Weshalb der Schweizer M&A-Markt nicht auf Touren kommt

Laut dem Oaklins M&A Outlook 2026 hat sich das Stimmungsbarometer bei den Schweizer Unternehmen gegenüber Jahresbeginn zwar leicht aufgehellt, verharrt aber weiterhin auf tiefem Niveau. Lediglich 15 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine gute oder eher gute konjunkturelle Entwicklung. Im Januar lag dieser Wert bei nur 6 Prozent.

Auch das Finanzierungsumfeld bleibe anspruchsvoll heisst es weiter. 40 Prozent der Umfrageteilnehmenden beurteilen die Verfügbarkeit von Fremdkapital als hoch oder eher hoch, während nur 31 Prozent die Verfügbarkeit von Cash entsprechend einschätzen – ein historischer Tiefstwert.

«Das volatile wirtschaftliche Umfeld schlägt sich damit zunehmend auf die Finanzkraft vieler Unternehmen nieder», sagt Jürg Stucker, Studienautor und Partner bei Oaklins Switzerland. «Im aktuellen Umfeld sind viele Unternehmen mit sich selbst beschäftigt. Da geht es um Kosteneinsparungen Restrukturierungen und Portfoliobereinigung.

Auch die Bereitschaft, Unternehmensanteile zu verkaufen nehme ab. 73 Prozent der Befragten verweisen auf sinkende oder gleichbleibende Multiples. Potenzielle Verkäufer dürften daher eher zuwarten, was die Dynamik am M&A-Markt zusätzlich bremsen könnte. Nur noch 17 Prozent der Umfrageteilnehmenden halten den Verkauf von Unternehmensteilen für denkbar, gegenüber 37 Prozent zu Jahresbeginn.

Nur 46 Prozent planen Akquisitionen

Das unsichere Umfeld laste auch auf Expansionsplänen. Nur 46 Prozent der Umfrageteilnehmenden planen, in den kommenden zwölf Monaten eine Akquisition zu tätigen. Damit sei dieser Wert erstmals seit Beginn der Erhebung unter die Marke von 50 Prozent gefallen.

«Globale Unsicherheit, geopolitische Spannungen, volatile Energie- und Rohstoffmärkte sowie wechselhafte handelspolitische Rahmenbedingungen prägen weiterhin die Entscheidungsgrundlagen vieler Unternehmen», betont Stucker weiter. «Käufer agieren in diesem Umfeld selektiv und erfolgreiche Transaktionen erfordern etwas mehr Überzeugungsarbeit als in Phasen breiter Marktliquidität.»

Das habe auch Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung Schweizer Unternehmen. Statt einer Expansion würden operative Stabilität, Kosteneffizienz und interne Prozesse priorisiert.

Laut Stucker würden gerade daraus aber auch neue M&A-Impulse entstehen. «Insbesondere im Industriesektor und Energiebereich spielt M&A weiterhin eine zentrale Rolle bei der Umsetzung strategischer Wachstums- und Transformationspläne.» Portfolios würden überprüft, nicht strategische oder unrentable Geschäftsbereiche abgestossen und neue Partnerschaften geprüft.

Entsprechend erwarten 64 Prozent der Befragten die grösste Dynamik im Bereich Sanierungs- und Restrukturierungs-M&A. Vor diesem Hintergrund hat sich der M&A-Index gegenüber Jahresbeginn zwar leicht erholt, verbleibt mit 86 Punkten jedoch weiterhin auf einem tiefen Niveau.

(Der Index zeigt die prognostizierte Entwicklung der M&A-Aktivität in den kommenden sechs bis zwölf Monaten mit Beteiligung von Schweizer Unternehmen (Umfrageergebnisse in Punkten). Quelle: Oaklins M&A Outlook.)

Ein breiter Aufschwung der Transaktionstätigkeit Schweizer Unternehmen dürfte laut der Umfrage vorerst ausbleiben. Eine hohe oder eher hohe M&A-Aktivität in den kommenden zwölf Monaten erwarten nur 26 Prozent der befragten Unternehmen.

TMT-Sektor einer der aktivsten Branchen

Dabei gebe es jedoch ausgeprägte Unterschiede zwischen den Branchen. Der TMT-Sektor (Technologie, Medien und Telekommunikation) dürfte aufgrund von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz weiterhin zu den aktivsten Bereichen zählen. Gleichzeitig rücke der Industriesektor stärker in den Fokus, insbesondere dort, wo Energiepreise, Lieferketten und Rohstoffverfügbarkeit den Margendruck erhöhen und strukturelle Anpassungen erforderlich machen.

Der Fokus der akquisitionswilligen Unternehmen bleibe klar auf dem europäischen Kontinent. Innerhalb Europas verliere die Schweiz als Zielmarkt jedoch weiter an Bedeutung: Nur noch 21 Prozent planen Übernahmen im eigenen Land, nachdem es Mitte 2025 noch 33 Prozent waren. Der Anteil des übrigen Europas nimmt entsprechend zu. Nordamerika bleibe als Zielregion weiterhin auf erhöhtem Niveau, gibt jedoch leicht zugunsten Asiens nach.

Damit es zu einer spürbaren Belebung am M&A-Markt komme brauche es mehr Sicherheit. Als Faktoren nennt Stucker die geopolitischen Krisen, Energiepreise, Zölle oder die Zinsentwicklung. «M&A ist für die Schweizer Unternehmen ein internationales Geschäft. Steigenden Zinsen in den USA oder der Eurozone haben dabei einen negativen Einfluss.» Für Schub könnten die Geschäftsmöglichkeiten rund um das Tech-Thema sorgen. «Das greift in allen Sektoren, wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit.»