackstone, Apollo, Ares, Blue Owl und Partners Group.
Die Sorge vieler Investoren: Die Kombination aus illiquiden Anlagen, steigenden Ausfällen und sinkender Risikobereitschaft könnte die Branche vor eine neue Bewährungsprobe stellen.
Für zusätzliche Verunsicherung sorgte Anfang Juni die Nachricht, dass Partners Group Rücknahmen bei einem ihrer Evergreen-Private-Equity-Fonds begrenzen musste; finews berichtete darüber. Daraufhin gerieten auch die Aktien von KKR, Blackstone, Ares und Blue Owl unter Druck. Marktbeobachter sprechen inzwischen von einer Ausweitung der Rücknahmeproblematik vom Private-Credit- auf den Private-Equity-Bereich.
KKR widerspricht dem Pessimismus
Ausgerechnet jetzt legt KKR seinen Halbjahresausblick 2026 vor – und stellt sich damit gegen die vorherrschende Marktstimmung. Weder sieht das Haus eine fundamentale Krise im Private-Credit-Markt noch ein Ende des Private-Equity-Booms. Vielmehr befinde sich die Branche in einer Phase der Bereinigung und Professionalisierung.
«Der Zyklus setzt sich fort, und für die meisten Anlageklassen ausserhalb von Staatsanleihen zeigt der Weg des geringsten Widerstands weiter nach oben», schreibt Henry McVey, Head of Global Macro und CIO.

Henry McVey, CIO der KKR-Bilanz, sieht trotz wachsender Zweifel an Private Credit und Evergreen-Fonds weiterhin attraktive Chancen in den privaten Märkten. (Bild: zVg)
Für die Experten von KKR ist die aktuelle Marktphase kein Signal zum Rückzug. Im Gegenteil: Die Gesellschaft sieht weiterhin eine produktivitätsgetriebene Wachstumsphase, die länger anhalten könnte, als viele Marktteilnehmer erwarten. Gleichzeitig würden geopolitische Spannungen, künstliche Intelligenz und strukturelle Veränderungen der Weltwirtschaft die Unterschiede zwischen Regionen, Branchen und Anlageklassen weiter vergrössern.
Mit Verweisen auf historische Parallelen zu den 1870er-Jahren, den 1920er-Jahren und dem späten Jahrzehnt der 1990er-Jahre argumentieren McVey und seine Kollegen, dass Phasen erhöhter Divergenz keineswegs beispiellos seien – auch wenn die heutige Ausprägung deutlich breiter angelegt sein könnte.
Private Equity muss sich neu erfinden
Nach Ansicht von KKR werden künftig nicht mehr hohe Fremdfinanzierungsquoten und steigende Bewertungen die Renditen treiben. Entscheidend seien operative Verbesserungen, Produktivitätssteigerungen und aktives Management der Portfoliounternehmen.
«Der Erfolg der Private Markets wird künftig – insbesondere im Private Equity – deutlich stärker von operativen Verbesserungen als von Financial Engineering abhängen», schreibt McVey.
«Attraktive Übernahmemöglichkeiten»
Besonders positiv beurteilt KKR Corporate Carve-outs und Public-to-Private-Transaktionen. Viele Unternehmen benötigten angesichts technologischer Umbrüche und geopolitischer Unsicherheiten mehr strategische Flexibilität. Daraus könnten attraktive Übernahmemöglichkeiten für Private-Equity-Investoren entstehen.
Gleichzeitig zeigt sich das Team vorsichtiger gegenüber langlaufenden Staatsanleihen, hoch verschuldeten Transaktionen aus dem Jahr 2021, Konsumausgaben einkommensschwächerer Haushalte sowie Anlagen, die auf eine Rückkehr zum früheren Umfeld niedriger Inflation, tiefer Zinsen und reichlich vorhandener Liquidität angewiesen sind.
Private Credit wird selektiver
Auch beim Private Credit erkennt KKR zunehmende Risiken. Das Haus verweist ausdrücklich auf höhere Ausfallraten und tiefere Recovery-Werte. Dennoch sieht der Vermögensverwalter darin eher eine Chance für etablierte Marktführer als eine Bedrohung für die gesamte Anlageklasse.
Vielmehr erwartet KKR eine Konsolidierung des Marktes, ähnlich wie sie bereits in den traditionellen Kreditmärkten stattgefunden hat. Entscheidend würden künftig Diversifikation, Portfoliokonstruktion und die Fähigkeit sein, bei Problemen aktiv Einfluss auf Kreditnehmer zu nehmen. Proprietäre Deal-Pipelines und eine disziplinierte Kreditprüfung würden zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen.
Die aktuelle Diskussion um einzelne Fonds dürfe deshalb nicht mit der Gesundheit der gesamten Anlageklasse verwechselt werden, betont KKR.
Die eigentliche Gefahr liegt anderswo
Bemerkenswert ist, dass KKR die grössten Risiken derzeit nicht im Private-Credit-Sektor selbst sieht. Sorge bereitet dem Haus vielmehr die starke Konzentration von Wachstum und Gewinnen auf wenige KI- und Technologieunternehmen.
Laut dem Bericht entfielen rund 60 Prozent des Gewinnwachstums im S&P 500 im ersten Quartal 2026 auf KI-nahe Unternehmen. Sollte sich die Dynamik im Bereich künstliche Intelligenz deutlich abschwächen oder die Produktivitätsgewinne hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnten sowohl die öffentlichen als auch die privaten Märkte unter Druck geraten.
Gleichzeitig warnt KKR vor dauerhaft höheren Inflationsraten, geopolitischen Schocks und einer zunehmenden Konzentration wirtschaftlicher Macht auf wenige Sektoren und Unternehmen.
Im Weiteren reicht laut KKR das Thema «Security of Everything» deutlich weiter als ursprünglich angenommen und umfasst nicht nur Verteidigung, sondern auch Ernährung, Wasser, Energie und kritische Rohstoffe. Sicherheit werde zunehmend zu einer zentralen Annahme für CEOs und politische Entscheidungsträger.
Europa divergiert
Der Bericht gibt zudem die Überzeugung des Teams bezüglich ausgewählter internationaler Märkte wieder, insbesondere in Asien. Dort bleiben Unternehmensreformen, KI-Infrastruktur und steigender Konsum langfristig zentrale Anlagethemen.
Für Europa argumentiert das Team, dass sich die Region nicht in einem allgemeinen Niedergang befinde, sondern zunehmend auseinanderentwickle. Die Peripheriestaaten, insbesondere Spanien und Italien, würden dank Binnenkonsum, Tourismus und fiskalisch unterstützten Investitionen besser abschneiden als der industrielle Kern Europas.















